Rhein-Pfalz Kreis Fit in fast allen Unterrichtsfächern
«BOBENHEIM-ROXHEIM.» Lehrerin Marianne Handstein geht nach 41 Dienstjahren, davon 32 an der Rheinschule in Bobenheim-Roxheim, in den Ruhestand. Mehr als 1000 Kinder in drei Generationen hat sie unterrichtet. Zuletzt die Enkel ihrer ersten Schüler.
Ihre Schränke sind ausgeräumt in dem Klassenzimmer, das für Marianne Handstein über drei Jahrzehnte lang Lebensmittelpunkt war. „Cut, Schluss, fertig“, sagt die 1952 geborene Grundschulpädagogin resolut. Ihr Unterrichtsmaterial erben ihre Nachfolger, ihre lange Zeit als Lehrerin behält sie in bester Erinnerung. Handstein geht mit zwei lachenden Augen. Verabschiedet wurde sie Anfang Juni mit einem besonderen Geschenk, einer Bronzeplastik in Form eines Seepferdchens. Das bizarre Wasserwesen schwebt auf einem Wingertstein und wurde von ihrem Kollegen, dem Kunsterzieher Johannes Joa, gestaltet. „Seit 25 Jahren machen unsere Kinder bei ihr das Seepferdchen“, erläutert Rektor Andreas Mock sichtlich stolz den Hintergrund des Geschenks. Mit 250 Schülern und 19 Lehrkräften ist die Rheinschule gut aufgestellt. Als eine von drei Sportlehrerinnen gab Marianne Handstein freitags Schwimmunterricht für die zweiten und vierten Klassen und nahm sogar die Prüfungen fürs Sportabzeichen ab acht Jahren ab. Gerne machte sie Unterricht draußen, bei Museums- und Theaterbesuchen, im Schullandheim, im Wald, am Altrhein. Andreas Mock ist der vierte Schulleiter, den Marianne Handstein seit 1985 an der Rheinschule erlebt hat. Von 1976 bis 1980 hatte sie in Maxdorf und Rödersheim-Gronau unterrichtet. Die erste Lehramtsprüfung legte sie 1975 in Worms, die zweite in Maxdorf ab. Unterrichten war ihre Leidenschaft, Lernfreude ihr Antrieb, denn sie hat für fast alle Grundschulfächer die Lehrbefähigung erworben, zuerst für Grundschulpädagogik und katholische Religion, mit 40 Jahren für Sport, mit 50 für Englisch. Sie lehrte alles außer Kunst, Musik und evangelische Religion. Durch viele Fortbildungen blieb sie immer am Zahn der Zeit. 2002 war Handstein Projektleiterin beim EU-weiten Comenius-Projekt, einem Lehreraustausch, der sie und drei Kollegen nach Belgien, Irland, Polen und Spanien führte, um mit traditionellen Spielen, Liedern und Tänzen kulturübergreifende Unterrichtsinhalte weiterzugeben. Mit ihren 65 Jahren wirkt Marianne Handstein jung und energiegeladen. Keine Spur von Burnout, als wir sie kurz vor Ferienbeginn in der Rheinschule besuchen. Kaum beginnt sie zu reden, sind die 19 Schüler still und aufmerksam. Die beiden Praktikanten Arian und Gökbaey, früher selbst Schüler bei ihr, staunen, als die Lehrerin die Wahrscheinlichkeitsrechnung erklärt anhand von Gummibärchen. Ihren Traumberuf hat Handstein 41 Jahre lang gelebt. Als zwei ihrer ersten Schüler Kollegen wurden, sei das seltsam gewesen. Für die Jungen. „Bringt den Schülern Vertrauen entgegen“, rät die Erfahrene ihnen. „Vertrauen zahlt sich immer aus.“ Marianne Handstein wohnt in Frankenthal und hat zwei erwachsene Kinder und drei Enkel. Der Sohn ist Gymnasiallehrer in Mainz, die Tochter Managerin. „Erstmal ausschlafen“, antwortet sie lachend auf die Frage nach den ersten Aktivitäten im Ruhestand. „Und den Sommer in der Stadt genießen.“ Soll heißen: endlich Zeit für Sport und Bewegung im Strandbad und bei der TG-Turngruppe für fitte Senioren. Dazwischen viel lesen. „Urlaub gibt’s erst in der Nachsaison“, sagt sie. Ein Konzert-Abo, Spanisch lernen bei der Volkshochschule – die Jungpensionärin hat noch viel vor.