Rhein-Pfalz Kreis Gesprächsbereiter Heimatfreund

LAMBSHEIM

. Wenn Heßheimer, Beindersheimer, Heuchelheimer sowie Groß- und Kleinniedesheimer derzeit von einem freundlichen Herrn um die 60 auf der Straße oder an der Haustür angesprochen werden, müssen sie nicht misstrauisch sein. Zumal sich der Herr mit einer Wahlwerbungskarte ausweisen kann: „Hier geht’s um die neue Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim“ steht darauf sowie Foto und Name des Kandidaten für das Bürgermeisteramt: Herbert Knoll. In seiner Heimatgemeinde Lambsheim ist der 59-Jährige bestens bekannt, dort ist er seit 2010 Bürgermeister und würde es auch gerne bleiben. Aber er strebt auch den Chefsessel in der am 1. Juli zu gründenden neuen Verbandsgemeinde (VG) an. „Weil es nicht sein kann, dass die CDU dafür keinen Kandidaten stellt oder nur einen, der nicht aus dem VG-Gebiet kommt“, sagt Knoll. Damit spielt er auf das Dilemma des CDU-Gemeindeverbands an, nachdem Klaus Schütz (FWG), den man unterstützt hätte, seinen vorzeitigen Ruhestand angekündigt hatte. Offenbar kamen bei der hektischen Suche nach einem Bewerber nur „Auswärtige“ heraus. Da besann sich Herbert Knoll auf seine kommunalpolitische Erfahrung. „Ich denke schon, dass ich der neuen Verbandsgemeinde weiterhelfen kann“, sagt er selbstbewusst. Für Politik und Verwaltung hat sich der Katholik schon früh interessiert, auch wenn dem Verwaltungsfachwirt-Diplom in Mayen eine Ausbildung als Industriekaufmann vorausging. Der Jungen Union beziehungsweise CDU trat Knoll aus familiärer Tradition bei. Die meiste Zeit seines Beamtenlebens hat er bei der Kreisverwaltung in Ludwigshafen verbracht, zuletzt im Rechnungs- und Gemeindeprüfungsamt. „Daher kenne ich die Strukturen in der Verbandsgemeinde Heßheim ganz gut“, sagt Knoll, der sich nur für eine Amtszeit bewerben kann, weil er danach 68 Jahre alt wäre. Seine Verwaltungserfahrung wird er allem Anschein nach nicht zum Schwerpunkt seines Wahlkampfs machen. Vielmehr sind Heimatverbundenheit und Bürgernähe die Qualitäten, mit denen er beim Wähler punkten will. „Wenn man hier wohnt, hat man eine andere Einstellung zu der Gegend“, sagt der Lambsheimer mit verwandtschaftlichen Bindungen zu Heßheim. Oder: „Von der landwirtschaftlich geprägten Struktur und der Mentalität her sind sich die Dörfer in der neuen Verbandsgemeinde sehr ähnlich.“ Sein aus der Kindheit stammendes Interesse für die Heimatpflege findet unter anderem im Sammeln von alten Ansichtskarten und philatelistischen Belegen (Ganzsachen) aus der Region seinen Ausdruck. Was Herbert Knoll in Lambsheim sehr wichtig ist, möchte er auch als VG-Chef pflegen: die direkte Kommunikation mit den Bürgern. „Ich bin in Lambsheim viel unterwegs, um mit den Menschen zu sprechen“, erläutert er. Seine Frau Marion kann ein Lied davon singen, wie lange es mitunter dauert, bis er vom Supermarkt, wo er nur eine Kleinigkeit besorgen soll, zurückkehrt. Dennoch hat sich Herbert Knoll auch Gedanken um die Entwicklung der neuen Gebietskörperschaft gemacht. Neben der Erledigung der gesetzlichen Aufgaben könnte er sich noch andere Felder vorstellen, die seiner Meinung nach auf der VG-Ebene besser zu bewältigen sind, als wenn jede Ortsgemeinde ihr eigenes Ding macht: zum Beispiel Wirtschafts- und Tourismusförderung, Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit und die Sicherung der Nahversorgung. Der Schuldenabbau steht ebenfalls auf Knolls Agenda. Dass man dabei unweigerlich an die mehr als acht Millionen Euro Lambsheimer Schulden denken muss, von denen vermutlich um die sechs Millionen auf die neue VG übergehen, ficht den Kandidaten nicht an. „Wir haben einen ausgeglichenen Haushalt und in den letzten 20 Jahren rund 15 Millionen investiert, und zwar in Bauprojekte, die für die VG Vermögenswerte darstellen“, rechtfertigt der ehemalige Feuerwehrmann die Situation und erinnert an die frühere Hauptschule. „Die VG Heßheim hatte schließlich nie eine weiterführende Schule am Bein.“ Die weitgehende Unempfindlichkeit gegen Kritik ist eine weitere Eigenschaft, die Herbert Knoll ausmacht. Im Lambsheimer Gemeinderat geht man nicht gerade zimperlich mit ihm um. „Ich nehme das sportlich, ich will gewinnen“, sagt das Turnvereinsmitglied, das sich samt Sohn und Ehefrau dem Handball verschrieben hat. Und ähnlich kommentiert er auch die Beobachtung, dass er oft bei Debatten im Gemeinderat eher wie ein neutraler Beobachter wirkt, statt wie jemand, der eine Entscheidung in seinem Sinne erzielen will. Manche Themen erforderten eben Sensibilität und Geduld, sagt Knoll. Schließlich müsse er sich bei fünf Fraktionen im Rat jedes Mal neu eine Mehrheit suchen.

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