Rhein-Pfalz Kreis Einmal hin, alles drin

. Florian 46 ist ein Alleskönner. Der Lkw wird zur Brandbekämpfung und zur technischen Hilfe eingesetzt. 2000 Liter Wasser, 200 Liter Löschschaum und jede Menge Ausrüstung von der Axt bis zum Notstromaggregat trägt das Hilfeleistungslöschgruppen-Fahrzeug (HLF 20/16) der Freiwilligen Feuerwehr Lambsheim in seinem Bauch. Der 14-Tonner ist bei Einsätzen eines der ersten Autos, die ausrücken. Neun Feuerwehrkräfte bringt Florian Lambsheim 46 – so lautet der vollständige Funkrufname des knallroten Lastwagens – zum Einsatzort. Jeder hat eine genau festgelegte Aufgabe, erläutert der Lambsheimer Wehrführer Carlo Randazzo, der auch stellvertretender Feuerwehrchef der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim ist. Während der Gruppenführer die Leitung des Teams übernimmt, gehören jeweils zwei Brandbekämpfer dem Angriffstrupp, Wassertrupp und Schlauchtrupp an. Hinzu kommen ein Melder, der die Lage im Brandhaus oder am Unfallort erkundet und Opfern hilft, und der Fahrer. Der ist gleichzeitig Maschinist, bleibt am Fahrzeug und bedient alle Aggregate. Dazu gehören die Pumpen und Löschschaumzumischung. Mit dem Auf- und Zudrehen von ein paar Hähnen ist es aber heute nicht mehr getan. Die Schaummischung und der Druck können exakt eingestellt werden. „Das ist Hochtechnologie, alle Systeme sind computerunterstützt“, sagt Randazzo. Der 2007 auf einem 290 PS starken Mercedes-Benz Atego aufgebaute Feuerwehrwagen wurde 2009 von der Lambsheimer Wehr in Dienst gestellt und ersetzt gleich zwei alte Autos, die ausgemustert wurden: ein Tanklöschfahrzeug und einen Gerätewagen. Rund 300.000 Euro hat der laut Randazzo sehr gut ausgestattete Vorführwagen gekostet. Daran kommen bei einem Rundgang um den Laster keine Zweifel auf. Jeder Zentimeter ist perfekt ausgenutzt, das Innenleben von Florian 46 besteht aus einem raffinierten Schubladen- und Klappsystem, das man sich auch für die heimische Werkstatt wünschen würde. „Bei einem Einsatz müssen wir alle Ausrüstungsgegenstände sofort finden. Zeit zum Suchen bleibt da nicht“, unterstreicht Randazzo. Die Optimierung von Abläufen beginnt schon in der Mannschaftskabine. Die Atemschutzgeräte sind in die Rückenlehnen eingehängt, sodass die Brandbekämpfer am Einsatzort nur noch die Träger zuziehen müssen und sofort in voller Montur aussteigen können. Es gilt, keine Zeit zu verlieren. Durch nach oben fahrende Rollläden hat die neunköpfige Besatzung von außen schnellen Zugriff auf die Ausrüstung. Dazu gehören unter anderem eine Tauchpumpe, um Keller auszupumpen, eine Wärmebildkamera, mit der Glutnester und vermisste Personen aufgespürt werden können, Schere und Spreizer, um eingeklemmte Fahrzeuginsassen zu befreien, ein Mehrzweckzug, Kettensäge, Lüfter und ein Notstromaggregat. Im Dunkeln sorgt ein ausfahrbarer Lichtmast mit vier 42 Watt starken Xenonstrahlern für gute Sicht. Und auf dem Dach finden noch ein paar Schiebeleitern Platz, mit denen sich offene Fenster erreichen lassen. Randazzo erklärt auch die Zahlen, die sich auf den gelben Aufklebern hinter der Fahrzeugbezeichnung HLF befinden: 20/16. „Das bedeutet, dass das Hilfeleistungslöschgruppen-Fahrzeug einen Wasservorrat von mindestens 1600 Litern an Bord hat und die Pumpe bei zehn Bar Ausgangsdruck 2000 Liter Wasser fördert.“ Das mitgeführte Wasser werde benötigt, um gleich mit dem Löschen beginnen zu können, während die übrigen Schläuche an Hydranten angeschlossen werden. Rund 50-mal muss Florian 46 in einem durchschnittlichen Jahr ausrücken. Auch bei der Gasexplosion in Harthausen im September 2013 war er dabei, als die Lambsheimer Wehr Unterstützung leistete. Was Florian 46 von gewöhnlichen Lastwagen unterscheidet: Wenn er einmal zur Inspektion muss, können ihn die Feuerwehrleute nicht einfach in die Werkstatt bringen. „Wenn das Hilfeleistungslöschgruppen-Fahrzeug an einem Tag fehlt“, sagt der Feuerwehrchef der VG Lambsheim-Heßheim Reiner Geiger, „muss das bei der Leitstelle des Kreises und der Verbandsgemeinde angemeldet werden, damit Ersatz organisiert werden kann.“