VG Rheinauen / Limburgerhof
Interview: Pfarrer spricht über Vorteile des Fastens und klärt einen Widerspruch auf
Herr Aschenberger, was gibt’s bei Ihnen am Aschermittwoch zum Mittagessen?
Heringssalat und Gequellte.
Der Klassiker also. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Gibt es in der katholischen Kirche feste Fastenregeln?
Wir unterscheiden zwischen der Fastenzeit und den Fasten- und Abstinenztagen. An Fastentagen gibt es nur eine sättigende Mahlzeit am Tag, an den Abstinenztagen gibt es kein Fleisch. Nur der Aschermittwoch und der Karfreitag sind solche Fasten- und Abstinenztage. Für die Fastenzeit selbst gibt es keine Vorschriften.
Oft sagen die Leute, sie verzichten auf Süßigkeiten und Alkohol. Ist das nicht ein bisschen billig? Frühjahrsentschlacken ist eh angesagt und ein paar Kilo wird man meist sowieso gerne los.
Das kann schon entschlackend sein. Aber wir verbieten als Kirche keine Süßigkeiten und keinen Alkohol, sondern ich entscheide mich in meiner Freiheit bewusst, auf etwas zu verzichten, damit mir klar wird, auf was es wirklich ankommt.
Worauf kommt’s denn an?
Nicht auf das, auf das man verzichtet (lacht). Ich habe in der letzten Fastenzeit aufs Fernsehen verzichtet, weil ich abends oft so müde und kaputt bin, dass ich meine, dass ich außer eine Stunde vor dem Fernseher zu sitzen nichts mehr machen könnte. Durch den bewussten Verzicht merkt man: Da gibt’s doch noch Dinge, die man machen kann. Ich habe gelesen, Gewürze gemischt, mit Freunden telefoniert. Letztlich muss und darf jeder für sich selbst entscheiden, worauf er verzichtet.
Und was bringt der Verzicht?
Nicht nur ich hab’ die Erfahrung gemacht, dass eine Zeit, in der man was weglässt, einem auch eine neue Freiheit schenkt. Es geht also nicht um Selbstkasteiung oder sich selbst was zu vermiesen. Es ist eine ganz bewusste Entscheidung in Freiheit zu einer größeren Freiheit. Das passt gut zu Ostern, einem Fest, bei dem es um Freiheit geht: Im Alten Testament ist das die Befreiung des Volk Israels, im Neuen Testament die Befreiung von Sünde und Tod.
Worauf verzichten Sie in diesem Jahr?
Ich werde dieses Jahr auf Fleisch verzichten. Das habe ich vor Jahren aus medizinischen Gründen mal eine Zeit lang gemacht, und es hat mir gut getan. Ich habe es aber später nicht mehr geschafft, das weiterdurchzuziehen. Manchmal braucht es einfach so einen Stupser, um die innere Hürde zu überwinden. In der Fastenzeit bring’ ich dieses Quäntchen mehr an Selbstkontrolle auf.
Ich hab’ nachgerechnet, Ostern ist in genau 47 Tagen. Warum spricht man dann von einer 40-tägigen Fastenzeit?
Weil die Sonntage nicht dazugehören. 40 Tage ist eine gute Zeitspanne. Es ist lang genug, um eine Herausforderung darzustellen, aber es ist kurz genug, dass es machbar ist. Die Sonntage sind Etappenziele. Ich finde den Vergleich mit einem Marathonlauf treffend, der ist etwas mehr als 40 Kilometer lang. Man kann ihn schaffen, aber man muss sich schon anstrengen. Wenn ich alle sechs Kilometer für einen Kilometer langsam laufe, kann ich wieder Luft schnappen für die nächsten sechs Kilometer, wenn mir das hilft.
Und an den Sonntagen darf ich dann all das, worauf ich sonst verzichte, mal kurz zwischendurch?
Ob ich das mache oder nicht, ist meine Entscheidung. Es geht nicht darum, die 40 Tage als Selbsttest runterzureißen, sondern auch mal innezuhalten.
Kommen wir zurück zum Aschermittwoch. Warum heißt der so?
Weil die Gläubigen im Gottesdienst ein Kreuz aus Asche auf die Stirn gezeichnet bekommen als Beginn der Fastenzeit in Erinnerung an die Vergänglichkeit allen Lebens. Dazu sage ich: Bedenke Mensch, du bist von Staub und kehrst zu Staub zurück.
Das klingt aber düster.
Nein, eigentlich nicht. Man macht sich sein Leben bewusst. Oft sind da Erklärungen für Kinder ganz hilfreich. Besonders schön erlebe ich den Aschermittwoch in der Kita in Neuhofen. Wir stehen draußen im Kreis, Luftschlangen und Buchszweige werden verbrannt. Mit dieser Asche düngen die Kinder Weizenkörner, die sie gesät haben. Daraus entsteht ein Ostergras. Dann überlegen wir uns, was wir in der Fastenzeit an guten Gedanken aussäen können, und düngen das mit Asche. Da lasse ich mir auch von einem Kind ein Kreuz auf die Stirn zeichnen. Zu den Kindern sage ich dann: Gott will Gutes in dir wachsen lassen.