SPEYERER UMLAND
Gärten bestaunen, Abstand halten
„Wir waren eigentlich nur im Garten“, erzählt Klaus Zickgraf von den Wochen, in denen die Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum und die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung stark eingeschränkt waren. Der Waldseer und seine Frau Stefanie zeigen beim „Tag der offenen Gartentür“ am Sonntag ihren rund 600 Quadratmeter großen naturnahen Garten. Außer für die üblichen Pflegearbeiten haben die Zickgrafs die vergangenen Wochen auch dafür genutzt, ihr großes Außengelände im Waldseer Ortskern weiter zu verschönern und mit neuen Elementen zu versehen: „Wir haben gerade einen neuen Grillplatz mit Überdachung und einer Anrichte im mediterranen Stil fertig gemacht“, berichtet Zickgraf – eine weitere Attraktion auf dem weitläufigen Gelände, zu dem auch ein Schwimmteich, ein Backsteintürmchen und diverse Sitzecken gehören.
Die coronabedingten Abstandsregeln seien in seinem Garten gut einzuhalten, sagt Klaus Zickgraf mit Blick auf die zu erwartenden Besucher am Sonntag. In den vergangenen Jahren seien über den Tag verteilt meist zwischen 50 und über 100 Leute gekommen, um sich das gar nicht so kleine Paradies anzuschauen, das er sich mit seiner Frau geschaffen hat. Sogar Bewirtung wird es in diesem Jahr wieder geben: „Wir haben für kleine Tische gesorgt, die mein Sohn desinfiziert. Außerdem haben wir neun oder zehn Sorten Kuchen“, kündigt der Waldseer an. Daneben verkauft die Familie selbstgemachte Marmelade, Schnaps und Deko.
Aus der Zeit im Garten während der Corona-Pandemie ist Zickgraf vor allem die Geräuschkulisse der Frösche am Teich in Erinnerung geblieben: „Das war schon interessant, unseren Mitbewohnern zuzuhören.“ Das Gewässer sollten sich auch die Besucher am Sonntag nicht entgehen lassen: Viele Teichpflanzen stünden in voller Blüte, schwärmt der 59-Jährige.
Wild und kreativ
Der zweite offene Garten im Speyerer Umland gehört Thomas Horn aus Otterstadt. Der 59-Jährige ist zum zweiten Mal beim „Tag der offenen Gartentür“ dabei. „Ich war eigentlich jeden Tag draußen, wenn das Wetter gepasst hat“, blickt Horn auf die vergangenen Wochen zurück. Auch in seinem Garten hat sich in dieser Zeit einiges getan. „Ich bin eigentlich immer am basteln“, sagt er. Wenn ihn die Inspiration packt, verwandelt der Otterstadter alte Gegenstände in Gartenkunst und Skulpturen. „Es ist schwer zu beschreiben“, findet Horn. „Am besten ist es, vorbeizukommen und zu gucken.“
Rund 300 Quadratmeter groß ist das Reich von Thomas Horn: „Es ist kein Garten von der Stange“, beschreibt er es. „Ich lasse wachsen, was wächst.“ Dabei ist mit den Jahren eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen entstanden. „Ich habe alleine in den letzten Wochen 20 Kilogramm Kirschen gepflückt“, erzählt der Otterstadter. „Interessant ist auch der Kilianer-Traubenstock. Den habe ich erst vor ein paar Jahren geschenkt gekriegt. Letztes Jahr hatte ich schon Trauben für 40 Liter Saft.“
Im vergangenen Jahr seien fast 150 Leute dagewesen, erinnert sich Horn. In diesem Jahr rechnet er coronabedingt mit weniger Besuchern. Denen, die kommen, verspricht er einen kleinen Flohmarkt, Getränke – „und eventuell werfe ich auch den Grill an“. Mit ein wenig Glück können die Gäste Oleander und Rosen in Blüte bewundern. „Ich hoffe, dass es klappt bis zum Wochenende“, sagt der Gartenbesitzer. Masken und Desinfektionsmittel seien vorhanden.
Der Fortgang der Corona-Pandemie bereitet dem gesundheitlich angeschlagenen Otterstadter durchaus Sorge. „Ich gehe nicht viel weg“, sagt er. Um so wichtiger ist ihm sein Garten. „Es ist einfach klasse hier“, findet er. „Mein Nachbar sagt, ich habe das Paradies.“
Kräutergarten fehlt
Nicht beim „Tag der offenen Gartentür“ dabei ist in diesem Jahr der Kräutergarten des Obst- und Gartenbauvereins Schwegenheim. Er war jahrzehntelang fester Bestandteil der landesweiten Aktion. „Wir können es nicht verantworten und haben beschlossen, es zu lassen“, sagt Vereinsvorsitzender Gerhard Horter. Die Vereinsmitglieder sind meist älteren Semesters und wollten laut Horter kein Risiko eingehen. Allerdings ist das vereinseigene Gelände am Ende der Bahnhofstraße seit gut einer Woche generell wieder öffentlich zugänglich. Zu Beginn der Corona-Pandemie sei der Garten von der Gemeinde gesperrt worden, berichtet Horter. Jetzt können sich Interessierte den Garten mit mehr als 50 verschiedenen Kräutern wieder anschauen.
Zur Sache: Nur Rheinland-Pfalz dabei
Der „Tag der offenen Gartentür“ wird alljährlich vom Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz veranstaltet. In diesem Jahr öffnen sich die Türen zahlreicher Gärten am Sonntag, 28. Juni, von 10 bis 18 Uhr – allerdings nur in Rheinland-Pfalz, im Saarland ist die Veranstaltung abgesagt worden.
Der Verband möchte mit dem Tag die Wertschätzung für die Gartenkultur fördern sowie für die Erhaltung und Schaffung lebendiger, liebevoll gestalteter Gärten werben. Die Gärten sind laut Ankündigung sehr vielfältig, zeigen verschiedene Stilrichtungen und Schwerpunkte. Aufgrund der Corona-Pandemie müssen in diesem Jahr die aktuell geltenden Hygiene- und Abstandsregeln beachtet werden. Im Speyerer Umland sind in Otterstadt Thomas Horn, Friedhofstraße 4, und in Waldsee Stefanie und Klaus Zickgraf, Schulstraße 11, mit dabei. Wegen der coronabedingten Abstandsregeln kann es zu kurzen Wartezeiten kommen.
Weitere Infos und eine Liste mit allen Teilnehmern gibt es im Internet unter der Adresse www.gartenbauvereine.de/saarland_rheinland-pfalz/aktionen/themen/tag-der-offenen-gartentuer