Rödersheim-Gronau RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Pragmatiker vor dem Herrn

Reiner Kesselring kennt jeden Stein des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Gronau – er hat es mit gebaut.
Reiner Kesselring kennt jeden Stein des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Gronau – er hat es mit gebaut.

Die Kommunalpolitik ist in Sachen Ehrenamt Reiner Kesselrings zweites Standbein. Viele Jahre hat er sich der Feuerwehr verpflichtet. Frust über so manche politische Entscheidungen ließen ihn selbst die Sache in die Hand zu nehmen. Eine Eigenschaft, die seinem Amt des Beigeordneten der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim und des Ersten Beigeordneten von Rödersheim-Gronau zugute kommt.

Die meiste Freizeit hat Kesselring 47 Jahre lang bei der Freiwilligen Feuerwehr in Gronau investiert und sich voll darauf konzentriert. Kein Wunder also, dass das Feuerwehrhaus in Gronau sein Lieblingsort ist. Es ist sein „Baby“, mit seinen Kameraden hat er es gebaut und kennt jeden Stein. Hier hat er viele anstrengende, aber sehr schöne Stunden verbracht, erzählt er. Die Wehr hat ihn geprägt, es sei ein erfüllendes Hobby gewesen, aber auch eines, das man nicht bis ins hohe Alter machen kann. Aber wer Reiner Kesselring kennt, weiß, er ist umtriebig, zupackend und hilfsbereit. Und damit nicht im Alter das große Loch kommt, hat er sich rechtzeitig nach einem neuen Ehrenamt in seinem Heimatdorf umgeschaut.

Doch von Anfang an: Reiner Kesselring ist echter Gronauer, hat nie woanders gelebt und auch seine Adresse hat sich bis heute nicht geändert. Er wohnt mit seiner Frau Martha im Haus seiner Eltern, seine mittlerweile erwachsene Tochter lebt in England. Seine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft, er und seine zwei älteren Brüder mussten mithelfen, denn sein Vater ist früh verstorben. Hier in Gronau ist er in den Kindergarten gegangen, die Schulbank drückte er noch im alten Schulhaus, später ging es nach Dannstadt auf die Kurpfalzschule. Danach hatte er erst mal keine konkreten Vorstellungen, was er beruflich machen wollte. Er liebäugelte kurz mit dem Beruf des Metzgers, denn beim örtlichen Metzger hat er sich als Jugendlicher ein bisschen Geld dazu verdient. „Doch täglich Tiere schlachten und verarbeiten, das war nichts für mich“, erzählt er. Früher sei aber nicht groß gefragt worden, was man machen möchte. So besorgte seine Tante ihm eine Lehrstelle in der BASF für die Ausbildung zum Installateur. Und es stellte sich heraus, dass diese Entscheidung gut war. Reiner Kesselring machte seinen Meister und arbeitete bis zur Pensionierung im technischen Bereich des Chemieunternehmens. „Ich habe mich dort wohlgefühlt und es war interessant, denn ich hatte dort Einblick in viele Bereiche“, berichtet der heute 71-Jährige.

Eintritt bei CDU überraschte

Die Freizeit galt der Feuerwehr, und das, seit er 16 Jahre alt war. Er durchlief die Feuerwehr-Karriere, wurde Wehrführer der Gronauer Wehr und schließlich Wehrleiter der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim. Doch mit 63 Jahren war bei der Wehr altersbedingt Schluss. Damit hadert er nicht, denn er ist auch realistisch: Stundenlange Einsätze nachts kann man als jüngerer Mensch einfach besser wegstecken, gibt er zu. Der Weg in die Kommunalpolitik startete mit einem negativen Gefühl: „Ich war mit einigen Dingen nicht einverstanden, was dort beschlossen wurde. Doch man kann ja nicht nur auf die anderen schauen und schimpfen, man muss es selber besser machen“, sagt er frei raus. Und auch das ist typisch für Reiner Kesselring – Tacheles reden!

Dass die CDU seine politische Heimat wurde, war für viele überraschend. „Man hat mich eher bei den Sozialdemokraten gesehen“, erzählt er und schmunzelt. Letztlich war es Verbandsbürgermeister Stefan Veth, der persönlich bei Reiner Kesselring punktete. „So war die CDU für mich die bessere Option.“ 2011 trat er der Union bei.

Bei der Kommunalwahl 2014 ist er von einem hinteren Platz in der Kandidatenliste auf Platz zwölf gewählt worden und hat beim ersten Anlauf einen Sitz im Verbandsgemeinderat Dannstadt-Schauernheim gewonnen. In der darauf folgenden Kommunalwahl wurde er in Rödersheim-Gronau nicht nur in den Gemeinderat gewählt, sondern auch zum Beigeordneten. Seit diesem Jahr bekleidet er das Amt in Doppelfunktion: Er ist Erster Beigeordneter in seinem Heimatdorf und Beigeordneter in der Verbandsgemeinde.

In der Verbandsgemeinde hat er keinen Geschäftsbereich, „das würde mir zu viel werden“, sagt er. In seiner Heimatgemeinde aber schon, es ist der Bereich Bauen. Mit seinen beruflichen Erfahrungen möchte er Bürgermeister Thomas Angel (FWG) bei den Bauprojekten unterstützen. Und da steht einiges an, wie etwa die Erweiterung der Grundschule am Neuberg, der Ausbau der beiden Kindertagesstätten und die Sanierung der beiden Friedhöfe im Ort. Ein Projekt, das er gerne noch umsetzen möchte, ist die Bebauung der „Pfälzer Gärten“, ein Areal auf dem Gelände des Aussiedlerhofs an der Hochdorfer Straße. Dort möchte ein Privatinvestor Reihenhäuser, altersgerechte Wohnungen und eine Pflegestation bauen. „Das wäre für Rödersheim-Gronau und für die Verbandsgemeinde eine riesige Bereicherung“, ist Reiner Kesselring überzeugt. Doch auch hier, wie schon bei anderen Projekten, ärgert er sich über die Gesetzgebung der übergeordneten Behörden, die gute Ideen be- oder gar verhinderten.

So würden vom grünen Tisch aus so manche für ihn seltsame Entscheidungen getroffen. Er erinnert sich noch an die Neugestaltung des Alsheimer Platzes vor der Feuerwehr. Dort sollte ein Glasdach die Freifläche überdachen. „Total unpraktisch, vor allem, weil dort Bäume drumherum stehen“, sagt er. Letztlich haben er und seine Mitstreiter es geschafft, dort ein Dach mit Stauraum für die Vereine oder die Feuerwehr zu bauen. Reiner Kesselring ist ein absoluter Pragmatiker: Anstatt endlose Diskussionen über die Bundespolitik zu führen oder Briefe zu verfassen, nimmt er die Sache lieber selbst in die Hand.

Dass Reiner Kesselring kein Rentner ist, der im Ohrensessel Fernsehen schaut, war seiner Familie von Anfang an klar. Und so hat seine Frau Martha die Augen verdreht, als er in die Kommunalpolitik ging, aber groß gewundert hätte sie sich nicht, erzählt er. Zeit für gemeinsame Aktivitäten wird sich einfach genommen.

Früher waren die beiden leidenschaftliche Skifahrer, Abfahrt war ihre Leidenschaft. Doch im Februar dieses Jahres haben sie die Ski an den Nagel gehängt. „Altersbedingt“, wie er sagt, „und bevor wir uns noch ernsthaft verletzen“. Sie sind aufs Rad umgestiegen und haben schon schöne Touren in Deutschland unternommen – und am Wochenende erkunden Sie die Pfalz. Überhaupt sei die Familie das Wichtigste, sagt er, gefolgt vom Wunsch, gesund zu bleiben. Mit 49 Jahren, als Reiner Kesselring mitten im Leben stand, erhielt er eine Krebsdiagnose. Alles ist gut gegangen. Es hat die Prioritäten in seinem Leben verändert.

Die Serie

Sie sind Spezialisten für ihre Fachbereiche und halten den Bürgermeistern oft den Rücken frei: die Beigeordneten. In der Serie „Auf ein Wort am Lieblingsort“ treffen wir sie abseits von Sitzungssaal, Paragrafen und Vorschriften.

x