Rhein-Pfalz Kreis „Gesang und Musik gehen nicht unter“
«BOBENHEIM-ROXHEIM.»Zur langen Tradition der Bobenheim-Roxheimer Naturfreunde gehören Musik und Gesang. Um diese aufrechtzuerhalten bietet der Verein eine Gitarrenausbildung an. Verantwortlich dafür zeichnet der Vorsitzende Manfred Zimmermann, mit dem wir uns über das Angebot unterhalten haben.
Das hat seine Ursprünge in der Kultur der Deutschen, liegt aber auch daran, dass die Naturfreunde-Bewegung in ihren Anfängen eine Art Protestbewegung war, die aus der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Die Lieder der Naturfreunde waren damals Protestlieder gegen die Obrigkeit. Es ging gegen die herrschenden und ausbeutenden Schichten, aber auch gegen Rassismus und Nationalismus. Gesang und Musik waren immer ein starkes Ausdrucksmittel. Die Menschen sangen sich geradezu frei und konnten damit auch ihren Gefühlen und Forderungen Ausdruck verleihen. Sie bieten derzeit Gitarrenkurse an. Wie fiel denn die Resonanz darauf aus und kann man vor allem Jugendliche dafür noch begeistern? Wie teuer ist das Ganze für die Teilnehmer? Es haben sich drei Kinder und vier Erwachsene gemeldet, die bereits an der Ausbildung teilnehmen und ich darf sagen: Es macht mir großen Spaß. Weitere Interessenten dürfen sich jederzeit bei mir melden. Auch bei den Kindern ist die Begeisterung sehr groß. Wir spielen alles Mögliche – auch moderne Lieder – „Lady in Black“ beispielsweise. Auf jeden Fall versuchen wir dynamisch zu sein und mit der Zeit zu gehen. Ich verwende dabei auch Notenlernprogramme aus dem Internet. Das macht vor allem den Kindern Spaß. Die Instrumente stellen wir als Naturfreunde kostenlos zur Verfügung. Die Jüngeren kommen jeden Freitag von 15 bis 16 Uhr ins Walter-Wilhelm-Haus danach kommen die Älteren. Wir sammeln für die Ausbildung zehn Euro pro Monat ein. Das ist im Grunde für jeden machbar, wir wollen daran schließlich nichts verdienen. Haben Sie den Eindruck, dass die vielen Kommunikationsmittel unserer Zeit gerade junge Menschen so vereinnahmen, dass Musik und Gesang in der traditionellen Form nicht mehr zu vermitteln sind? Ich denke, es kommt immer darauf an, wie intensiv man mit den Dingen umgeht und es kommt darauf an, wie man mit den Kindern und Jugendlichen konkret umgeht. Junge Menschen lassen sich erfahrungsgemäß nicht gerne Vorschriften machen. Man kann und soll den Umgang mit Handys, PCs und so weiter nicht grundlegend verteufeln. Die Jugendlichen wachsen heute damit auf und der Umgang damit ist für ihre Zukunft wichtig. Man muss mit der Zeit gehen. Ich orientiere mich bei der Auswahl der Lied- und Musikliteratur an den Interessen und Neigungen der Jugendlichen und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Ich denke, Gesang und Musik gehen nicht unter. Sie verändern sich und passen sich an – so wie die Menschen und die Welt insgesamt. Anders sieht es beim Thema Bindung aus. Viele Menschen wollen sich heute nicht mehr fest binden. Beispielsweise allwöchentlich mit ihrem Verein Auftritte haben, die auch Freizeit einfordern. Bei unserer Naturfreunde-Musikgruppe halten sich diese Auftritts-Termine jedoch in Grenzen. Wir spielen mal im Altenheim oder bei der Arbeiterwohlfahrt – stehen aber nicht ständig und dauernd auf der Bühne. Wir machen Musik, weil es uns Spaß macht. Kontakt Manfred Zimmermann, Telefon 0151 21192865.