Rhein-Pfalz Kreis Flugluft schnuppern
Bei den Schnuppertagen der Dannstadter Segelflieger schweben 40 Neulinge zum ersten Mal über die Pfalz. Der Verein kämpft so gegen Nachwuchssorgen und das Image, einem elitären Hobby nachzugehen. Tatsächlich kostet ein Start nur wenige Euro. Wichtig ist danach vor allem das Vertrauen in den Piloten.
Dannstadt-Schauernheim. Plötzlich ist alles weiß. „Mmh“, sagt Daniel Schneider. „So groß war die Wolke doch gar nicht.“ Er drückt den Steuerknüppel leicht nach vorne, die Nase des Segelfliegers senkt sich, plötzlich löst sich der weiße Schleier auf und wir rasen auf Ludwigshafen zu. Die Stadt liegt 1000 Meter unter uns. Schneider, der hinter mir sitzt, zieht den Steuerknüppel wieder sanft nach hinten, Ludwigshafen verschwindet, wir schweben auf eine dunkle Wolke zu. Es ist ganz still. „Die umfliegen wir jetzt mal“, sagt Schneider. Der Segelflieger kippt nach rechts, blauer Himmel liegt vor uns. Ich schaue vorsichtig nach unten, sehnsüchtig suche ich nach dem kleinen Feld, von dem wir gestartet sind. Eine halbe Stunde vorher erzählt mir dort Torsten Hartmann von seinem ersten Flug in einem Segelflieger. „Es ist nicht so schlimm wie Achterbahnfahren, weil es diese rasanten Abfahrten nicht gibt“, sagt der 49-Jährige. Hartmann ist am vergangenen Freitag aus Altrip auf das Segelfluggelände in Dannstadt gereist, um am Schnuppertag der Segelfluggruppe (SFG) Giulini teilzunehmen. „Ich wollte schon immer mal wissen, wie das funktioniert“, sagt er. „Jetzt hatte ich noch Urlaub und mein Sohn Ferien.“ Wie Jan, seinem 16 Jahre alten Sohn, der Flug gefallen hat? „Super. Ich bin schon mal in einer normalen Passagiermaschine nach Kreta geflogen, aber das hier ist etwas ganz anderes. Man sitzt direkt am Abgrund.“ „Der Unterschied zwischen einem Passagier- und einem Segelflugzeug ist wie der zwischen einem Reisebus und einem Formel-1-Wagen“, sagt Karsten Knoop. Der stellvertretende SFG-Vorsitzende startet seit 1992 von dem Segelflugplatz in Dannstadt. Was die Idee hinter dem Schnuppertag ist? „Wir wollen unseren Gästen zeigen, dass wir ganz normale Menschen sind“, sagt Knoop. Es herrsche das Vorurteil, dass Segelfliegen ein elitäres Hobby sei. „Dabei kostet ein Start für Vereinsmitglieder vielleicht vier Euro.“ 160 Mitglieder hat der Verein, „aber wir haben Nachwuchssorgen“, sagt Knoop. Für die Schnuppertage, durch die sich das ändern soll, haben sich 40 Leute angemeldet. „Bisher sind alle begeistert“, sagt Michael Hettenbach. Der SFG-Vorsitzende hat 2006 selbst einen Schnupperkurs geschenkt bekommen. „Nach dem ersten Flug wusste ich: Das ist es.“ Mein Pilot saß schon in viel jüngerem Alter zum ersten Mal in einem Segelflieger. „Ich bin wahrscheinlich schon als Baby auf dem Schoß meiner Mutter mitgeflogen“, sagt Schneider, der im Westerwald aufgewachsen und durchs Studium in die Pfalz gekommen ist. Vorher flog er ein Jahr als Sportfördersoldat für die Bundeswehr, seit 2004 startet er für das heutige SFG-Bundesligateam. „Surfer richten ihren Lebensmittelpunkt nach den Wellen aus, ich lebe für das Segelfliegen“, sagt der 34-Jährige. In diesem Sommer hat er mit seinem Partner einen deutschen Klassenrekord im Ziel-Rückkehr-Flug aufgestellt, ohne Motor flogen sie fast bis an die tschechische Grenze und zurück. An diesem Tag ist das Wetter zu schlecht für Streckenrekorde. Die Wiese, von der gestartet wird, ist matschig, der letzte Schauer liegt eine halbe Stunde zurück. Einer der Schnuppergäste steigt in einen Segelflieger, an der Nase des Flugzeugs wird ein 1000 Meter langes Kunststoffseil eingehakt. Das andere Ende ist an einer Seilwinde befestigt, die auf einem 270 PS-starken Lkw installiert ist. Er steht am anderen Ende der Startbahn. „Okay?“, fragt eine Stimme aus einem Funkgerät. „Okay!“ Der Segelflieger rollt langsam los, das Seil wird immer kürzer, plötzlich schießt das Flugzeug fast senkrecht in die Höhe. Wenige Minuten später ist es schon wieder gelandet. „Wir werden länger unterwegs sein“, sagt Schneider. Damit das klappt, zieht uns keine Seilwinde in den Himmel, wir starten stattdessen per „Flugzeugschlepp“. Wie das funktioniert? „Das wirst du gleich sehen.“ Erst mal muss ich mir einen Rucksack überstreifen, darin wartet ein Fallschirm auf seinen Einsatz. „Der geht automatisch auf, wenn du abspringst, keine Sorge.“ Schneider nimmt hinten Platz, der Deckel wird zugeklappt, ein Motor heult auf. Ein kleines Flugzeug mit Propellern kommt angerollt. Per Seil werden wir mit dem Flieger verbunden. „Meinst du nicht, dass du zu weit vorne für einen Schlepp stehst?“, wird mein Pilot noch gefragt. „Ach was, da hinten ist es so nass.“ Der Motorflieger beschleunigt, bedrohlich langsam holpern wir hinterher, das Rollbahn-Ende kommt immer näher. Bäume ragen dahinter in den Himmel. In letzter Sekunde zieht der Motorflieger hoch, wir schweben hinterher, über die Baumkronen hinweg. 300 Meter, 600 Meter, 900 Meter. „Gleich klinke ich mich aus“, sagt Schneider. Es klackt, der Motorflieger dreht ab, das Knattern der Propeller wird leiser. Dann wird es ganz still. Eine weiße Wolke kommt näher.