Otterstadt / Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Früher Junge, heute Frau: Alessia Dorigo am Montag in Dating-Show zu sehen

Als Frau: Alessia Dorigo hat mehrere Operationen hinter sich, um ihrem gewünschten Aussehen näher zu kommen.
Als Frau: Alessia Dorigo hat mehrere Operationen hinter sich, um ihrem gewünschten Aussehen näher zu kommen.

Wenn Alessia Dorigo in die alte Heimat kommt, wo die Eltern und ihre Schwestern noch leben, dann mit gemischten Gefühlen. Die heute 31-Jährige ist in Speyer als Junge geboren worden und lebt heute als Frau in Köln. Mit der Kindheit in Otterstadt und Waldsee verbindet sie auch Hänseleien und Depression. Heute ist sie bei einer Dating-Show im Fernsehsender Vox zu sehen.

„Ich liebe die Pfalz“, sagt Alessia Dorigo einerseits. Zu ihrer Familie hat sie nach wie vor eine enge Bindung. Und Posts in sozialen Netzwerken von Besuchen in der Region versieht sie auch gern mal mit den Hashtags „Pfalzliebe“ oder „Heimat“. Andererseits sind mit der Kindheit und Jugend in Otterstadt und Waldsee viele negative Erinnerungen verbunden. Schon in der Grundschule sei sie gehänselt worden. Bereits damals habe sie gerne die Kleider der Schwester angezogen oder beim Spielen die Frauenrolle übernommen.

„Später in der Realschule in Schifferstadt ist die Hänselei noch schlimmer geworden“, erzählt die heute 31-Jährige. Mit 16 Jahren outet sich Alessia Dorigo als homosexuell. Doch das ist eigentlich nur ein Notbehelf, denn tatsächlich fühlt sich Alessia, die damals noch Sandro heißt, als Frau. „Aber das Thema ,Transgender’ gab es Ende der 1990er noch nicht“, sagt sie.

Umzug nach Köln

In einem männlichen Körper gefangen zu sein und von einem Teil des Umfelds abgelehnt zu werden, macht sie depressiv. Mit 19 Jahren folgt deshalb der Umzug nach Köln, das schon damals ein Magnet für Schwule und Transsexuelle war. Dort erfindet sich Sandro sozusagen als Alessia neu: „In der Pfalz hätte ich das nicht geschafft. Ich habe den Freiraum gebraucht“, sagt sie.

Den Kontakt zu alten Bekannten bricht sie – bis auf eine kleine Mädchenclique – ab. Mit 22 entscheidet sich Dorigo endgültig, sich zur Frau umoperieren zu lassen. „Für mich gab es keine Zukunft als Sandro“, beschreibt sie ihre damaligen Gefühle. Lieber wäre sie tot gewesen, sagt sie. Mit solchen Gedanken sei sie kein Einzelfall. Die Selbstmordrate unter Transsexuellen sei extrem hoch.

„Ich mach’ das jetzt“

Alessia Dorigo will sich von ihrer Entscheidung auf keinen Fall abbringen lassen, leitet deshalb schon alles in die Wege für die OP, bevor sie ihre Familie informiert. „Ich bin in die Pfalz gefahren und habe gesagt: Ich mach’ das jetzt. Und dann ging es auch schon los“, erinnert sie sich. Zwar habe die Familie immer viel Verständnis gezeigt, dieser Schritt sei aber auch für sie nicht leicht gewesen.

„Meine Schwester hat ihren Bruder über alles geliebt“, sagt Alessia Dorigo. Heute liebe sie eben ihre Schwester. Mutter Inge habe sie auf ihrem Weg voll unterstützt: „Ich habe die toleranteste und coolste Mutter, die man sich wünschen kann“, sagt sie. Und auch der italienische Vater – Paolo Dorigo ist Wirt im „Lamm“ in Otterstadt – stehe hinter ihr.

Bei der ersten OP bleibt es nicht. Es folgen mehrere weitere, auch solche kosmetischer Natur: Neben den Brüsten lässt sich Alessia beispielsweise die Nase operieren und die Wangen „aufpolstern“. Botox für straffe Haut und aufgespritzte Lippen haben ihr Aussehen ebenfalls stark verändert. Wenn sie bei Heimatbesuchen mit ihrer Familie in Waldsee und Otterstadt unterwegs ist, ahnt deshalb kaum jemand, dass diese Frau früher einmal der kleine Sandro war.

„Man sieht, dass ich was habe machen lassen“, ist Alessia Dorigo durchaus bewusst, dass ihr Gesicht nicht mehr ganz natürlich aussieht. Dieser etwas künstliche Look gefalle ihr. Als Kind habe sie deshalb auch Popsängerin Cher bewundert. „Ich hatte das Glück, mich als Frau so zu gestalten, wie ich wollte“, sagt Dorigo, die mittlerweile in Köln als Qualitätsmanagerin bei einem Fashion- und Modeschmuck-Unternehmen arbeitet.

„Es wurde ziemlich wild“

Eine kleine Follower-Schar hat sich Alessia Dorigo mit ihrer Seite im sozialen Netzwerk Instagram erarbeitet. Dort postet sie regelmäßig Fotos, auf denen sie sich wie ein Model in modischer Kleidung und in interessanter Umgebung präsentiert. „Ich bin sehr extrovertiert, das kann ich dort ausleben“, begründet sie ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Die 31-Jährige ist stolz, dass sie auch schon anderen Transsexuellen, die mit ihrer Identität hadern, dort Tipps geben konnte.

Ihr Bekanntheitsgrad dürfte am Montag noch einmal ein ganzes Stück ansteigen. Dann ist sie nämlich beim TV-Sender Vox im neuesten Teil der Dating-Show „First Dates Hotel“ zu sehen. „Ich war mit Freunden was trinken und habe mich mal wieder über eine Männerbekanntschaft, die nicht von langer Dauer war, ausgelassen“, erzählt sie, wie sie dort gelandet ist. „Meine Freunde machten dann den Vorschlag: Such dir doch einen Mann im Fernsehen.“

Gesagt, getan. Für die Dreharbeiten wird Alessia Dorigo Ende vergangenen Jahres zusammen mit anderen Kandidaten in einem Luxushotel in der Provence einquartiert. Zuschauer und Team wissen, dass sie transsexuell ist – die anderen Kandidaten, die ebenfalls hoffen, die große Liebe zu finden, hingegen nicht.

TV-Sendung als Befreiungsschlag

Im echten Leben erwähnt Alessia Dorigo bei den ersten Dates ebenfalls nicht, dass sie als Junge geboren wurde. „Wenn es auf eine feste Beziehung zugeht, dann sage ich es aber“, erzählt sie. Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus: „Es kam auch schon vor, dass Männer ausfallend geworden sind und den Kontakt abgebrochen haben“, sagt sie.

Die Fernsehsendung sei für sie ein „Befreiungsschlag“, sagt die Kölnerin. Denn dann wisse jeder, dass sie transsexuell sei. Ob bei der Datingshow jemand hinter ihre Geschichte kam und ob die Suche nach einem Partner für sie erfolgreich war, darf Alessia Dorigo noch nicht verraten. „Ich kann nur sagen, dass es ziemlich wild wurde“, sagt sie und lacht.

Im Fernsehen

„First Dates Hotel“ auf Vox, Montag, 18. Mai, 20.15 Uhr.

Im Internet

https://www.instagram.com/alessia.dorigo.official/
Mit 20 Jahren: Damals hieß Alessia noch Sandro.
Mit 20 Jahren: Damals hieß Alessia noch Sandro.
In Pose: Alessia Dorigo zeigt sich gerne auf Instagram.
In Pose: Alessia Dorigo zeigt sich gerne auf Instagram.
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