Auf eine Bratwurst mit ... Erich Fix und Nicole Kruse stehen auf die Assenheimer Kerwe

Erich Fix und Nicole Kruse teilen sich Bratwurst und Erinnerungen.
Erich Fix und Nicole Kruse teilen sich Bratwurst und Erinnerungen.

An seine erste Kerwe in Assenheim kann sich Erich Fix (88) noch sehr gut erinnern. Er war zwölf, und es gab einen Gutselstand, eine Schießbude und Schiffschaukeln. Nicole Kruse (45) erinnert sich an Box-Autos. Für beide ist Kerwe einer wichtigsten Termine im Kalender. Und sie tun viel, damit das so bleibt.

An die Schiffschaukel kann sich Erich Fix noch gut erinnern. „Eine schaukelte normal, mit der anderen konnte man einen Überschlag machen.“ Das war 1948, in der Nachkriegszeit, in der die Menschen nicht viel hatten. „Die Kerwe war da etwas ganz Besonderes.“ Gut gegessen wurde aber schon immer während der Kerwe, früher in den Dorfwirtschaften. „Da sind aber nur die Eltern am Sonntag essen gegangen.“ Für alle habe das Geld damals nicht gereicht. Erich Fix hat sieben Geschwister. Heute bleibt bei den meisten Familien während der Kerwe die Küche kalt.

„Auch wurde in den Wirtschaften getanzt“, erzählt der 88-Jährige. Beim Kerwetanz hat er auch seine Frau kennengelernt. „Erst hat sie abgelehnt, dann konnte sie aber meinem Charme nicht widerstehen“, sagt er und schaut ganz verschmitzt. Das glaubt man gern. Fast jeder im Dorf kennt ihn. Am Bratwurststand wird er von etlichen Besuchern herzlich begrüßt. Viele Jahre lang hat sich Erich Fix beim Turnerbund Assenheim (TBA) engagiert, ist nun Ehrenvorsitzender. Der TBA ist Teil der Kerwegemeinschaft, neben den Aktiven der Kirche, von Schneeball aktiv und der Blaskapelle.

Es braucht die Ehrenamtlichen, damit die Traditionen weiterleben und sich auch weiterentwickeln. Erich Fix weiß noch, wie der Kerweumzug entstanden ist: „Die Dorfjugend hat einen Kerwebub gekürt, und der hat sich ein Kerwemädchen ausgesucht. Die wurde mit einer Kutsche abgeholt, die hinter einer Kuh gespannt war. Dahinter spielte die Blaskapelle.“ Der Zug hielt vor den Häusern der reichen Assenheimer, da gab es etwas zu essen und zu trinken. „Und der Bub hat ein paar Worte gesagt. Daraus entstand die Kerwerede. “ Auch Erich Fix war mal Kerwebub.

Seit 2019 hält Nicole Kruse mit Bürgermeister Walter Schmitt die Kerwerede. Die Idee kam, wie so oft, bei einer Schorle. Lange darum bitten musste man sie nicht, erzählt sie: „Ich kann dumm babbeln und bin eine kleine Rampensau.“ Das Jahr über vermerkt sie in ihrem Handy, was im Dorf passiert, und schreibt mit Walter Schmitt den Dialog. „Früher war die Rede in Reimform, heute tratschen wir auf der Bühne. Und das Schöne ist, dass ich auch ein bisschen gemein werden kann.“ Dieses Jahr war alles etwas anders, denn die Kerweeröffnung war ausgerechnet zum EM-Spiel Deutschland gegen Spanien. Fassbier-Anstich und Kerwerede mussten in der Halbzeit über die Bühne gehen. „Walter Schmitt hat viel geübt, damit das auch mit einem Schlag klappt. Wir mussten also schon sehr viel Bier trinken“, verrät die 45-Jährige, die als Schulsozialarbeiterin in Mutterstadt arbeitet. Dass sie an der Kerwe viel zu tun hat, stört sie nicht. Es sei gut, dass alle zusammenkommen. Seit vergangenem Jahr spielt ein DJ. „Damit haben wir wieder viel Jugend auf die Kerwe geholt.“ Das sei wichtig, damit die Assenheimer Dorfkerwe ein besonderes Ereignis bleibt.

Die Serie

Was wäre das Leben auf dem Land ohne ein Dorffest wie die Kerwe? Die Feste haben eine lange Tradition und sind Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Gemeinden. Was die Kerwe für Menschen aus dem Ort bedeutet, welche Erinnerung sie daran haben, das erzählen sie in der Serie „Auf eine Bratwurst mit …“.

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