Rhein-Pfalz Kreis Immer diese Haubenlerche

Dannstadt-Schauernheim. Die Ausgangslage ist schwierig. Einerseits profitiert die Kommune von den erfolgreichen landwirtschaftlichen Betrieben. Andererseits bringt dieser Erfolg auch ein entsprechendes Transportaufkommen mit sich, das vor allem die Anlieger der Hauptverkehrsrouten belastet. Über die Straßen rollen landwirtschaftliche Fahrzeuge und Lastwagen, die Ware beim Mutterstadter Pfalzmarkt abholen. Einige Projekte haben in den zurückliegenden Jahren die Situation schon spürbar verbessert. Dazu gehört die Rechts-Abbiegespur an der Ampelkreuzung für Fahrzeuge, die aus Mutterstadt kommen. Außerdem der Richtungsanschluss von der A 65 nach Hochdorf-Assenheim. Und der langersehnte A-61-Anschluss an den Pfalzmarkt. Dennoch bleibt noch einiges zu tun. Ein wesentliches Projekt, um die Dannstadter Hauptstraße zu entlasten, ist die zweite Verkehrsachse vom Münchhof über die Riedstraße bis zum sogenannten Aldi-Kreisel (wir berichteten mehrfach). Auf dieser Route sollen Brummis und Traktorgespanne in Zukunft zum Pfalzmarkt und zurück gelangen, ohne über die Hauptstraße fahren zu müssen. Diese Entlastungsstrecke soll gebaut werden, wenn auch die Erschließungsarbeiten für die Erweiterung des Gewerbegebiets laufen. Die Vorbereitungen hierfür sind laut Verbandsbürgermeister Stefan Veth abgeschlossen: „Wir haben jetzt alle Genehmigungen und warten auf den schriftlichen Zuschussbescheid vom Land.“ Der Rechnungshof prüfe derzeit die finanzielle Unterstützung. Treffe das Schreiben ein, könnten ungefähr sechs Wochen später die Bagger rollen, sagt er. Ein anderes Vorhaben zur Verkehrsentlastung ist: Landwirte, die aus nördlicher Richtung kommen, sollen künftig nicht mehr durch den Ortsteil Schauernheim rollen müssen, wenn sie zum Pfalzmarkt wollen. Für die geplante Umfahrung liegt Veth zufolge mittlerweile der Planfeststellungsbeschluss vor. Plan Nummer drei: Die angestrebte Verlegung der Kreisstraße 22 auf eine Trasse am Münchhof – damit soll der landwirtschaftliche Verkehr aus Richtung Böhl-Iggelheim und Haßloch um den Ort geleitet werden. Das Unterfangen bleibt jedoch schwierig. Erst wurde die unter besonderem Schutz stehende Haubenlerche auf dem Terrain entdeckt, dann wurden denkmalschutzrechtliche Bedenken wegen archäologischer Funde angemeldet. Und jetzt müsste auch noch eine Wasserhauptleitung verlegt werden, um die Trasse bauen zu können. „Die Kosten würden sich dadurch verdoppeln“, berichtet Veth von einem Gespräch mit Landrat Clemens Körner (CDU). Statt der ursprünglich vorgesehenen 1,3 bis 1,6 Millionen Euro müsste der Rhein-Pfalz-Kreis mehr als drei Millionen Euro bezahlen. Deshalb suchten Dannstadt-Schauernheimer Verwaltung, Kreis und Landesbetrieb Mobilität (LBM) mit Hochdruck nach einer Lösung. Der Verein Bürgerwille, der für eine Verkehrsentlastung in Dannstadt-Schauernheim kämpft, ist besonders mit den Verzögerungen beim K-22-Projekt unzufrieden. Die Vorsitzenden Volker Bolz und Gunter Defren interessieren sich für das Gutachten, in dem nachgewiesen ist, dass die bedrohte Vogelart tatsächlich existiert. Denn laut Auskunft von Naturschutzbund Deutschland und der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz gibt es in Dannstadt-Schauernheim keine Haubenlerchen. „Es wäre schön, wenn das Gutachten veröffentlicht würde“, werben die beiden Männer bei den Landesbehörden für mehr Transparenz. Von diesen wünscht sich das Duo zudem mehr Kompromissbereitschaft im Umgang mit Grundstücksbesitzern entlang der geplanten K-22-Trasse. „Sie sind nach unseren Kenntnissen der Straßenverlegung gegenüber nicht abgeneigt, da sie gerne ordentliche Zufahrten zu ihren Betrieben hätten“, erklären Bolz und Defren. Nur sähen die Betreffenden bei den LBM-Plänen einigen Anpassungsbedarf. Der Straßenbaubehörde liege nach Informationen des Vereins zudem ein Angebot für Flächen vor, auf welche die Haubenlerche umgesiedelt werden könnte. Doch der LBM habe darauf bisher nicht reagiert, behaupten die Bürgerwille-Sprecher. Dabei habe das Projekt große Bedeutung, denn laut Verein habe der Schwerlastverkehr aus und nach Böhl-Iggelheim stark zugenommen. „Dort haben sich nämlich neue Betriebe angesiedelt“, sagen sie. Die Bürgerwille-Vorsitzenden ärgern sich auch über das Verhalten der Dannstadt-Schauernheimer Grünen. Die hatten im Ortsgemeinderat ein Verkehrskonzept beantragt und als ihr eigenes ausgegeben, obwohl es zu 80 Prozent auf dem von Bürgerwille erarbeiteten Konzept beruhe. Da Teile fehlten, ergebe es zudem keinen Sinn und wärme längst diskutierte Aspekte wieder auf. Die Fraktionsvorsitzende Almut Schaab-Hehn, selbst Mitglied bei Bürgerwille, bedauert, dass der Vorstand nicht mir ihr darüber geredet hat. Es sei durchaus möglich, dass etwas für den Antrag vom Verein übernommen wurde, aber er beruhe auch auf Anregungen aus den Reihen der Partei. Als Beispiel nennt sie die Forderung nach Tempo 30 zum Schutz der Fußgänger und nicht zuletzt der Kinder auf dem Schulweg. Das letzte Wort sei bei manchen Ideen längst nicht gesprochen. So gebe es Pilotprojekte in anderen Kommunen, die vielleicht auch in Dannstadt-Schauernheim umgesetzt werden könnten. „Es wäre zum Beispiel ein Tempo-30-Limit von 22 bis 6 Uhr denkbar“, sagte sie.