Essen / Mutterstadt / Kaiserslautern
Gelungene Premiere für neues Spieleteam
Die Spiel 25 in den Essener Messehallen war mal wieder eine Messe der Rekorde. 77.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche – so groß wie noch nie – gab es für die 948 Aussteller aus 50 Nationen. 1700 Neuheiten wurden präsentiert. Mittendrin auch ein Pfälzer Stand, der alleine schon dadurch auf sich aufmerksam machte, dass die Truppe rund um den Mutterstadter Klaus Geis und seine Kollegen von „4PS“ (4 Pfälzer Spieleautoren), Werner Schmitt, Manfred Keller und Fabian Zimmermann, jeden Morgen das „Palzlied“ von den Anonyme Giddarischde anstimmt und eine bunte Elwetritsche im Kassenbereich stehen hat. Schmitt (Kaiserslautern), Keller (Konken) und Zimmermann (Kaiserslautern) sind aus der Westpfalz.
Die Verbreitung Pfälzer Kulturguts stand tatsächlich auch ganz oben auf der Agenda. Allerdings nicht in musikalischer Hinsicht, sondern in spielerischer. Zum Anspielen gab’s „Dess bassd!“, „Uffbasse“ und „Gnomenparlament“. „Dess bassd!“ stach dabei noch mal heraus. Denn es war nicht nur ein neues Spiel, es war auch die erste Veröffentlichung für den Ludwigshafener Mario Sandor. Mit seinem Kartenspiel hat er das Ziel, Generationen zu verbinden. Kinder sollen das genauso spielen können wie Senioren.
Auf die Idee gekommen sei er, als er mit seiner Frau ein Spiel auf dem Tisch hatte, das heute nicht mehr im Handel ist, wie er berichtet. „Die Grundidee habe ich dann zusammen mit Klaus generiert.“ Sandor kümmert sich beim Palatia-Spieleverlag von Geis um den Vertrieb. Daher war der generelle Kontakt schon gegeben.
Klaus Geis, aus dessen Feder zum Beispiel „Ebbes“ und „Dubbe“ stammen, bezeichnet „Dess bassd!“ im Essener Messetrubel als sein bislang „schönstes Projekt“. Das liegt in diesem Fall nicht nur an der Qualität des Kartenspiels. „Der Erlös aus diesem Spiel geht an die Aktion ,Vorderpfalz spielt!’“, erläutert Geis. „Vorderpfalz spielt“, das ist ein Zusammenschluss von spielbegeisterten Menschen, der unter anderem die Spielesammlung des Rhein-Pfalz-Kreises verwaltet. Möglich war das durch die Tatsache, dass das Spiel eine Auftragsarbeit war und sich der Auftraggeber mit einer großzügigen Spende bedankte.
Dass „Dess bassd!“ seinen Zweck erfüllen wird, da gibt’s für Mario Sandor keinen Zweifel. „Ein Junge war vor Kurzem am Stand und hat nach dem Anspielen gesagt: ,Das können wir auch mit Oma spielen.’ Das war das größte Kompliment, das er machen konnte“, sagt Sandor.
Am Stand geht der Messealltag derweil seinen geregelten Gang. Die Besucher bleiben kurz stehen, schauen mit prüfendem Blick auf die am Stand ausliegenden Spiele, die zum Testen zur Verfügung stehen. Ein kurzer Blick reicht den erfahrenen Spielern in der Regel, um zu entscheiden: weiterlaufen oder testen.
Aus der Perspektive des Zuschauers kannte auch der Berliner Spieleautor Olaf Hartmann die Messe bislang. Mit „Uffbasse!“, seinem Stichkartenspiel rund um Pfälzer Gerichte, ist er diesmal aktiver Teil eines Ausstellerstands. In Chefkochmontur bringt er dem Publikum sein Werk nah und beherzigt damit auch gleichzeitig den Messegrundsatz: „Auffallen um jeden Preis“. Das gilt vor allem für die kleineren Verlage, die um die Gunst und die Inhalte der Geldbeutel des Publikums buhlen. „Uffbasse!“ ist die erste Koproduktion von „4PS“ und dem Palatia-Spieleverlag.
„Als Autor ist das wirklich ganz anders“, berichtet Olaf Hartmann. Er ist begeistert, dass sich die Menschen für sein Spiel interessieren. „Sie wollen wissen, wie es funktioniert, spielen mal eine Runde an. Vielen gefällt’s“, sagt er mit stolzem Grinsen. Wer’s dann auch gleich kauft, macht selbstverständlich mit dem Autoren noch ein Selfie und lässt den „Chefkoch“ unterschreiben. „Einer wollte sogar, dass ich direkt auf der Uffbasse!-Karte unterschreibe“, verrät er.
Früher, als „normaler“ Messebesucher, habe er Zeit gehabt, durch die Gänge zu schlendern und zu schauen, was es Neues gibt in der Welt der Brettspiele. Als Autor mit eigenem Spiel verschieben sich die Prioritäten zwangsweise. Rund 600 Exemplare von seinem Spiel haben den Weg in den Ruhrpott mitgemacht.
Ein paar Meter weiter steht Werner Schmitt und schaut Fabian Zimmermann zu, der einer Gruppe das Spiel „Gnomenparlament“ von Channing Jones näher bringt. Das Spiel, in dem es um Mehrheiten, Gesetze und geheime Abstimmungen geht, ist in Zimmermanns Verlag FOBS-Games erschienen. Die beiden Verlage teilen sich den Stand. Man hilft sich gegenseitig aus.
„Das Spiel kommt gut an“, sagt Fabian Zimmermann. „Alle Runden hatten Spaß.“ Jeweils 300 Exemplare auf Deutsch und Englisch hatte er mit nach Essen gebracht. Vor knapp zehn Jahren sei er schon mal mit einem Stand in Essen gewesen. Beim Gnomenparlament habe der Autor eigentlich schon einen Verlag gefunden gehabt. „Doch der hat dann aufgehört zu existieren“, sagt Zimmermann. „Ich freue mich über jedes verkaufte Exemplar.“
Jedes der drei neuen Spiele ist etwa 200-mal über die Verkaufstheke gegangen, informiert Klaus Geis am Montag während der Rückfahrt. „Wir sind zufrieden. Der Stand war immer gut besucht.“ Besonders freut er sich darüber, dass sein Netzwerk in der Spielewelt und auch das von „4PS“ wieder erweitert worden ist. Seien es neue Kontakte in die USA oder auch zu größeren Verlagen in Deutschland, die vielleicht Interesse an der Lizenz für eins der Spiele aus dem Hause Palatia haben. „Es war Wahnsinn, super. Ich hoffe, dass die anderen 4PSler das genauso sehen. Das ermutigt uns sehr“, betont er.