WALDSEE
Freude über den ersten Fahrgast im Waldseer Bürgerbus
„Bürgerbus“ steht in großen Buchstaben auf der Seite des weißen Ford Transit Neunsitzers. „Bürgerbus“ steht auch auf dem Schild auf dem Parkplatz des Pennymarkts. Punkt neun Uhr startet Michael Popow den Motor und steuert in die Neuhofener Straße. Noch ist kein Fahrgast an Bord, Popow und Petra Laforce-Blanz haben Zeit zu erzählen. „Am Anfang dachten wir, wir setzen uns in den Bus und fahren los, aber so einfach war das natürlich nicht“, sagt der Fahrer. Die Ehrenamtlichen haben Schulungen in Erste Hilfe gemacht, selbst eine Gesundheitsuntersuchung vornehmen lassen und beim Bürgerbus in Limburgerhof hospitiert. Die Fahrer haben außerdem ein Fahrsicherheitstraining absolviert, Fahrpläne wurden ausgearbeitet und es wurde ganz viel organisiert. „Wir haben alles, wirklich alles vom Fahrplan bis zum Bürgerbusschild selbst entworfen“, erzählt Popow.
Von der Apotheke zum Supermarkt
Ankunft an der ersten Haltestelle in der Neuhofener Straße. Keiner da. Die zweite auf Höhe des Friedhofs ist wegen einer Baustelle abgesperrt. „Das war gestern noch nicht“, sagt Popow irritiert und hält eben ein Stück davor. Auch an der Sparkasse und dem Dorfmarkt will keiner einsteigen. „Da ist jemand“, rufen Popow und Laforce-Blanz begeistert, als sich der Bus der Haltestelle bei der Apotheke nähert. Gisela Rennholz ist der erste Fahrgast des Bürgerbusses Waldsee. Die 81-jährige überreicht ihren Rollator an Petra Laforce-Blanz, die ihn im Kofferraum verstaut, und steigt ein. Das Knie mache ihr seit einigen Tagen Probleme und sie könne nicht Radfahren, erzählt die Seniorin. Nun wolle sie mit dem Bürgerbus zum Wasgau fahren und zurück dann laufen. „Dann habe ich eine Strecke gespart“, sagt sie. So ein Rollator sei eine gute Sache, erklärt sie noch. Der Bürgerbus natürlich sowieso, die Liste mit den Haltestellen habe sie gleich in die Geldbörse gesteckt.
Petra Laforce-Blanz macht den ersten Strich auf der Liste. Auf allen Touren soll notiert werden, wo Fahrgäste ein- oder aussteigen, um zu sehen, wo noch nachgebessert werden kann. Immer wieder gibt sie die Zeiten, zu denen der Bus an der nächsten Haltestelle sein soll, an Popow weiter. Eine Minute im Verzug, stellt der fest. Aber es sei ja genug Puffer eingeplant. Am Wasgau steigt Gisela Rennholz aus. Weiter geht es ohne Fahrgäste über Ackermanns Markthalle zurück in die Dorfmitte. Im Zentrum soll der Bus bei jeder Tour zweimal vorbeikommen. So müssten die Fahrgäste nicht immer die ganze Runde abwarten, um dorthin zu gelangen. Die Haltestellen seien mit Bedacht so gewählt, dass der Bus dort auch ein paar Minuten stehen kann und dass alle Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen sowie Apotheke und Friedhof angefahren werden, erklärt Popow.
Weiter geht’s ins Neubaugebiet Nord. Vor der Zahnarztpraxis steht Johann Angermeier. „Ich will das mal für meine Frau testen und bis zum Penny mitfahren“, erklärt er. Seine Frau sei auf den Rollator angewiesen und er wolle mal sehen, wie der Einstieg in den Bus sei und ob die Gehhilfe auch Platz habe. Ja, Platz gibt es genug und beim Einstieg hilft man gerne, deswegen fährt ja auch ein Beifahrer mit. Rollstühle können allerdings nicht transportiert werden.
Fahrplan kann sich ändern
Sicher werde es eine Weile dauern, bis der Bürgerbus angenommen wird, glauben Laforce-Blanz und Popow. In Stein gemeißelt sei der Fahrplan nicht. „Wir schauen, wie es läuft und wo noch nachgebessert werden muss“, sagt Popow. Schön wäre es, wenn an den Haltestellen, an denen die Mitfahrer nach Erledigung ihrer Besorgungen auf die Rückfahrt warten müssen, Bänke aufgestellt werden könnten.
Nach exakt einer Stunde ist der Bürgerbus wieder am Penny-Markt. Johann Angermeier steigt aus und geht einkaufen. Petra Laforce-Blanz und Michael Popow sind zufrieden mit der Jungfernfahrt und starten zur nächsten von insgesamt vier Runden. Am Freitag stehen sie wieder um 9 Uhr parat und dann erst wieder in einigen Wochen, denn nun sind erst die anderen fünf Teams im Einsatz.