Limburgerhof RHEINPFALZ Plus Artikel Erfolgreiches Musiktraining trotz technischer Tücken

Gemeinsam geht nur via Internet: Marlene Völkel beim Online-Gitarrenunterricht mit ihrer Lehrerin Birgit Wendel.
Gemeinsam geht nur via Internet: Marlene Völkel beim Online-Gitarrenunterricht mit ihrer Lehrerin Birgit Wendel.

Er ist gewöhnungsbedürftig, doch immerhin eine Lösung: Instrumentalunterricht via Internet. Von den ungeahnten Tücken, aber auch den Erfolgen können Musiklehrerin Birgit Wendel und ihre Gitarrenschülerin Marlene Völkel aus Limburgerhof erzählen – natürlich bei einem Zoom Meeting.

Live gesehen haben sich die beiden im vergangenen Jahr kaum. Gerade mal zwischen Sommer- und Herbst-Ferien konnte Präsenz-Unterricht unter strengen Hygieneauflagen stattfinden. „Es ist für selbstständige Musiker und Musikschullehrer eine echt schwere Zeit“, sagt Birgit Wendel, die seit 2010 in Limburgerhof in ihrer privaten Musikschule Gitarren- und Mandolinenunterricht gibt und als Musikerin Auftritte hat.

Seit fast zehn Jahren nimmt Marlene Völkel (15) bei ihr nun Gitarrenunterricht. Dreimal hat sie schon am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teilgenommen und jedes Mal einen ersten Preis bekommen. Auch in diesem Jahr war sie erfolgreich und hat sich sogar für den Bundeswettbewerb qualifiziert. Doch diesmal lief es ganz anders. Während des Musikunterrichts war Marlene Völkel zu Hause, Birgit Wendel verfolgte zugeschaltet auf dem Laptop das Gitarrenspiel. Haltung und Technik konnte sie so ganz gut beurteilen. „Aber das Instrument kam rüber wie eine Lagerfeuergitarre“, erzählt sie lachend. Zu laut würde sie spielen, das Abphrasieren nicht berücksichtigen, bekam die Schülerin gesagt. Die stellte sich darauf ein und spielte leiser.

Feinheiten gehen unter

Dann kam der Zeitpunkt, an dem Marlene Völkel ihr Spiel für den Wettbewerb filmen sollte. Da die vielen Teilnehmer in diesem Jahr nicht persönlich vor der Jury auftreten konnten, mussten sie ihren Beitrag als Film einreichen. Zwei Tage vor dem Aufnahmetermin saßen sich die 15-Jährige und ihre Lehrerin zum ersten Mal wieder persönlich gegenüber – nach einem Schnelltest.

Marlene Völkel fing an zu spielen, ihre Musiklehrerin erschrak: „Um Himmels willen, das ist ja alles viel zu leise“, stellte sie fest, und es wurde deutlich: Die ganzen Feinheiten des Spiels gehen bei einer Zoom-Übertragung verloren. Bei einer erfahrenen Schülerin wie Marlene Völkel funktioniert Zoom-Unterricht trotzdem sehr gut, bei Anfängern ist es schon tückischer. „Es passiert eigentlich ständig, dass jemand aus dem Meeting fliegt“, sagt Birgit Wendel. Aber auch bei bester Verbindungsqualität gibt es die Technik nicht her, dass die Lehrerin den Takt mitzählen kann oder einfach mal ein Stück selbst mit der Gitarre mitspielt. Auch was die Haltung angeht, mache es einen Unterschied, ob der Schüler zu Hause in seinem Kinderzimmer sitzt oder in der Musikschule neben der Lehrerin.

Deswegen haben Marlene Völkel und Birgit Wendel den Video-Beitrag für den Wettbewerb auch in einem Aufnahmestudio bei Freunden eingespielt. Zum einen, weil die Aufnahmequalität viel besser ist als bei einem im heimischen Kinderzimmer gedrehten Handy-Video. Zum anderen, weil die Schülerin viel konzentrierter bei der Sache ist und, wie die 15-Jährige zugibt, schon auch ein bisschen aufgeregt ist. Das, sagt Birgit Wendel, sei ganz wichtig, wenn schon die typische, durchaus beflügelnde Lampenfieber-Situation wegfalle. Letztlich sei es aber doch ein großer Unterschied, ob man einmal vor der Jury vorspielt oder drei bis vier Stunden an einem Video arbeitet. Birgit Wendel kann das sowohl aus der Sicht der Musiklehrerin als auch aus der eines langjährigen Jurymitglieds bei „Jugend musiziert“ beurteilen.

Vermissen Präsenzunterricht

Marlene Völkels Spiel hat die Jury so sehr überzeugt, dass sie einen ersten Preis bekam und sich für die Teilnahme am Bundeswettbewerb qualifiziert hat, der in den Pfingstferien in Bremen stattfindet. Ob das tatsächlich in Präsenzform geht, steht noch in den Sternen. Die Teilnehmer sollen vorsichtshalber ihren Beitrag wieder aufnehmen.

Marlene Völkel und Birgit Wendel sind froh, dass sowohl Musikunterricht als auch der „Jugend musiziert“-Wettbewerb überhaupt auf diese Weise funktionieren. Aber sie vermissen beide den Präsenzunterricht sehr und den Blick über den Tellerrand beim Treffen mit anderen jungen Musikern bei Wettbewerben. Außerdem fällt das Ostertreffen des Bundes Deutscher Zupfmusiker aus, dessen Musikleiterin im Landesverband Baden-Württemberg Birgit Wendel ist. Sobald es erlaubt ist, möchte die Musikerin wieder Unterricht von Angesicht zu Angesicht halten. Plexiglas-Trennwände, CO2-Melder und Luftreinigungsanlage sind schon installiert.

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