Rhein-Pfalz Kreis Keine Angst vorm scharfen Messer
Scharf in der Kehle schmeckte am Samstag die Salsiccia, die italienische Bratwurst. Und scharf an der Kehle lag manchem Besucher die Shavette, das Rasiermesser von Barbiermeister Daniele Quagliata. Bei der „Serata italiana“ auf dem Kurpfalzplatz in Bobenheim-Roxheim stutzte der Mannheimer gekonnt und ohne Blutvergießen Männerbärte und Nackenhaare.
T-Shirt-Wetter mit trockenem Himmel und vollen Gläsern: Das dritte italienische Fest im Herzen von Bobenheim-Roxheim war ein voller Erfolg. „Geschätzte 1500 Besucher sind gekommen“, freute sich Thomas Lätzsch, Vorsitzender des veranstaltenden örtlichen Gewerbevereins. Beim ersten Mal 2015 waren es noch 500 Gäste, im vergangenen Jahr verdoppelte sich diese Zahl, und nun waren es dreimal so viele Besucher wie bei der Premiere. Nach bewährtem Konzept hatte der Gewerbeverein einen Mix aus mediterranen Gaumenfreuden, Präsentationen örtlicher Unternehmen und Unterhaltungskünstlern im Pfalzring versammelt. Anziehungspunkt war der Stand des in Mannheim lebenden Italieners Daniele Quagliata, der seit über einem Jahr in der Quadratestadt einen Barbershop führt. „Ich brauche Bärte“, sagte Quagliata, dessen Barbierstuhl anfangs lange leer war. Zuschauen wollten viele, doch die meisten Männer schienen dann doch Respekt vor dem scharfen Rasiermesser des Barbiermeisters zu haben. Vielleicht wirkte auch die Preisliste abschreckend: Ab 21 Euro aufwärts kostete die Rasur und 30 Euro eine Frisur. Thomas Staller war einer der ersten Mutigen: Extra für diese „Hot Towel Shave“, eine heiße Handtuchrasur, hatte sich der Bobenheim-Roxheimer zwei Wochen lang nicht rasiert. „Er hat schon etwas Angst vor dem Messer“, verriet Ehefrau Petra der RHEINPFALZ.“ Eine knappe halbe Stunde verbrachte Staller in horizontaler Position auf dem antiken Barbierstuhl. Nach einer feucht-warmen Handtuchkompresse schabte ihm der Barbier mit der Shavette fachmännisch den Bartwuchs von Wangen, Kinn und Hals. „Glatt wie ein Babypopo“, lobte Staller die Barbierkunst Quagliatas. Er selber sei Nassrasierer und würde sich zum täglichen Rasieren nur wenig Zeit nehmen, erzählte er. „So eine Rasur beim Profi ist ein echtes Wellnesserlebnis. So etwas gönnen wir Männer uns viel zu selten.“ Nicht nur vom Stand des Barbiers waren die Stallers beeindruckt. „Es ist ein richtig buntes Fest, und alle Generationen feiern mit“, sagte Petra Staller begeistert. Als Halbitalienerin genoss sie besonders das typische Flair, das ihr ein Stück apulische Heimat in die Pfalz gebracht habe, wie sie sagte. Auf der Festbühne teilten sich drei italienische Musiker die Aufmerksamkeit des tanzbegeisterten Publikums. Am Mikrofon standen Britta lo Giudice und Samuel di Dio, während Matteo di Maggio die Gitarre bediente. Nach seinem Auftritt entpuppte sich di Dio als Maler: An der Staffelei zauberte er mit gekonnten Pinselstrichen das Mittelmeer auf die Leinwand. Kreativ sein durften auch die jüngsten Festbesucher. In der Kinderecke der IPS Kreativ-Werkstatt entstanden in den Händen der kleinen Künstler bunte Figuren aus Silk Clay und Foam Clay, das sind weiche, bunte Modelliermassen, die innerhalb kurzer Zeit an der Luft aushärten.