Interview
Heizen mit der Wärmepumpe: Vorteile, Kosten und Förderung
Frau Siepe, im vergangenen Jahr ist die Nachfrage nach Wärmepumpen eingebrochen. Wie erleben Sie als Energieberaterin die aktuelle Situation?
Die Wärmepumpe ist nach wie vor das wichtigste Thema in unseren Beratungsstellen. Allerdings hören wir von einigen Heizungsbauern, dass die Nachfrage etwas rückläufig ist. Ob das an politischen Unsicherheiten oder anderen Faktoren liegt, kann ich nur spekulieren.
Möglicherweise warten einige die Wärmeplanung ihrer Kommune ab und haben noch keine Klarheit, ob etwa Fern- oder Nahwärme eine Option sein könnte. Was empfehlen Sie den Menschen vor diesem Hintergrund?
Das hängt von der individuellen Situation ab. Wenn die bestehende Heizung beispielsweise noch funktioniert, kann man durchaus die kommunale Wärmeplanung abwarten. Gleichzeitig empfehle ich, sich schon einmal beraten zu lassen, um die Optionen auszuloten. Ein erster Schritt, auch ohne sofort die Heizung zu tauschen, könnte sein, die Heizkörper zu erneuern. Größere Heizkörper mit mehr Leistung erlauben eine niedrigere Vorlauftemperatur, was nicht nur für Wärmepumpen, sondern auch für noch bestehende Gas- oder Ölheizungen effizienter ist.
Wie wichtig ist die Vorlauftemperatur für die Wärmepumpe?
Sehr wichtig. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Eine Fußbodenheizung arbeitet beispielsweise mit maximal 40 Grad Vorlauftemperatur, was optimal für eine Wärmepumpe ist. Aber auch Heizkörpersysteme können so angepasst werden, dass sie mit maximal 50 bis 55 Grad Vorlauf auskommen.
Gibt es Einschränkungen, für welche Häuser sich Wärmepumpen eignen?
Grundsätzlich ist eine Wärmepumpe für fast alle Gebäudetypen geeignet. Es gibt jedoch Ausnahmen, beispielsweise bei Einrohrheizsystemen, die in den 1980er- und 1990er-Jahren verbaut wurden. Diese Systeme benötigen oft sehr hohe Vorlauftemperaturen, was für Wärmepumpen ungünstig ist. Auch in denkmalgeschützten Gebäuden kann es schwierig werden, wenn zum Beispiel alte Gussheizkörper erhalten bleiben müssen.
Müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, bevor eine Wärmepumpe installiert werden kann?
Was zwingend erforderlich ist, ist eine sogenannte raumweise Heizlastberechnung nach der DIN 12831. Dabei wird für jeden Raum individuell berechnet, wie viel Heizleistung benötigt wird. Das ist wichtig, um die Wärmepumpe korrekt zu dimensionieren und Grundvoraussetzung für die Anpassung von Heizkörpergrößen zur Erreichung niedriger Vorlauftemperaturen.
Was ist denn der größte Vorteil einer Wärmepumpe im Vergleich zu einer herkömmlichen Heizung?
Der größte Vorteil ist die Effizienz der Wärmepumpe: Aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt sie drei bis fünf Kilowattstunden Wärme. Das schafft keine andere Heizung. Außerdem nutzt die Wärmepumpe überwiegend regenerative Energie aus der Umwelt – sei es aus der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser. Damit ist sie eine zukunftsfähige Technologie.
Wie entscheidet man, ob eine Luft-, Erd- oder Grundwasserwärmepumpe die beste Lösung ist?
Die meisten entscheiden sich aus Kostengründen für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, da sie die günstigste Variante ist. Allerdings hat sie den Nachteil, dass sie im Winter, wenn die Außenluft sehr kalt ist, weniger effizient arbeitet. Eine Erdwärmepumpe ist zwar die effizienteste Lösung, aber auch die teuerste, da Bohrungen nötig sind. Für diese und für Grundwasserwärmepumpen braucht man außerdem eine behördliche Genehmigung.
Was kostet der Einbau einer Wärmepumpe?
Für ein Einfamilienhaus liegt der Preis einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ohne Heizkörpertausch ab etwa 30.000 Euro. Bei einem Zweifamilienhaus, oder Häusern, in denen mehrere Heizkörper ausgetauscht werden müssen, können die Kosten allerdings höher ausfallen.
Welche Förderung gibt es aktuell?
Insgesamt können Verbraucher – auch abhängig von der Höhe ihres Einkommens – mit einer Förderung von 30 bis 70 Prozent rechnen.
Gibt es etwas, worauf man bei der Auswahl eines Modells achten sollte? Ein Gütesiegel zum Beispiel?
Es gibt zwar ein europäisches sowie nationales Gütesiegel für Wärmepumpen, aber wichtiger ist, dass die Anlage genau auf das Gebäude abgestimmt ist. Die Planung, Dimensionierung und Installation sollten von Fachleuten durchgeführt werden. Eine falsch dimensionierte Wärmepumpe kann ineffizient arbeiten und hohe Stromkosten verursachen.
Termin
„Heizen mit der Wärmepumpe“ heißt der kostenlose Online-Vortrag von Nicole Siepe, am heutigen Freitag, 10. Oktober, 18.30 Uhr. Die Energieberaterin der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale gibt einen Überblick über technische Möglichkeiten im Bestands- beziehungsweise Altbau. Anmeldung: über die Internetseiten der fünf teilnehmenden Volkshochschulen. Am Tag des Vortrags gelten besondere Anmeldefristen: VHS Speyer über den Online-Link bis 18.30 Uhr, VHS Ludwigshafen per Online-Link bis 16 Uhr, VHS Rhein-Pfalz-Kreis per E-Mail bis 16 Uhr, Frankenthal und Neustadt per E-Mail an die VHS bis 14 Uhr. Der Zugangslink wird vor Kursbeginn verschickt