Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ensemble „Hut ab!“ probt für neues Stück: Akribische Arbeit am Theatervergnügen

Bei den Proben wird viel Wert auf Details gelegt. In dieser Szene sind (von links) Dagmar Bentz, Andrea Kopp, Stephan Sabow, Bir
Bei den Proben wird viel Wert auf Details gelegt. In dieser Szene sind (von links) Dagmar Bentz, Andrea Kopp, Stephan Sabow, Birgit Schmitt und Burkhard Trapp zu sehen.

Ins Chicago der 1930er-Jahre entführt die Theatergruppe „Hut ab!“ aus Schifferstadt ihr Publikum mit ihrem neuen Stück „John Stanky – Privatdetektiv“. Ein Probenbesuch.

Auf dem Tisch liegen jede Menge Pinsel, Schwämmchen, Make-up-Stifte und Lipgloss in verschiedenen Rottönen. Konzentriert betrachten sich zwei Darsteller in den beleuchteten Make-up-Spiegeln. Dagmar Bentz, bereits in Kostüm und geschminkt, verhilft einer Kollegin zum perfekten Bühnen-Look. Denn bei der Schifferstadter Theatergruppe „Hut ab!“ wird alles akribisch geprobt, nicht nur das Schauspiel selbst. An diesem Sonntag ist die Maske an der Reihe.

Shocking: Eine Lady wird erpresst

Danach geht es auf die Bühne des evangelischen Gemeindezentrums, auf der schwarze Vorhänge derzeit noch die Wände des hochherrschaftlichen Salons ersetzen, in dem das Stück spielt. Bei einer der vergangenen Proben hatte die Truppe die Kulisse samt antiker Möbel aufgebaut, um auch dabei nichts dem Zufall zu überlassen. Doch da der Saal von verschiedenen Gruppen genutzt wird, kann lediglich das Sofa dauerhaft dort stehen bleiben.

Dieses ist auch unverzichtbar, nehmen darauf doch in der Kriminalkomödie „John Stanky – Privatdetektiv“ von Andreas Kroll immer wieder Mitglieder und Gäste der adeligen Familie Platz, deren Leben durch eine Erpressung durcheinander gewirbelt wird. Opfer ist Lady Elizabeth Bellingham (gespielt von Birgit Schmitt), das strenge Oberhaupt der englischen Familie, die in die USA ausgewandert ist und dort ein Stahlwerk besitzt. Ihre Enkelin, Lady Alice Sutherland (Andrea Kopp), eine attraktive Witwe, möchte ihr helfen und engagiert den abgehalfterten Privatdetektiv John Stanky (Stephan Sabow), den sie irrtümlich für eine Koryphäe auf seinem Gebiet hält.

Undercover beim Adel

Damit John ungestört ermitteln kann, stellt ihn Alice ihrer Familie als ihren Freund vor und versucht, ihn durch die adeligen Gepflogenheiten zu lotsen. Der Bürgerliche ruft bei ihrem auf die Familienehre bedachten Onkel Thomas (Burkhard Trapp) allerdings massiven Widerstand hervor, während ihre Tante Helen (Dagmar Bentz) das alles wahnsinnig romantisch findet. Und während John versucht, unter den wachsamen Augen der Familie sowie des Hauspersonals Alfred (Jonas Schmitt) und Claire (Julia Müller) zu bestehen, arbeitet er undercover an der Lösung des Falls.

Für „Hut ab!“ ist es das dritte Stück seit Entstehung der Gruppe. Melanie Bier, erste Vorsitzende und Initiatorin der Vereinsgründung, führt Regie und spielt die Rolle der Sekretärin Olivia. Sie ist begeistert, wie sich „Hut ab!“ seit den Anfängen entwickelt hat. „Es ist so, wie ich es mir erträumt habe, und noch besser“, schwärmt sie. Es sei eine tolle, herzliche und vielseitige Truppe.

Hohe Ansprüche beim Laientheater

Über eine Anzeige hatte Bier vor gut drei Jahren nach theaterbegeisterten Menschen gesucht. Sie selbst hatte zuvor mehrere Jahre in Leimen in einer Laientheatergruppe gespielt und das Schauspielern nach ihrem Umzug nach Schifferstadt vermisst. Schnell fanden sich Gleichgesinnte, von denen nur wenige bereits Theater-Erfahrung mitbrachten.

Auch wenn das Theaterspielen für alle Mitglieder ein Hobby ist, setzt die Regisseurin hohe Maßstäbe an. Das zeigt sich etwa bei einer Szene, in der Lady Alice Sutherland und John Stanky auf Tante Helen und Onkel Thomas treffen. Bis es losgehen kann, müssen zunächst die Requisiten stimmen. Melanie Bier legt Wert darauf, dass nicht „mit Luft“ gespielt wird. Daher müssen zum Beispiel genug Gläser auf dem Tablett stehen und diese auch mit Wasser gefüllt sein.

Anschließend wird die Szene wieder und wieder geprobt. Laufwege werden optimiert, Textfehler verbessert und das richtige Timing geübt, etwa wann genau Alice John am Kragen packt und aus dem Zimmer zerrt. Vor allem sind aber die passenden Emotionen ein Thema. Mal soll Thomas ein wenig ertappter wirken, mal Helen deutlicher schmollen.

Kontakt zu anderen Theatergruppen wichtig

Stephan Sabow steht derweil vor der Herausforderung, in seiner Rolle eine Rolle zu spielen. Schließlich muss der Privatdetektiv der Familie vorgaukeln, der Auserwählte der hübschen Alice zu sein. „Er hat sich aber noch nie in so einer feinen Gesellschaft bewegt“, erklärt die Regisseurin. Diesen Umstand muss der Darsteller somit immer wieder geschickt durchblicken lassen.

Viel Mühe hat sich die Truppe auch bei den Kostümen gegeben. Zu Beginn hat die zweite Vorsitzende, Dagmar Bentz, gründlich Recherche betrieben, welche Kleidung und Frisuren in den 1930er-Jahren in Adelskreisen getragen wurden. Fündig geworden sind die Mitglieder dann unter anderem in Second-Hand-Läden, aber auch bei anderen Theatergruppen.

Der gute Kontakt zu anderen Ensembles ist Melanie Bier ohnehin sehr wichtig. Aus Leimen kenne sie es, dass zu den eigenen Stücken immer auch andere Theatergruppen mit zwei Freikarten eingeladen würden, erzählt die Regisseurin. Dies habe „Hut ab!“ übernommen. „Man lernt sich kennen, kommt ins Gespräch und ist einfach besser vernetzt“, erklärt sie. Beim ersten Stück habe sogar ein Schauspieler aus einer anderen Gruppe ausgeholfen, als jemand ausgefallen war.

Dies wird bei „John Stanky – Privatdetektiv“ hoffentlich nicht nötig sein. An der Motivation kann es zumindest nicht scheitern, denn die ist bei allen Beteiligten enorm hoch – auf wie hinter der Bühne, denn zum Team gehören auch jene, die nicht im Rampenlicht stehen: Alwin Rehfinger sorgt für einen reibungslosen Ablauf bei der Technik und Monika Menrath macht den Darstellern die Frisuren.

Info

Die Theatergruppe „Hut ab!“ führt das Stück „John Stanky – Privatdetektiv“ am Samstag, 18. und 25. April, jeweils ab 19.30 Uhr, am Sonntag, 19. April, ab 17 Uhr, am Freitag, 24. April, ab 20 Uhr und am Sonntag, 26. April, ab 15 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum, Lillengasse 99, in Schifferstadt auf. Karten zum Preis von zwölf Euro gibt es per Whatsapp-Nachricht an 0157 54372903 oder per E-Mail an kontakt@hut-ab-schifferstadt.de zu kaufen.

Auch die Maske wird geprobt. Melanie Bier (Zweite von links) berät Jonas Schmitt beim Make-up, Dagmar Bentz (rechts) ist Birgit
Auch die Maske wird geprobt. Melanie Bier (Zweite von links) berät Jonas Schmitt beim Make-up, Dagmar Bentz (rechts) ist Birgit Schmitt behilflich.
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