Rhein-Pfalz Kreis Kein Blut im Schuh

Den Spaß lassen sich die Bediensteten, Aschenputtel und die Stiefschwester nicht nehmen.
Den Spaß lassen sich die Bediensteten, Aschenputtel und die Stiefschwester nicht nehmen.

«Mutterstadt.»„Aschenputtel“ ist in der Musical-Version des Bochumer Theater Liberi ganz schön entstaubt worden. Im Mutterstadter Palatinum zeigte das sechsköpfige Ensemble am Donnerstag eine ganz neue Fassung von Grimms Märchen, ohne aber die Geschichte allzu sehr zu verfremden.

Mit schriller Stimme kündigt sich die strenge Stiefmutter an, panisch versuchen die Dienerschaft und Aschenputtel das Haus aufzuräumen. Ehrfurchtsvolle Stille im Publikum. Aber schon nach ein paar Minuten wird klar, ganz so ernst wird die despotische Hausherrin – wundervoll dargestellt von Carina Nopp – nicht genommen. Auch wenn das Donnerwetter mal wieder allein über Aschenputtel niedergeht, kichern und blödeln das Gesindel, die Stief- und sogar die leibliche Tochter hinter ihrem Rücken. Und dann hat auch schon der Prinz (Markus Peters) seinen Auftritt: Ganz untypisch erledigt er Botengänge im Dorf. Als Dienstbote des Königs getarnt, verliebt er sich in Aschenputtel und nicht – wie im Original – in eine „Prinzessin“ mit gezaubertem Kleid. Spätestens hier hat das Publikum gemerkt, dass die Figuren in dieser Musical-Fassung allesamt anders gestrickt sind als im Märchen. Da ist die Stiefschwester Greta, die sich schützend vor Aschenputtel stellt, gar keine Lust auf Hochzeit und Prinz hat und viel lieber studieren möchte. Oder der König (Dennis Fischer), der nichts dagegen hätte, wenn seine zukünftige Schwiegertochter eine Magd wäre. Und dann ist da noch die Fee. Mit einem lauten „Ruckdidu“ flattert Elisabeth Kirch als dickes Täubchen durchs Fenster hinein – die Kinder sind ganz entzückt. Und Aschenputtel ganz verwundert und verwirrt, bei all den Sinnfragen, die das aufgedrehte Federvieh so stellt und gleich selbst beantwortet. „Alles ist da, auch wenn Du es nicht siehst.“ Und: „Wenn Du etwas willst, dann spreche es aus, sonst hört es Dein Herz es nicht.“ Nach jeder Begegnung mit der Fee wird das schüchterne Aschenputtel ein wenig selbstbewusster. Erst setzt sich das Mädchen bei ihrer Stiefmutter durch, dass sie und nicht Greta die bestellten Stoffe zum Schloss bringen darf – denn Aschenputtel hat sich längst in den „Dienstboten“ verguckt. Zum Ball will es zur Not auch ohne Kleid. Aber das hätte viele Mädchen im Publikum wohl sehr enttäuscht. Produzent Lars Arend hat die Figuren von ihren Schwarz-Weiß-Vorlagen befreit und erzählt eine erfrischende Geschichte in Liedern mit modernen Texten und Melodien. Aus der Botschaft von einst – „Irgendwann kommt ein Traumprinz vorbei“ – wird „Warte besser nicht auf ihn, sondern tue was“. Und darum gehörte nicht nur die berühmte Schuh-Szene (aber ohne Blut im Schuh) zum Happy End, sondern auch, dass die Stiefmama ein Einsehen hat und sich bei Aschenputtel entschuldigt.

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