Rhein-Pfalz Kreis Ein Herz für Kinder
«Neuhofen.» Mit „Herz, Verstand und Erfahrung“ will sich Esra Böke ihren neuen Patienten widmen. Die promovierte Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, die gerade die Kinderarztpraxis von Rainer Eickhoff in Neuhofen übernommen hat, wollte bereits in frühen Jahren Medizinerin werden und Kindern helfen. Denn sie hat ein großes Herz für die Jüngsten in der Gesellschaft.
Die Frösche sind geblieben. Und auch sonst hat sich in der Praxis fast nichts verändert. Nur der Arzt ist neu. Und ist jetzt eine Frau. Mit der Selbstständigkeit hat sich Esra Böke einen Traum erfüllt – fast auf den Tag genau zu ihrem 50. Geburtstag. Als Nachfolgerin von Rainer Eickhoff, der sich nach 20-jähriger Tätigkeit in Neuhofen vor Kurzem in den Ruhestand verabschiedet hat, kümmert sich die Ärztin jetzt um die kleinen und jugendlichen Patienten. Und sie liebt ihren Beruf, das merkt man der zierlichen Frau gleich an. Doch fangen wir von vorne an – mit einer Ärztin, die sich schon als Kind für Medizin interessierte. Geboren in Mannheim, aufgewachsen in Mutterstadt, konnte sie schon in jungen Jahren bei ihrem Vater, einem Zahnarzt, erste Praxisluft schnuppern. Recht schnell stellte sie fest, dass der Arztberuf „genau ihr Ding“ sei. Nach dem Abitur ging es 1987 nach Erlangen zum Medizinstudium. Es folgte die klinische Ausbildung zur Kinderärztin in verschiedenen Krankenhäusern in Bayern und Hessen. Zurück in der Pfalz – mit Mann und zwischenzeitlich geborenen Zwillingen – begann Böke in einer Kinderarztpraxis in Mannheim und anschließend in Ludwigshafen zu arbeiten. Die 50-Jährige kann nunmehr auf zehn Jahre Praxistätigkeit zurückblicken, mit einem Abstecher ins Gesundheitsamt Germersheim. Dort war sie im schulärztlichen Dienst tätig. Esra Böke ist glücklich in ihrer neuen Wirkungsstätte in Neuhofen. Umgeben von lustigen Fröschen an den Wänden behandelt sie hier ihre Patienten. Das bisherige Team, bestehend aus vier Mitarbeiterinnen, bleibt weiterhin an Bord und ist der Kinderärztin eine große Hilfe. Die Ärztin hat in den vergangenen Wochen viele positive Erfahrungen mit ihren neuen Patienten und deren Eltern gemacht. „Die Spontaneität von Kindern, das ehrliche Lachen, deren herzerfrischende Art“, erzählt sie, „das macht die Arbeit mit Kindern so besonders“ und strahlt dabei selbst über das ganze Gesicht. Die Kinderärztin schaut genau hin. „Sehen, zuhören, abhören, tasten, sprechen.“ In dieser Reihenfolge macht sich die Fachfrau ein Bild von ihren Patienten. Sie trägt keinen weißen Kittel. Die Ärztin will den Kindern und deren Eltern auf Augenhöhe begegnen, Distanzen abbauen, Vertrauen aufbauen. Auch wenn es mal nicht so läuft und ein Kind sich bockig stellt – die zweifache Mutter bleibt die Ruhe selbst. „Oft ist eine Geschichte, die ich dann erzähle, hilfreich oder ich schaue mir mit dem Kind zusammen ein Bilderbuch an“, erklärt sie. In den allermeisten Fällen kann sich die 50-Jährige anschließend wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen. Die gebürtige Mannheimerin lebt mit ihrer Familie in Limburgerhof. Nach einem arbeitsreichen Tag freut sie sich auf ihren Garten. „Meine Ruheoase“ wie sie ihn nennt. Aber auch für Kultur begeistert sie sich. Regelmäßig besucht sie mit ihrem Mann und so manches Mal auch mit den beiden Söhnen Konzerte, Ausstellungen und Museen. Und sie liebt Musik und ist deshalb gut aufgehoben im Kreis ihrer Familie: Der Ehemann, selbst ein Arzt, spielt Klavier, die beiden Söhne ebenfalls und ihre Schwester ist Opernsängerin. „Die Musik bietet einen wunderbaren Ausgleich zu meinem Arbeitstag“, sagt sie mit leuchtenden Augen. Für ihren beruflichen Alltag hat sie neben der Schulmedizin einen weiteren Aspekt im Blick – die Homöopathie und Naturheilkunde. Sie will offen sein für alternative Heilmethoden. „Ich möchte das Kind in seiner Gesamtheit sehen und deshalb Schulmedizin und Komplementärmedizin zusammenlaufen lassen“, erläutert sie. „Alles soll getan werden für das Wohl des Kindes und dessen Genesung.“ Vielleicht tragen auch das eine oder andere Mal die munteren Frösche an den Wänden dazu bei, den Kindern die Angst vor der Untersuchung zu nehmen. Und Zuwachs haben die Frösche bekommen. Die Kinderärztin hat von ihrem Mann zur Praxisübernahme einen großen Keramikfrosch mit Krone und goldener Kugel geschenkt bekommen. Dieser thront jetzt in einem der beiden Behandlungsräume auf dem Schrank und freut sich auf den nächsten Jungen oder das nächste Mädchen, dem er ein verschmitztes Lächeln schenken kann. Böke liebt ihren Beruf als Kinderärztin. „Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich meinen Patienten helfen kann.“ Und so wie sie dies sagt, glaubt man ihr das gerne.