Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Gastwirte im Speyerer Umland: „Wie sollen wir das wirtschaftlich überstehen?“

Leere Tische: Wie in diesem Restaurant in Dresden bleiben auch im Speyerer Umland in vielen Gaststätten die Gäste aus.
Leere Tische: Wie in diesem Restaurant in Dresden bleiben auch im Speyerer Umland in vielen Gaststätten die Gäste aus.

Festgesellschaften sagen ab, das laufende Geschäft ist schleppend, die Zukunft nicht planbar. Eingeschränkte Öffnungszeiten und gar Schließungen stehen im Raum. Lokalbetreiber bekommen die Folgen des Coronavirus heftig zu spüren. Wie erleben Gastronomen die Situation und wie gehen sie damit um?

„Noch halten sich die Absagen in Grenzen, aber wirtschaftlich gesehen habe ich schon Angst“, sagt Uwe Siegel, der mit seiner Frau Katsiaryna die Vereinsgaststätte „Zur Hundehütte“ in Dudenhofen betreibt. Tischreservierungen sind einige weggebrochen. Am zurückliegenden Sonntag war nur ein Tisch im Vorfeld bestellt worden. „Normalerweise haben wir 20 bis 30 Personen bei den Vorbestellungen“, stellt Siegel dagegen.

Probleme gibt’s auch beim Einkauf angesichts der leeren Regale. „Was anfangs belächelt wurde, schlägt jetzt in Hysterie um“, hat der Koch festgestellt. Dass heute sogar in Berlin alle Kneipen dicht gemacht werden, sieht er mit Sorge. „Wie sollen wir das wirtschaftlich überstehen?“, fragt Siegel. Als kleine Waldgaststätte sei man gerade auf die nun ins Haus stehende Biergartensaison angewiesen. Einen Plan B hat der Gastronom „nicht wirklich“. Eine Idee, wie er bei laufendem Betrieb den Gästen bei ihren Ängsten entgegenkommen kann, hat er durchaus: „Ich habe überlegt, Bring- und Abholservice anzubieten.“

Keine Feste, keine Torten

Ein Streichkonzert im Kalender gab’s auch bei Daniel Haslberger, der die Traditionskonditorei samt Café Christmann in Waldsee führt. „Schuld daran ist die Tatsache, dass Kommunionen und Konfirmationen abgesagt wurden“, erklärt er beim Anruf der RHEINPFALZ. Für einen kleinen Handwerksbetrieb wie den seinen sei es ein Problem, wenn Bestellungen einen Tag vorher storniert werden – das gilt auch für Torten, die zum Weißen Sonntag oder zu Hochzeiten in Auftrag gegeben worden sind.

50 Euro Nachlass gewährt er den Kunden jetzt pro Torte. „Dafür sind sie ziemlich dankbar“, merkt Haslberger an. Der hauptberuflich als Gymnasiallehrer tätige Mann ist überzeugt, dass Deutschland erst am Anfang der Krise steht. Er bleibt aber optimistisch: „Was die Menschen in unserem Land ausmacht ist, dass alle Krisen ausgehalten und gemeistert wurden. Wir müssen uns zwingen, unseren Alltag Schritt für Schritt zu meistern.“

Starke Signale aus der Politik – wie die des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz – vermisst Haslberger. Der Waldseer sieht die Coronakrise aber auch als Chance: „Vielleicht ist das der Schuss vor den Bug, den wir gebraucht haben. Er zwingt zum Innehalten und zur Rückbesinnung auf die wichtigen Werte.“

Im Café laufe der Betrieb soweit normal. Die Menschen seien hungrig nach einem Ort, an dem sie die Sorge vergessen können. So manche Anekdote hat Haslberger bereits in den vergangenen Tagen erlebt. Beispielsweise die Reaktion eines Kunden nach dem Hinweis, er könne sich die Hände mit bereitgestelltem Gel desinfizieren. „Er sagte: Ich desinfiziere mich nur von innen mit Schwarzwälder Kirsch“, zitiert Haslberger lächelnd.

„Sowas gab es noch nie“, macht Roland Lösch, Betreiber des Hotel-Restaurants „Pfälzer Hof“ in Römerberg, deutlich. Weißer Sonntag, Konfirmation, Jahrgangstreffen, Geburtstage – alle Reservierungen wurden storniert. „Wenn das Telefon klingelt, ist das keine Anfrage, sondern eine Absage“, fügt er an. Und selbst die Anrufe als solche sind deutlich zurückgegangen. „Üblich sind 50 bis 70 pro Tag. Im Moment kommen wir gerade mal auf fünf“, rechnet Lösch vor.

Die ganze Entwicklung hat Umschichtungen beim Personal zur Folge. Aushilfskräften wurde die Arbeitszeit gekürzt. „Wir wissen nicht, wie das weitergeht“, sagt Lösch. Das Unbekannte sei das Fatale derzeit. Der Gastronom ist sicher, dass eine Schließung der Restaurants flächendeckend für Deutschland kommt. „Wir haben starke Defizite, aber wir hoffen, dass wir einigermaßen aus der Misere rauskommen“, merkt Lösch an. Wie seine Kollegen steht er in Kontakt mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), der mit Rat und Tat zur Seite stehe.

Von Stornierungen geschockt

Aus den Betriebsferien direkt ins Corona-Loch fiel die Familie Morgenstern mit ihrem Hotel-Restaurant am Ortseingang von Berghausen. „In der ersten Woche ab dem 5. März lief alles noch normal und ohne Probleme, aber seit Freitag hat ständig das Telefon geklingelt“, berichtet Heike Morgenstern. Tenor: lauter Absagen. „Allein am Freitag wurden 100 Plätze storniert – das hat uns geschockt“, gibt Morgenstern zu.

Jeder Ausfall wird von der Chefin notiert. „Wir versuchen entspannt zu bleiben, auch, weil der Dehoga und die Politik von einem Ausgleich sprechen“, sagt sie. Spontane Gäste kämen nach wie vor ins Restaurant. „Unsere Hoffnung ist, dass der Bereich in einem erträglichen Maß aufrechterhalten werden kann“, so Morgenstern.

Unwissenheit, Panik, Angst. Das sind Schlagworte, die Christian Dworschak, Betreiber des „Christian’s“ in Otterstadt mit seinen Gästen zurzeit verbindet. Nicht anders als bei anderen sieht es in seinem Lokal aus. Geburtstagstreffen, Kommunion, große Festivitäten – Fehlanzeige. „In einem Fall musste ein eingeladener Gast aus Düsseldorf in Quarantäne und die anderen wollten nicht feiern, während er abgeschirmt ist“, berichtet Dworschak.

Punktuell kämen noch Gäste zum spontanen Essen. Den Tischplan für Samstag hat der Geschäftsmann gut ein dutzend Mal neu schreiben müssen. Die Auswirkungen der Hamsterkäufe hat er zu spüren bekommen: „In der Metro gab es keinen Reis mehr, völlig vergriffen.“ Verstehen kann Dworschak das nicht: „Wir haben keine Lebensmittelknappheit.“ Er geht auch davon aus, dass Rheinland-Pfalz mit der Lokal-Schließung nachzieht. Seine Gedanken richten sich auf die Mitarbeiter. Kurzarbeit ist ein Thema. „Alles ist unsicher, aber wir lassen uns nicht entmutigen und müssen mit der Situation arbeiten“, sagt Dworschak.

Die Gastronomen hoffen darauf, dass der Staat tatsächlich finanzielle Hilfe bereitstellt. Wie die aussehen soll, weiß bisher keiner der Gesprächspartner.

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