WALDSEE
Erste Schritte in Richtung Verkehrsentwicklungskonzept
Der Umwelt- und Verkehrsausschuss hatte Ende Februar die Verwaltung beauftragt, ein entsprechendes Angebot einzuholen. Das hat Eva Klenert vom Büro Modus Consult in Karlsruhe den Ortsgemeinderatsmitgliedern nun erläutert, die dann doch wieder – vorerst? – ein Stück zurückgerudert sind.
Klenert macht klar, dass es sich um einen Mobilitätsentwicklungsplan handelt. Dabei werden Straßennetz, öffentlicher Personennahverkehr, Fußgänger, Radfahrer und der ruhende Verkehr nicht für sich betrachtet, sondern auch die Wechselwirkungen untereinander. All das ist eingebettet in Faktoren wie Klimaschutz, Lärmschutz, Verkehrsmanagement. Praktisch geht man dabei vereinfacht gesehen so vor: Zunächst wird die Ist-Situation analysiert. Das geschieht durch Verkehrszählungen. An 14 Stellen werden alle Verkehrsteilnehmer von 6 bis 8 und von 15 bis 19 Uhr gezählt. An drei weiteren Stellen wird rund um die Uhr gezählt und an acht Stellen der Radverkehr tagsüber. Die Parkmöglichkeiten im Ort werden analysiert, auch die Belegung der Parkplätze. Diese Daten werden ausgewertet. Die Verkehrszählung soll im September stattfinden.
Fast 40.000 Euro Kosten
In der nächsten Phase gibt es Bürgerinformationsveranstaltungen und es werden Workshops gegründet. In mehreren weiteren Schritten entsteht daraus dann ein Konzept, eine Prognose des Verkehrs für das Jahr 2035 und letztlich ein Maßnahmenkatalog für mittel- und langfristige Projekte und Empfehlungen für die Gemeinde.
Der Haken dabei zumindest vordergründig: Für die Entwicklung eines solchen Konzeptes sind 20.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Das Angebot von Modus Consult ist aber fast genau doppelt so teuer. Der Rat hätte nun beschließen können, das Konzept in Auftrag zu geben und die Zusatzkosten, die wohl ohnehin erst im nächsten Jahr angefallen wären, über einen Nachtragshaushalt zu finanzieren. Hat er aber nicht, denn im Rat gibt es zwei Lager. Auf der einen Seite ist die grüne kommunale Liste, die sich das Verkehrskonzept schon seit vielen Jahren immer wieder gewünscht hatte und vor „klein kariertem Denken“ warnte, sowie die SPD. Sie hätten gern gleich alles beauftragt. „Für mich ist das ein absolutes Muss“, sagte Harald Wiesenberger (SPD).
Auf der anderen Seite steht eine Mehrheit aus CDU, FWG und FDP, die zwar betonten, das Konzept im Prinzip auch zu wollen, aber nicht gleich so. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle: zum einen ist da die Fertigstellung der Westumfahrung zwischen der Schifferstadter und der Rehhütter Straße. Erst danach ergebe es überhaupt Sinn, ein Konzept zu erstellen, fand Wolfgang Berl (CDU). „Wir waren dafür, dass wir was machen, aber abwarten bis diese Spange gebaut ist“, betonte Jochen Scheffel (FWG). Zum anderen befürchten einige Ratsmitglieder, dass für die Umsetzung der im Konzept vorgeschlagenen Maßnahmen wenig Spielraum bleibe. Berl erwähnte hier die erst relativ neu ausgebaut Ludwigstraße, an der sich in den nächsten zehn Jahren nicht viel ändern ließe, und Volker Knörr (CDU) befürchtet wenig Handlungsspielraum im Bereich ÖPNV.
Bestandsanalyse jetzt
Einig war man sich aber, dass die Bestandsanalyse, also der erste Teil des Konzeptes, sofort in Auftrag gegeben werden soll. Das wurde auch einstimmig beschlossen, denn die Analyse wird ohnehin benötigt für die Planung der Westumfahrung. Danach möchte man sich erst einmal die Ergebnisse der Analyse ansehen und diskutieren. Dann soll der zweite Teil in Auftrag gegeben werden. Wann, das wurde nicht so deutlich. Ob automatisch im kommenden Jahr, oder dann, wenn aus der Analyse sichtbar ist, dass Verbesserungen auch umgesetzt werden könnten, oder dann, wenn die Westspange gebaut ist. Dazu gibt es noch keinen Beschluss.