Rhein-Pfalz Kreis Holperstrecke wird endlich geglättet

Über den „Golfparcours“ in der Theodor-Heuss-Straße witzelten die Fasnachter. Am Ende haben alle gut lachen: Nicht nur die Schla
Über den »Golfparcours« in der Theodor-Heuss-Straße witzelten die Fasnachter. Am Ende haben alle gut lachen: Nicht nur die Schlaglöcher, auch die hohen Bordsteine kommen weg.

„In diesem Jahr müssen die Bagger rollen. Sonst wäre ich schwer enttäuscht“, sagt der Bobenheim-Roxheimer Beigeordnete Stefan Butsch (SPD). „Es könnte nur sein, dass uns eine übergeordnete Behörde noch einen Strich durch die Rechnung macht.“ Der Rhein-Pfalz-Kreis und die Gemeinde haben sich jedenfalls bei einem Gespräch gestern geeinigt, berichtet Butsch. „Wir haben einen epochalen Durchbruch erzielt“, sagt er und spricht von einer „uneingeschränkten Zusage“ des Landrats Clemens Körner (CDU). „Ich bedanke mich beim Landrat, dass er den Gordischen Knoten durchschlagen hat.“ Solch ein Überschwang? Auf den ersten Blick erscheint der Sachverhalt doch einfach: Die Theodor-Heuss-Straße diente vor der Fusion von Bobenheim und Roxheim als Verbindungsstrecke zwischen den Dörfern und war daher als Kreisstraße eingestuft. Dort muss sich der Kreis um die Erneuerung der Fahrbahn kümmern; die Gemeinde ist nur für die Gehwege zuständig. Entsprechend werden die Bauarbeiten an der Theodor-Heuss-Straße auch jetzt finanziert, wobei das Land in der Regel den Großteil der Kosten trägt, meist 65 Prozent. Unmittelbar nach dem Ausbau wird die Straße zu einer Gemeindestraße umgewidmet, sodass künftig Bobenheim-Roxheim alleine für den Unterhalt verantwortlich ist. Und jetzt wird es etwas komplizierter: Noch unter dem damaligen Baudezernenten Michael Elster (CDU) hat der Kreis darauf beharrt, dass die Gemeinde im Gegenzug die Industriestraße und die Berliner Straße zu einer Kreisstraße hochstufen und vor der Übergabe herrichten muss. Das hätte eine große Investition für Bobenheim-Roxheim bedeutet, weshalb man sich seit Beginn der Verhandlungen 2008 nicht einigen konnte. Da inzwischen die Irmgard-von-Opel-Brücke über die Bundesstraße 9 saniert und seither von Lastwagen für die Anfahrt zum Gewerbegebiet gut genutzt werden könne, habe sich die Verkehrslage verändert, erklärt Landrat Körner auf Nachfrage, wie es schließlich zu dem Umdenken kam. Die beiden Straßen dienten nicht mehr zwingend als Zufahrt, müssten also auch nicht mehr unbedingt zu Kreisstraßen ausgebaut werden, argumentiert Körner. „Warum soll man das als Hemmschuh vor sich hertragen? Die Gemeinde soll in einigen Jahren selbst überlegen, wie sie die Straßen ausbauen will.“ Das Entkoppeln dieser beiden Projekte sei ein Verdienst des Kreis-Beigeordneten und ehemaligen Bürgermeisters von Bobenheim-Roxheim Manfred Gräf (CDU), meint der Landrat. Gräf habe in den vergangenen Jahren versucht, einen Kompromiss darüber auszuhandeln, wie die Theodor-Heuss-Straße umgebaut wird. Denn das Land spendiert den Zuschuss nur, wenn die Strecke nach den Vorgaben für Kreisstraßen hergerichtet wird. „Es gab ein bisschen Verwirrung, weil eine Kreissstraße eine breitere Fahrbahn benötigt. Da musste umgeplant werden.“ Die Gemeinde wünschte sich zudem Parkbuchten, Straßengrün und Barrierefreiheit. Der Ausbau wird nun nach einem Konzept von 2014 angegangen, mit dem alle Seiten inklusive Landesbetrieb Mobilität leben können. Nach Gräfs Vorstellung hätte der Kreis die Straße entsprechend erneuert und weiter behalten. Genau umgekehrt favorisierte es der Landrat: Körner hätte der Gemeinde am liebsten nur den Kreis-Kostenanteil überwiesen – geschätzt rund 400.000 Euro – und ihr den Ausbau überlassen. „So aber müssen wir die Ausschreibung machen, die Vergabe …“ Und die Frage sei, ob die Zuschüsse so hoch wie erhofft ausfallen und man mit den kalkulierten Summen hinkomme. „Als erstes werden wir eine Kernbohrung machen, um nach dem Untergrund zu gucken. Hoffentlich ist es so einfach, wie wir denken.“ Dieses Risiko müssen die Bobenheim-Roxheimer nicht eingehen. Die Lokalpolitiker blieben hartnäckig und bekräftigten im September, dass sie sich eine vom Kreis fertigsanierte Straße wünschen. Bei einer Umwidmung ist eine Gebietskörperschaft ohnehin verpflichtet, Verkehrswege in ordentlichem Zustand zu übergeben – so ähnlich wie ein Mieter eine Wohnung beim Auszug frisch gestrichen hinterlässt. Mit dieser Hartnäckigkeit hatten sie offenbar Erfolg: „Die Alternative wäre gewesen, den Ratsbeschluss nicht zu akzeptieren. Und dann?“, fragt Körner. „Dann wird aus der 18-Loch-Golfanlage eine 19-Loch-Anlage. Das versteht kein Mensch.“ Damit spielt der Landrat auf die Sticheleien der Fasnachter an, die die Schlaglochstrecke mit einem Golfparcours verglichen. „So aber“, meint Körner, „gehen wir wenigstens ordentlich raus aus der Sache.“ Und dieses Happy End nach langem Ringen erklärt auch die Freude des Beigeordneten Butsch beim Überbringen der guten Nachricht.

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