Rhein-Pfalz Kreis „Die Leute wollen oft einfach nur mal reden“
«Bobenheim-Roxheim.» „Wir sind keine Richter, nur Vermittler“, stellt Angelika Wolfmüller, seit rund drei Monaten Schiedsfrau in Bobenheim-Roxheim, klar. Sie hat Gertraud Zwilling abgelöst, die nach fünfjähriger Amtszeit mehr Zeit für die Familie haben will.
„Wenn sich zwei streiten, wenden sie sich an die örtliche Schiedsperson. Bei bestimmten Sachverhalten müssen sie das sogar“, erklärt Angelika Wolfmüller. Denn laut Landesschlichtungsgesetz sollen die Gerichte von Bagatellen entlastet werden, etwa in Fällen von Beleidigung, Sachbeschädigung oder in Angelegenheiten des Nachbarschaftsrechts. Ein Schiedsverfahren kostet zwischen zehn und 40 Euro. Damit, so Wolfmüller, seien die Auslagen, etwa für das Porto, abgedeckt. Eine Schiedsperson mit dem Status Ehrenbeamter gibt es in jeder Verbandsgemeinde, verbandsfreien Gemeinde und Stadt. „Für das Amt wird man vorgeschlagen“, sagt die sozial und politisch engagierte Bobenheim-Roxheimerin. Sie ist unter anderem Mitglied in mehreren Vereinen, stellvertretende Vorsitzende des CDU-Ortsverbands und in mehreren Ausschüssen der Gemeinde tätig. Die Idee, Schiedsfrau zu werden, wurde in einer CDU-Vorstandssitzung an sie herangetragen. Ihre Aufgabe sei es, die streitenden Parteien anzusprechen und ein Treffen zu vereinbaren, berichtet Wolfmüller. Sollte eine Streitpartei wiederholt nicht kommen, werde ein Bußgeld fällig. „Wenn man erst einmal ins Gespräch kommt, funktioniert es ganz gut“, sagt die 55-Jährige, die als Mittlerin und Moderatorin bereits in drei Nachbarschaftsstreitigkeiten einen Kompromiss erzielen konnte. Für dieses Jahr zählt sie im Aktenordner bislang acht Vorgänge. Ihre Vorgängerin habe allerdings auch viele Fälle „zwischen Tür und Angel gelöst“, in dem sie die zerstrittenen Parteien aufgesucht habe. Das sei „natürlich toll“, wenn ein Zwist schon frühzeitig beendet und gar nicht erst zum „Fall“ werde. Zeit haben, zuhören können, das sei ganz wichtig, sagt die gelernte Masseurin und Krankenschwester mit Diplom in Wirtschaftsenglisch. Oft seien Missverständnisse die Ursache eines Streits. Beide Parteien fühlten sich nicht verstanden, reagierten verschlossen und öffneten sich eher gegenüber einem unbeteiligten Dritten. Das Herz ausschütten zu können bewirke schon viel, weiß die Schiedsfrau. Dann sei es womöglich gar nicht mehr weit bis zu einem Kompromiss. „Wenn das misslingt, kann ich eine Erfolglosigkeitsbescheinigung ausstellen“, sagt Wolfmüller. „Das bedeutet: Die Streitenden dürfen nun das Gericht einschalten, also zum Anwalt gehen und klagen.“ Doch oft wollen die Leute einfach nur reden, bestätigt Vorgängerin Gertraud Zwilling (57). Deshalb lohne sich der Zeitaufwand. Allerdings habe sie auch erfahren, dass mitunter aus einer Mücke ein Elefant gemacht wurde und „die Parteien mit Gewalt und aus reinem Machtgehabe Zwist wollten; dafür fehlt einem dann das Verständnis“. Solche Sturheit und Rechthaberei, die sie durchaus als Zeiterscheinung und allgemeinen Trend sieht, seien ihr nahe gegangen. Ein Problem, das Angelika Wolfmüller glaubt, im Griff zu haben: „Ich kann einen Schritt zurückgehen, Abstand halten.“ Allein gelassen werde man mit diesem Ehrenamt nicht. Jederzeit könne sie Kollegen oder Leute im Amtsgericht kontaktieren, einmal jährlich träfen sich alle Schiedsleute eines Amtsgerichtsbezirks und ziehen Bilanz. Außerdem gibt es, um für die Arbeit gewappnet zu sein, Kurse an der Richterakademie in Trier. „Man lernt dabei viel“, sagt die Mutter zweier Kinder – und genau das mache ihr Freude.