Rhein-Pfalz Kreis Der Winkel des Welkens
«Maxdorf.» Gleich zwei erste Preise haben Maxdorfer Schüler beim Regionalwettbewerb Jugend forscht abgeräumt. Felix Beyer und Tim Wiedemann haben erforscht, wie Rosen langsamer welken. Ihre Schulkameradin Svenja Preßler hat ein antibakterielles Mundwasser hergestellt. Das Gymnasium hat diesmal mit so vielen Gruppen wie nie zuvor teilgenommen.
„Der Überlebenskampf der Schnittblumen“. Das klingt ganz schön dramatisch. Felix Beyer aus Mutterstadt und Tim Wiedemann aus Weisenheim, beide Schüler am Lise-Meitner-Gymnasium in Maxdorf, haben sich das vergangene halbe Jahr in der Jugend-forscht-AG mit diesem Thema befasst. Dramatisch klingen soll es auch, finden die beiden Zwölfjährigen. Denn schon der Titel soll schließlich neugierig machen auf die Arbeit, mit der sie am Jugend-forscht-Regionalwettbewerb in Frankenthal teilgenommen haben. Mit Erfolg: Die Jury hat nicht nur der Titel, sondern die Arbeit überzeugt. Sie hat den Schülern den ersten Preis in der Kategorie „Schüler Experimentieren – Biologie“ zugesprochen. Auch die zwölfjährige Svenja Preßler hat eine solide Forschungsarbeit zum Wettbewerb eingereicht und mit ihrem Do-it-yourself-Mundwasser den ersten Preis in der Sparte Chemie gewonnen. Die drei Schüler werden nun am 26. und 27. April ihre Arbeiten beim Landeswettbewerb bei Böhringer in Ingelheim vorstellen und gegen Regionalwettbewerbssieger aus ganz Rheinland-Pfalz antreten. Aber nun zu den Forschungen. Wie misst man eigentlich das Verwelken einer Blume? Felix Beyers und Tim Wiedemanns Idee: Sie bestimmen mit dem Geodreieck den Winkel, in dem Schnittblumen ihre Köpfe hängen lassen, wenn sie schon eine Weile in der Vase stehen. Rosen sind da besondere Sensibelchen – das zeigte ein Vorversuch mit Sonnenblume, Rose und Mini-Gerbera. Während die Sonnenblume auch noch nach drei Wochen halbwegs aufrecht stand, ließ die Rose ihren Kopf komplett hängen und war daher das Forschungsobjekt für die nächsten Versuche. Was macht Rosen länger haltbar? Das fragten sich die beiden Siebtklässler, die vom Lehrer Philip Jung betreut wurden. Ein Tütchen Chrysal, das es beim Floristen immer zum Strauß dazu gibt, eine Mischung aus Zitronensäure, Essig und Zucker , von der die Jungs im Internet gelesen haben, oder Kupfermünzen, auch ein Tipp aus dem Netz? Überraschendes Ergebnis: Am besten halten Rosen, wenn man vier Ein-Cent-Stücke in die Vase legt. Am wenigsten gut hilft die Mischung aus Zitronensäure, Essig und Zucker. Und noch besser funktioniert es mit Chrysal und Kupfermünzen zusammen. Für die Teilnahme am Landeswettbewerb forschen die beiden aktuell noch weiter. Mit verschiedenen Mengen an Kupferpulver wollen sie die optimale Kupfermenge, die Schnittblumen haltbar macht, herausfinden. Auch Svenja Preßler hat ein Thema mit praktischem Nutzen. Sie findet gekauftes Mundwasser nicht so toll, weil es oft Alkohol enthält, daher nicht gut für Kinder ist und ihr darüber hinaus nicht schmeckt. „Ich habe die Liste mit den Inhaltsstoffen durchgesehen und mir überlegt, womit ich sie ersetzen kann“, erzählt sie. Letztlich hat sie eine Lösung mit Wasser, Aloe-Vera-Saft sowie zerriebenen Salbei- und Minzeblättern und Zitronensaft kreiert. „Sie schmeckt leicht säuerlich. Ich habe es auch die Juroren testen lassen. Sie fanden es gut“, erzählt Svenja Preßler. Und wirksam gegen Bakterien ist die Mischung auch. Das hat die Zwölfjährige an Bakterienkulturen selbst getestet. Das war sicher einer der Gründe, warum die Juroren ihre Arbeit so gut fanden, denn die Arbeit mit Bakterienkulturen ist nicht so einfach, mutmaßt die Zwölfjährige, die von Lehrerin Anja Gerlach unterstützt wurde. Das Lise-Meitner Gymnasium hat einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt. Zurzeit werde Jugend forscht noch zweimal pro Woche in Neigungsgruppen angeboten, erklärt Oliver Hauck, zweiter stellvertretender Schulleiter, der zusammen mit vier Kollegen die Nachwuchsforscher betreut. Es sei aber geplant, für die fünften und sechsten Klassen eine Experimentier-AG anzubieten als Basis-Training für künftige Forscher. Was man dort alles erreichen kann, haben Svenja Preßler, Felix Beyer und Tim Wiedemann vorgemacht. Und sie möchten im nächsten Jahr auf alle Fälle wieder ein Projekt bearbeiten.