Rhein-Pfalz Kreis Gemüsereste in der Kläranlage

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Wohin mit den Überbleibseln des Gemüseanbaus im Rhein-Pfalz-Kreis? Ideen dafür gibt es.

Johannes Zehfuß mag es anschaulich. Weil jetzt aber gerade kein Blumenkohl da ist, zeichnen seine riesigen Hände erst den Kopf in die Luft. Dann die vielen Blätter, die daran hängen. „Stellen Sie sich vor, wie viel Blattmasse es braucht, damit ein Kohl wächst. Und dann stellen Sie sich vor, was mit dem Grünzeug passiert. Nämlich nichts. Es bleibt liegen. Und das ist das Problem.“ Der Böhler Landwirt weiß das aus Erfahrung. Bei der Blumenkohlernte, um bei Zehfuß’ Beispiel zu bleiben, werden rund 80 Prozent der organischen Masse auf dem Feld liegengelassen. Darin ist Stickstoff. „Das Problem ist, dass dieser Stickstoff mineralisiert, wann er will. Da ist es unter Umständen schon Herbst, und die Felder liegen brach. Heißt: Es gibt für ihn keine pflanzlichen Abnehmer mehr. Der Stickstoff liegt wasserlöslich im Boden und gelangt unweigerlich in den Wasserkreislauf“, erläutert der 58-Jährige. Stickstoff und Nitrat (Stickstoff-Sauerstoff-Verbindung) können zum einen in Gewässer gelangen. Das kann Auswirkungen auf den Boden, die Artenvielfalt und sogar auf das Klima haben. Zum anderen können die Stoffe das Trinkwasser belasten. Zwei Gründe, um das Problem anzupacken: Wohin mit den landwirtschaftlichen Reststoffen, die unvermeidlich anfallen? Reststoffe – der Begriff ist absichtlich gewählt. „Würden wir Müll dazu sagen, kämen wir ins Abfallrecht und dann gelten andere Bedingungen.“ Zehfuß und seinen Mitstreitern geht es aber darum, Gemüsereste als Wertstoff nutzbar zu machen. In dem Arbeitskreis, den Landrat Clemens Körner (CDU) zusammengerufen hat, sitzen Vertreter des Kreises, des Mutterstadter Pfalzmarkts, des Beregnungsverbands, der Erzeugergemeinschaft Pfälzer Grumbeere, des Bauern- und Winzerverbands, Universitätsprofessoren und Betreiber von Kläranlagen wie BASF und Stadtwerke Speyer. Für Körner ein Team, das effektiv zusammenarbeitet. „Und das ist gut so, denn in unserem Gemüsekreis fallen nun mal Unmengen an Reststoffen an. Was jetzt aber nicht heißt, dass hier Gemüse überproduziert wird.“ Wie Zehfuß verweist er auf Blätter und Strünke. Oder auf Gemüse, das liegen bleibt, weil der Lebensmittelhandel Bestellungen nicht abruft. Etwa, weil die Einkäufer plötzlich finden, dass es zu kalt für sommerliche Salate ist und nun lieber Blumenkohl wollen. „Was da bleibt, kann man nicht einfach unterpflügen oder liegen lassen. Und ich als Landrat kann auch nicht sagen, das ist mir wurscht, was ihr Landwirte macht. Deshalb gibt es den Arbeitskreis.“ Und weshalb wirken Hochschulprofessoren und Kläranlagenbetreiber mit? „Die Universitäten können uns bei der wissenschaftlichen Aufbereitung helfen, Studien anstellen“, erklärt Zehfuß. Die Kläranlagenbetreiber kommen ins Spiel, wenn es um konkrete Lösungen geht. So könnten getrocknete Reste als Befeuerungsmittel bei der Klärschlammverbrennung eingesetzt werden. „Quasi als Energieträger statt Kohle oder Gas, denn Klärschlamm brennt ja nicht von alleine. Uns scheint diese Lösung sogar die wirtschaftlichste und sinnvollste zu sein.“ Landrat Körner freut sich, dass Versuche in diese Richtung anlaufen sollen und hofft auf Unterstützung vom Land. Auch die BASF sei ein wichtiger Partner. Mit deren Ingenieuren das Gemüseprojekt ausgetüftelt werde. „Da geht es um die Befeuerung einer Großkläranlage. Möglicherweise lässt sich das Prinzip aber auch auf kleine Kläranlagen anwenden.“ Deshalb seien etwa die Stadtwerke Speyer mit an Bord. Neben der Kläranlagen-Idee wird eine Alternative geprüft: So könnten Biogasanlagen mit den landwirtschaftlichen Reststoffen betrieben werden. In Hochdorf-Assenheim gibt es bereits eine. Sie gehört Landwirt Alexander Friedrich. „Gefüttert“ wird die Anlage bislang allerdings mit nachwachsenden Rohstoffen wie Mais. Das funktioniert. Ob es auch mit anderem geht, bedarf Zehfuß zufolge weiterer Analysen. „Die Stoffe, die eingesetzt werden, dürfen keinen zu hohen Wassergehalt haben. Das kann bei Gemüse schon schwierig werden. Auch die gesetzlichen Vorgaben sind im Blick zu halten.“ Als Landtagsabgeordneter hat der Böhler die CDU-Landeschefin Julia Klöckner eingeladen, sich die Biogasanlage im Landkreis anzuschauen. „Wichtig ist, dass sich Politiker ein Bild davon machen, von welchen Dimensionen wir reden. So eine Anlage umfasst rund 2500 Quadratmeter.“ Zehfuß betont das so, weil er weiß, dass viele Bürger solche Anlagen kritisch sehen. Bewiesen habe das der Aufstand, als vor einigen Jahren in Maxdorf laut darüber nachgedacht wurde, eine Biogasanlage zu bauen. „Stinkige Gemüseberge auf der Nordic-Walking-Route durch die Felder will aber auch niemand.“ Deshalb wünscht sich der Landwirt mehr Aufgeschlossenheit der Öffentlichkeit gegenüber landwirtschaftlichen Themen, Problemen und Lösungen. Und: „Ich wünsche mir, dass die Landwirtschaft nicht immer nur als Ärgernis gesehen wird. Sie bietet schließlich qualitativ hochwertige Nahrungsmittel – wer will, sogar direkt vom Erzeuger. Und sie sichert in der Region viele Arbeitsplätze, und das nicht nur für Erntehelfer.“

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