Rhein-Pfalz Kreis Jede Anzeige hilft
«Böhl-Iggelheim/Mutterstadt.» Falsche Polizisten am Telefon, Trickbetrüger, Einbrecher: Es vergeht fast kein Tag ohne Meldung über Kriminelle auf Beutezug. Dennoch lebt es sich in Böhl-Iggelheim relativ sicher. Das hat Kai Giertzsch, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Schifferstadt, dem Kriminalpräventiven Rat der Gemeinde mitgeteilt. Seine Dienststelle ist für die Sicherheit von rund 90.000 Menschen im mittleren Rhein-Pfalz-Kreis zuständig, darunter die etwa 10.400 Böhl-Iggelheimer. „Die Kriminalität hier ist ein gutes Stück unter dem Durchschnitt“, sagt Giertzsch. Um die unterschiedlich einwohnerstarken Gemeinden und ihre jeweilige Kriminalitätsrate miteinander vergleichen zu können, wird in der polizeilichen Statistik die Anzahl der Straftaten auf Vergehen je 100.000 Einwohner hochgerechnet. Dabei kommt Böhl-Iggelheim für das vergangene Jahr auf einen Wert von 4808. In der Vorderpfalz, also im gesamten Bezirk des Polizeipräsidiums Rheinpfalz, beträgt dieser 6628, in ganz Rheinland-Pfalz 5943 und deutschlandweit 6764. Die Palette der Straftaten reicht von Beleidigungen über demolierte Autos bis zu Körperverletzungen. Wirklich besorgniserregende Tendenzen sind dabei laut Giertzsch nicht zu erkennen, zumal sich die Lage an der Musikkneipe Tabala und rund um den Bahnhof deutlich verbessert habe. „Dort hatten wir ja vor Jahren immer wieder Einsätze“, erinnert er sich. Ebenfalls erfreulich aus Sicht der Beamten: Die Aufklärungsquote war so gut wie noch nie. Fast zwei Drittel aller Fälle in Böhl-Iggelheim hat die Polizei aufklären können (58,4 Prozent). Bei den Wohnungseinbrüchen zahlen sich Giertzsch zufolge Aufklärungsarbeit und verstärkte Kontrollen aus: „Der bis zum Jahr 2016 steigende Trend ist gestoppt“, sagt Giertzsch. Einzige Ausnahme sei Mutterstadt, das wohl wegen seiner sehr guten Verkehrsanbindung – sprich: vielen Fluchtrouten – bei Einbrechern sehr beliebt sei. Wichtig sei: Jede Straftat anzeigen, jede Auffälligkeit melden. Zum Beispiel, wenn sich Unbekannte für Höfe und Gärten in einer Straße interessieren. Oder ein unbekanntes Auto wiederholt vorbeifährt. Solche Beobachtungen münden zwar nicht immer sofort in einer Verhaftung, „aber sie helfen uns wie Mosaiksteinchen, ein Gesamtbild zu erstellen und so Täter zu überführen“, erläutert er. Beigeordneter Karl-Heinz Hasenstab (CDU) ergänzt, dass jeder Wohnungseigentümer sich kostenlos von einem Experten der Polizei über Einbruchschutz informieren lassen kann. „Das stimmt. Gerade bei Fenstern lässt sich mit wenig Aufwand viel erreichen. Kommt ein Täter nicht innerhalb von drei bis fünf Minuten ins Gebäude, gibt er auf“, merkt Giertzsch an. Auch bei den von der Öffentlichkeit oft kritisch beäugten Asylbewerbern gebe es nichts Auffälliges. Die Hälfte der Straftaten ereigne sich in den Unterkünften. „Intensivtäter gibt es zurzeit nicht“, sagt der erfahrene Beamte. Stefan Heina von der Inspektion der Bundespolizei in Kaiserslautern gibt ebenfalls Entwarnung. Seine Behörde ist für Straftaten im Bahnhofsgebäude, auf Gleisen und in Zügen zuständig. „Es gibt hier keinen Brennpunkt, keine Szene“, berichtet er. Bedauerlich sei aber, dass immer wieder Menschen über die Gleise laufen. Auf die Frage, wie viel das kostet, antwortet er: „Wenn Sie Pech haben, das Leben. Ohne Verkehrsbehinderung 25 Euro. Muss der Zug bremsen, wird es vierstellig plus die Schadensersatzforderung der Deutschen Bahn.“ Bei den Jugendlichen hat sich die Lage weitgehend entspannt, berichtet Streetworker Heiko Gierczyk. Bis auf eine Gruppe, die den Kerweplatz mit ihrem Müll dekoriert und die Anwohner abends mit lauter Musik stört, gebe es keine Probleme mehr. Auffällig sei der Alkoholkonsum junger Böhl-Iggelheimer bei den Kerwen und anderen Festen. Besonders schlimm sei die Lage beim Andechser Bierfest im benachbarten Haßloch: „Dafür sind wir hier zwar nicht zuständig, aber der Jugendschutz ist dort gleich null“, sagt Gierczyk und verweist auf Zwölfjährige, denen bei Testkäufen problemlos Hochprozentiges verkauft wurde. In Böhl-Iggelheim sei das Projekt „Fußball statt Kneipe“ gestartet, bei dem im Jugendzentrum ausgewählte Spiele gezeigt werden. Sehr gut kommen ihm zufolge zudem die gemeinsamen Besuche in Fußballstadien wie denen in Hoffenheim und Kaiserslautern an.