Rhein-Pfalz Kreis Geisterjägerinnen und viel „Geflügel“

Schifferstadt. Tausende Menschen haben gestern auf dem Schillerplatz im Herzen der Stadt Straßenfasnacht gefeiert. Nach dem Einmarsch der Karneval- und Tanzsportgesellschaft Schlotte (KGS) feierten die Besucher ausgelassen noch stundenlang.
Gute Laune herrscht bereits deutlich vor dem offiziellen Beginn des närrischen Festes vor dem Rathaus. Hier stimmen der Fanfarenzug Herxheim in blau-weißer Tracht und der neu gegründete KGS-Musikzug sich schon mal ein. „Sie haben am 11. Januar zum ersten Mal geprobt und marschieren schon hier mit“, verrät Senatorin Marlein Bittner. Und die Truppe schlägt sich wenig später auch gut. Kein Wunder, nimmt doch Ehrenpräsident Wilfried Külbs auf dem „Papamobil“ Platz und gibt begeistert trommelnd den Takt vor. Der Stadtrat erscheint wie befohlen als Rote Teufel vom Betzenberg. Als der überschaubare Zug auf dem Schillerplatz eintrifft, hat sich dieser ebenso wie die angrenzende Bahnhofstraße bereits mit vielen Zuschauern gefüllt, die den Einmarsch gespannt erwarten und bejubeln. Günter und Rosi Schmitz wohnen dem Spektakel zum ersten Mal bei. Das Paar stammt aus Köln und ist erst vor Kurzem nach Schifferstadt gezogen. Selbstverständlich kann der hiesige Umzug mit dem großen Vorbild nicht ganz mithalten, doch die beiden bevorzugen es so. „Das ist gemütlicher“, erklären sie. Denn beim Rosenmontagsumzug in der Karnevalhochburg am Rhein gehe es inzwischen zu kommerziell und durchprofessionalisiert zu. Außerdem stört sie der immense Alkoholkonsum. „Da liegen am nächsten Tag so viele Scherben rum, da kommen Sie mit normalem Schuhwerk kaum über die Straße“, berichten sie. Zuletzt seien sie sogar während des Karnevals aus Köln in den Urlaub „geflohen“. Viel schöner und noch typischer für die Großstadt seien die kleineren Stadtteil- und Schulumzüge, geben sie einen Insidertipp kostenlos heraus. Dann verschwinden Günter und Rosi Schmitz in der Menge und genießen die Fasnacht auf dem Lande. Eine Schifferstadter Besucherin im Pinguinkostüm zieht die Straßenfasnacht etwa dem großen Umzug vor, der zeitgleich in Mannheim stattfindet. „Wenn man so etwas vor Ort hat, sollte man’s auch unterstützen“, erläutert sie ihre Ansicht. Mannheim wäre ihr außerdem zu weit. Zwei Verbesserungswünsche hat sie trotz allem Lokalpatriotismus dann aber doch: „Der Umzug könnte länger sein und den Kindern mehr bieten. Die Party hinterher dürfte ruhig auch noch eine Stunde länger dauern.“ Die versammelte und fröhlich feiernde Narrenschar zeigt sich bei der Kostümwahl bemerkenswert kreativ. Wer genau hinsieht, kann zum Beispiel den muskelbepackten grünen Hulk ausmachen oder ein Mitglied der Droogs aus dem Filmklassiker „Uhrwerk Orange“, stilecht mit schwarzem Gehstock und schwarzem Hut sowie weißer Hose und Oberteil. Auch Superhelden wie Spiderman oder Videospielfiguren wie Mario und Luigi wandeln durch Schifferstadts Straßen. Großer Beliebtheit erfreuen sich alle möglichen Tierkostüme, von goldigen Häschen über Tiger bis zu Drachen. Eine wirklich ausgefallene Verkleidung haben Mareike und Eva gewählt: Sie sind als Geisterjägerinnen samt Protonenstrahlern unterwegs. Sie kommen schon seit jeher zur Straßenfasnacht. Größere Umzüge wie in Mannheim reizen die beiden Freundinnen nicht. „Hier ist’s kleiner, familiärer, und das Publikum ist schöner“, findet Mareike. Einig sind sie sich auch darüber, dass mit das Wichtigste und Schönste bei der Veranstaltung auf dem Schillerplatz ist, so viele Freunde und Bekannte zu treffen. „Vor allem die, die man länger nicht mehr gesehen hat, denn zur Straßenfasnacht auf dem Schillerplatz kommt einfach jeder“, erläutern sie.