Rhein-Pfalz Kreis Ein Abend der großen Gefühle
«Mutterstadt.» Romantisch ist es zugegangen in der Gemeindebibliothek. Drei Mutterstadter Künstlerinnen gestalteten mit Bravour einen Abend mit Liedern und Gedichten. Im Mittelpunkt: die Liebe.
Ulrike Machill-Bengl, Sopranistin beim Heidelberger Opernchor, nimmt die Verantwortung auf sich. „Es war meine Idee, nach fünf Jahren wieder ein Programm mit meinen Freundinnen aus Mutterstadt zu machen. Und weil der Frühling vor der Tür steht, wollten wir mal etwas Romantik in die Bücherei bringen.“ Dieses Vorhaben wurde mit der Autorin Katrin Kirchner und der Pianistin Takako Furokawa am Dienstag überzeugend umgesetzt. Die Gemeindebibliothek stellte in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle der Gemeinde Mutterstadt die passenden Räumen zur Verfügung. „Wir möchten als Gemeindebibliothek natürlich Autoren unterstützen die nahe am Menschen arbeiten“, sagt Bibliotheksleiterin Birgit Bauer, „und die Kombination aus romantischen Liedern und zeitgenössischer Lyrik hat schon etwas Spannendes“. Die mehr als 70 Besucher wurden schon mit den ersten Klängen der Pianistin in den Zauberbann der deutschen Romantik gezogen. „Seit ich ihn gesehen, glaub’ ich blind zu sein. Wo ich hin nur blicke, seh` ich ihn allein.“ So beginnt das erste Gedicht aus „Frauenliebe und -leben“ des romantischen Dichters Adelbert von Chamisso. Ein Liederzyklus, der im Jahre 1840 von Robert Schumann vertont wurde. Mit dieser Liebeserklärung einer jungen Frau an einen ihr bis dahin fremden Mann beginnt der Liederzyklus. Die geschulte Sopranstimme von Ulrike Machill-Bengl trägt mühelos alle Gefühle der frisch Verliebten in sich, das leise perlende Pianospiel lässt keine Zweifel über die Ernsthaftigkeit der jungen Frau zu und jeder Zuhörer dürfte sich bei diesem Stück an seine erste große Liebe erinnert haben. Im weiteren Verlauf der Lebensreise werden Verlobung, Hochzeit, Mutterglück und schlussendlich die Trauer der Witwe musikalisch eindrucksvoll thematisiert. Immer ist die Stimme der Sängerin klar in jedem Ausdruck, die Klavierbegleitung je nach Stimmungslage der Stücke zart bis aufwühlend. Die Kontrapunkte dazwischen setzte Katrin Kirchner mit ihren zeitgemäßen, kraftvollen Gedichten. Mit klarer Stimme und großer Empathie vorgetragen, versetzte sie das Publikum in eine Gefühlswelt, in der Äußerlichkeiten nicht mehr wichtig sind, sondern nur innere Bindungen an geliebte Menschen einen Wert haben. In den Gedichten und Prosatexten spannte sich, ebenso wie bei Chamisso und Schumannn, ein Bogen von erster Verliebtheit bis zum endgültigen Verlust. Das letzte Musikstück – „Volksliedchen“ von Friedrich Rückert und Robert Schumann – gab jedoch einen fröhlichen Ausblick auf schöne Frühlingstage, die trotz aller Widrigkeiten immer wieder hoffen lassen. Nach dem letzten Ton des Pianos herrschte in der Bücherei für einige Momente Stille, ehe die drei Künstlerinnen den begeisterten Applaus des Publikums entgegennahmen. In jedem Menschen steckt, manchmal verborgen, doch ein Romantiker.