Rhein-Pfalz Kreis Ein Kreuz mit Kamille und Co.
«Mutterstadt.» Die Lokale Agenda Mutterstadt lässt beim Thema Blühstreifen nicht locker. Und so haben sich die Landwirte im Ort auf einen Versuch eingelassen: Danach blühen an manchen Feldrändern nun Kamille, Korn-, Ringel- und Sonnenblumen. Eine Zone für Bienen, Hummeln und andere Insekten. Klingt natürlich gut. Aber für die Bauernschaft ist das Projekt nicht leicht umzusetzen.
Blühstreifen sehen schön aus und bieten Lebensraum für Insekten. Insekten sind das gefundene Fressen für Feldvögel. Für die Lokale Agenda Mutterstadt sind Blüten am Feldrand ein Projekt gegen die Eintönigkeit im Gemüsekreis und für den Artenerhalt. Für die Landwirte der Gemeinde ist es eine Herausforderung. Denn Blumen säen und pflegen ist zunächst mal Arbeit. Das weiß jeder, der zu Hause nur ein paar Balkonpflanzen hat. Martin Steig, Landwirt und Vorsitzender des örtlichen Bauernverbands, hat sich mit seinen Kollegen trotzdem auf die Sache eingelassen. Zumindest testweise. Jetzt blüht es am Ackerrand und die Agendaleute sind begeistert. Martin Steig blickt auf Kamille und Co. mit gemischten Gefühlen. „Wir müssen schauen, dass das Projekt Blühstreifen für uns einfacher umzusetzen wird.“ So müssen etwa die Samen für die Blühstreifen dann ausgesät werden, wenn Landwirte ohnehin gerade Arbeitsspitzen verzeichnen. „Im März, April haben wir immer alle Hände voll zu tun“, sagt Steig. Schwierig ist es da, sich noch um blühende Landschaften zu kümmern. Steig kann sich deshalb im Prinzip vorstellen, dass es eine Art Kümmerer für Blühstreifen gibt, aber damit sich dessen Einsatz lohnt, müsste das Projekt über die Gemarkungsgrenzen Mutterstadts hinausgehen. „Das ist nur eine Idee, die wir mit anderen Landwirten diskutieren können.“ Steig bleibt vorsichtig. Er will seine Kollegen nicht überfahren. Als die Lokale Agenda Mutterstadt im vergangenen Jahr mit dem Projekt Blühstreifen an den Kreisverband der Bauern und Winzer herangetreten war, hatte es nämlich auch genügend Kritik an der Idee gegeben. Martin Steig kennt die Knackpunkte. „Das Schlimmste, das uns passieren kann: Samenmischungen für die Blühstreifen konkurrieren mit dem, was wir auf unseren Feldern haben.“ So dürfen dem Landwirt zufolge keine Kreuzblütler auf den Ackerrand – das gibt sonst Ärger mit Blumenkohl, Kohlrabi, Radieschen und vielen anderen Kulturen, die hier angebaut werden und zu dieser Pflanzenfamilie gehören. Sollen die Blühstreifen mehrjährig angelegt werden, müssen sie gepflegt und regelmäßig gemäht werden. „Die Maat darf dann aber nicht liegen bleiben“, sagt Steig. Heißt: Sie muss gesammelt und abtransportiert werden. Da ist der Landwirt wieder beim Thema Mehrarbeit. Zu dem auch gehört, dass Blühstreifen nicht einfach mit dem Traktor überrollt werden dürfen. Für Blühstreifen gelten Regeln. Und die machen die Arbeit auf den Feldern noch mal komplizierter. Steigs Fazit lautet daher: „Es sieht schon sehr schön aus und wir können auch schon viele Bienen, Hummeln und Schmetterlinge fliegen sehen.“ Aber es gebe noch Verbesserungsbedarf, um funktionierende Blühstreifen und erfolgreiche Landwirtschaft zusammenzubringen. „Es muss für uns handhabbar bleiben.“ Werner Stubenrauch, der für die Lokale Agenda Mutterstadt spricht, sagt auch: „Es sieht schon sehr schön aus.“ Doch auch bei ihm gibt es ein Aber und Verbesserungswünsche. Die Agenda möchte, dass es mehr als fünf Vorzeigestreifen im Rhein-Pfalz-Kreis werden. Stubenrauch verweist auf EU-Vorgaben zum sogenannten Greening. Demzufolge sollten Landwirte fünf Prozent ihres Landbesitzes zu ökologischen Vorrangflächen machen. Dann werden ihre Blühstreifen finanziell gefördert. Auf die Mehrarbeit der Landwirte angesprochen, verweist der Agenda-Mann auf Experten vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt. „Sie sagen, wenn einmal gesät ist, kann man den Streifen fünf Jahre so stehen lassen.“ Beim Ausweiten des Projekts Blühstreifen will sich die Lokale Agenda trotzdem gerne einbringen, „wo es möglich ist“. Dass sich der Einsatz lohnt, davon ist Werner Stubenrauch allemal überzeugt, spätestens seit er und seine Mitstreiter drei Kiebitze beobachten konnten – als Folge der natürlichen Reihe Blumen, Insekten, Feldvögel.