Rhein-Pfalz Kreis Erschreckende Zustände
«Waldsee.»In der Küche sind viele Schränke kaputt, Herdtüren sind halb abgerissen, Brandflecken verunstalten die Arbeitsplatten. Verschimmeltes Toastbrot liegt da nicht erst seit gestern. Auch in den Fluren bietet sich kein schöner Anblick. Die Wände sind schmutzig, zum Teil beschmiert. Die Türzargen zu einigen der Zimmer sitzen locker. Der Aufenthaltsraum ist abgesperrt. Zuvor musste die herausgerissene Falttür repariert werden. „Dort können wir niemanden allein hineinlassen, weil nach einem Tritt in die Wandverkleidung Kabel offen liegen“, erklärt Sozialarbeiter Elias Petermann, der wegen Ungezieferbefall schon mehrfach den Kammerjäger rufen musste. Ratten machen sich auf dem Gelände breit. Die Mängelliste könnte beliebig verlängert werden. Doch woran liegt es? Baumängel, Fehlverhalten und mangelnde Betreuung spielen wohl eine Rolle. Das Gebäude wurde vom Rhein-Pfalz-Kreis erworben, als sich die Flüchtlingswelle auf dem Höhepunkt befand. Ursprünglich hatte der Vorbesitzer geplant, dort eine Pension einzurichten. Die Umbaumaßnahmen seien aber sehr mangelhaft durchgeführt worden. Thomas Hauser, Leiter des Ordnungsamts der Verbandsgemeinde Rheinauen, demonstriert zum Beispiel, dass die Öffnungen zu groß für die eingebauten Türen sind. „Da reicht es schon, wenn die Türen durch den Türheber automatisch zuknallen, dass sich der Rahmen lockert“, erklärt Sozialarbeiter Petermann. Kornelia Barnewald, Sprecherin der Kreisverwaltung, sagt, dass beim Kauf Probleme festgestellt worden seien. Sicherheitsrelevante Mängel seien vor dem Einzug für rund 200.000 Euro behoben worden. „Wir möchten festhalten, dass das Haus zu diesem Zeitpunkt nach der Mängelbeseitigung neuwertig und mit dem Standard einer Pension vergleichbar war“, sagt Barnewald. In der Küche wird dagegen sichtbar: Herde und Mobiliar sind von sehr geringer Qualität. „Billiges Material gepaart mit Unachtsamkeit führt dazu, dass die Küche so aussieht“, sagt Hauser. Die Kreisverwaltung hat die ursprünglichen Spülen bereits durch Edelstahlspülen ersetzt. „Die Gemeinschaftsküche bedarf – wegen andauernder unsachgemäßer Benutzung – ständiger Reparaturen, die sehr kostenintensiv sind“, sagt die Kreis-Sprecherin dazu. Der Küchenblock werde zurzeit überplant. Zum Müllproblem erklärt Petermann, dass es da auch kulturell bedingt Probleme gebe. „Gerade die muslimischen Frauen langen die Deckel der Müllcontainer nicht an, weil die in ihren Augen unrein sind“, sagt er. Generell entstehe in einer Gemeinschaftunterkunft immer eine Art WG-Verhalten, bei dem sich niemand mehr verantwortlich fühle, sagt Hauser. Darüber hinaus gibt es eindeutige Vandalismus-Schäden, die unter anderem von jungen Männern nach Alkohol- und Drogenkonsum verursacht wurden, erklärt Petermann. Er und der Hausmeister seien täglich vor Ort. Es gebe Putzpläne, deren Einhaltung kontrolliert werde. Die Bewohner würden immer wieder auf Fehlverhalten hingewiesen. Überall in den Fluren hängen Hinweistafeln in vier Sprachen. Doch das sei oft ein Kampf gegen Windmühlen. Tatsächlich stehen beim Rundgang durch das Gebäude wieder einmal Fluchttüren offen, die geschlossen sein müssten. „Meist fange ich nach meinem Urlaub gerade wieder von vorne an“, sagt Petermann. Dorothea Baur vom Netzwerk Asyl gibt auf Nachfrage zu Bedenken, dass der Vandalismus wohl eine Folge mangelnder Betreuung sei. „Von Anfang an hat die intensive Begleitung gefehlt“, sagt sie, wohlwissend dass anfangs ein Hausmeister ganztags und eine Sozialarbeiterin von der Kreisverwaltung halbtags vor Ort waren. Doch damals habe es so viel zu organisieren gegeben, dass die Betreuung nicht ausreichend gewesen sei. „Gemeinschaft organisieren braucht Zeit und Kapazität. Die Situation ist aus dem Ruder gelaufen, und es ist nie gelungen, das Ruder wieder zurück zu reißen“, sagt sie. Die Pauschale, die die Verbandsgemeinde vom Kreis pro Geflüchteten bekomme, sei bei weitem nicht ausreichend, um das Zusammenleben gut zu organisieren, findet Baur. Die Kieshaufen, die seit Monaten im Hof liegen, sollen übrigens dann beseitigt werden, wenn die Kreisverwaltung geprüft hat, wie das Problem mit dem Regenwasser, das durch die Lichtschächte ans Haus läuft, gelöst werden kann. Petermann reicht’s bei diesem Thema aber: „Wenn nicht bald was passiert, hole ich mir eine Schaufel und beseitige es selbst.“