Rhein-Pfalz Kreis Keine Schreckschüsse auf dem Friedhof

Die Saatkrähen-Kolonie auf dem Lambsheimer Friedhof wird nicht mit Schüssen vergrämt. Dagegen hat sich nun das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim entschieden. Die Verwaltung forscht allerdings weiter, ob und wie die Vögel vertrieben werden können, die mehrere Gräber mit ihrem Kot beschmutzen. Friedhofsbesucher hatten sich massiv beschwert.
Die Ortsgemeinde hatte beantragt, wie im vergangenen Jahr einen Schussapparat aufzustellen, um die Vögel mit den Böllern zu verschrecken. Diesen Antrag hat das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde nun abgelehnt, nachdem es die Meinungen der Behörden eingeholt hatte, die für den Naturschutz und die Lärmüberwachung zuständig sind. Vieles spreche gegen den Einsatz der Schussapparate, erläutert der Ordnungsamtsleiter Thomas Bauer: „Die Apparate sind nur für die Weinberge und Äcker vorgesehen, um landwirtschaftliche Schäden abzuwenden“, erklärt er. Dazu komme, dass der Friedhof zu nah an der Ortsbebauung liege und somit der Lärm die Anwohner belästigen könnte. Und schließlich dürfen die Vögel nicht von ihren Brutstätten vertrieben werden, sondern nur dort, wo sie Fraßschäden verursachen. Nun habe man noch überlegt, ob man den Apparat einsetzen könnte, wenn der Landwirt direkt neben dem Friedhof Schäden geltend machen würde. Saatkrähen würden jedoch nicht als Schadvögel gelten – also als Tiere, die wie etwa die Stare die Ernte bedrohen. „Trick 17 ist also auch ausgeschieden“, schildert Bauer die Bemühungen der Verwaltung. Er versteht die Sorgen der Friedhofsbesucher. Etwa 20 bis 30 Gräber seien in diesem Teil des Waldfriedhofs betroffen. So schildert Helga Marnet, die einmal wöchentlich das Grab ihrer Eltern besucht, in einem Leserbrief an die RHEINPFALZ: „Es ist alles verkackt, die Wasserstelle schlimm verschmutzt – einfach ekelhaft.“ Sie hat ein Loch in einen Müllsack geschnitten und stülpt ihn sich über, wenn sie den Friedhof betritt, um ihre Kleidung zu schützen. „Das Zeug ist so aggressiv, man bekommt die Flecken nicht mehr raus“, sagt sie und appelliert an die Gemeinde, den Bürgern zu helfen. Ordnungsamtsleiter Bauer hat inzwischen sowohl die Obere Naturschutzbehörde kontaktiert als auch einen Vogelkundler. Mit Schreckschüssen laufe man Gefahr, dass die Kolonie in alle Richtungen versprengt werde und mehrere neue Kolonien bilden könne, hat er dabei erfahren. Außerdem wirke das Verschrecken nicht dauerhaft: Die Kolonie, die jetzt in Lambsheim brütet, könne weiterziehen, dafür andere von außerhalb nächstes Jahr herziehen. Und schließlich habe der Schussapparat letztes Jahr nur bedingt gewirkt: Grob gesagt, von zehn Paaren hätten sich acht verzogen und zwei weiter gebrütet, sagt Bauer. Die Verwaltung müsse nun prüfen und kalkulieren, sagt Bauer: Kann und soll man die Vögel vertreiben und mit welchen Konsequenzen und zu welchem Preis? Kann man mit den gleichen Kosten auch eine andere Lösung finden, etwa sich um die Grabreinigung kümmern? Diese Fragen soll nun ein Vogelkundler klären. Er ist von der Gemeinde beauftragt worden, ein Gutachten zu erstellen und darin mehrere Szenarien mit Vor- und Nachteilen zu beleuchten. Im Laufe des Julis soll es vorgelegt werden. Dann muss die Ortsgemeinde entscheiden, was zu tun und unterlassen ist. Dabei gibt es auch einige exotischere Szenarien: einen Falkner zu bestellen, der einen imposanten Greifvogel aufsteigen lässt, sodass sich die Krähen fürs Brüten einen anderen Platz suchen. Das werde so am Frankfurter Flughafen praktiziert. „Ist allerdings von den Kosten her eine Luxusvariante“, weiß Bauer inzwischen. (jel)