Rhein-Pfalz Kreis In 45 Minuten 20 Meter Netz gewebt
Als ich gehört habe, dass ich für die RHEINPFALZ etwas über Spinnen schreiben soll, war ich nicht begeistert. Die Vorstellung, dass eine Spinne mit ihren langen Beinen über mein Biberfell krabbelt ... brrr. Aber dann habe ich mit einem Naturschützer telefoniert. Der hat mir erklärt, dass ich vor Spinnen keine Angst haben muss, dass sie sogar nützlich sind.
Klaus Graber ist schon 58 Jahre alt. Aber er erinnert sich immer noch daran, was einmal sein Biologielehrer zu ihm gesagt hat, als er noch in die Schule ging. „In der Natur“, sagte dieser Lehrer zu den Kindern, „gibt es nichts Ekliges. Nur Zweckmäßiges.“ Daran muss Klaus Graber immer denken, wenn es um Spinnen geht. Dass es viele Leute gibt, die diese Tiere eklig finden oder sogar Angst vor ihnen haben, kann er überhaupt nicht verstehen. „Dazu gibt es überhaupt keinen Grund. Spinnen können den Menschen in keiner Weise schaden.“ Selbst wenn eine giftige Spinne einen Menschen beißen sollte, kann das Gift nicht durch seine Haut dringen. Nur manchmal kommt es zu einer allergischen Reaktion. Klaus Graber ist unter anderem Vorsitzender der Kreisgruppe Grünstadt des Naturschutzvereins Pollichia und Abteilungsleiter im Verein für Naturschutz und Heimatpflege in seinem Wohnort Bobenheim-Roxheim. Was die Natur sich bei den Spinnen alles ausgedacht hat, findet er faszinierend. „Zum Beispiel bauen manche in nur einer Dreiviertelstunde ein über 20 Meter langes Netz“, erklärt er. „Und sie sind sogar richtig hygienisch. Kreuzspinnen fressen ihre eigenen Netze und recyceln sie.“ Dass man Spinnweben wegmacht, ist also nicht schlimm. Eines sollte man aber niemals tun, sagt Graber: Spinnen töten, zum Beispiel mit einer Zeitung oder dem Staubsauger. Das ist nicht nur gemein, sondern auch nicht schlau. Spinnen sind nämlich sehr nützlich im Haus. „Webspinnen leisten einen unheimlich großen Beitrag zur Schädlingsbekämpfung“, sagt Graber. „Sie vertilgen Milben und andere Schädlinge. Ohne Chemie und ohne Nebenwirkungen helfen sie dabei, das Haus sauber zu halten.“ Wer den Anblick einer Spinne gar nicht ertragen kann, dem empfiehlt er, sie in einem Glas zu fangen und draußen auszusetzen. Aber: Da sie sich gerne in Kellern oder hinter Schränken verstecken, bekommt man ihre Anwesenheit oft gar nicht mit. „Spinnen“, sagt Graber, „suchen sich am liebsten einen stillen Winkel.“ Mehr als 100.000 Spinnentierarten gibt es auf der Welt. Wenn bei uns die Rede von Spinnen ist, dann sind normalerweise Webspinnen gemeint. Von denen kommen etwa 1000 Arten in Deutschland vor. Es gibt einen eigenen Zweig der Biologie, der sich mit Spinnen beschäftigt: die Arachnologie. Mein eigener Eindruck, dass jetzt im Herbst mehr Spinnen im Haus zu finden sind als im Frühjahr oder Sommer, ist richtig. „Spinnen haben einen sechsten Sinn“, sagt Graber. „Die merken, wenn ein kalter Winter bevorsteht, und suchen sich ein warmes Plätzchen, an dem sie überwintern und Beute machen können.“ Serie Unser Zeitungsbiber Nils Nager streift gerne durch die Natur im Rhein-Pfalz-Kreis. Im Herbst sind ihm so viele interessante Dinge aufgefallen, dass er ihnen auf den Grund gehen möchte.