Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Der letzte Wunsch: Wie der Traum einer Krebspatientin verwirklicht wurde

Diana Ludick hat Brustkrebs. Mit dem Wünschwagen ging aber noch ihr lang ersehnter Traum in Erfüllung, die Bavaria Studios in Mü
Diana Ludick hat Brustkrebs. Mit dem Wünschwagen ging aber noch ihr lang ersehnter Traum in Erfüllung, die Bavaria Studios in München zu sehen.

Der Wünschewagen bereitet schwer kranken Menschen noch einmal eine lang ersehnte Freude. Diana Ludick durfte vor wenigen Tagen in die Bavaria Studios nach München.

Diana Ludick wirkt auf den ersten Blick überhaupt nicht wie eine schwer kranke Frau. Sie ist taff, lebensfroh und spricht gerne mit den Menschen – auch über ihr hartes Schicksal. Die 63-Jährige hat Brustkrebs. „Der hat gestreut, und ich habe überall Metastasen. Es ist auch zu spät zu operieren“, sagt sie. Doch trotz ihrer unheilbaren Krankheit will Ludick nicht Trübsal blasen. „Ich will die Zeit, die mir noch bleibt, ausnutzen“, betont die gebürtige Wormserin, die mit ihrem Partner seit einigen Jahren in Ludwigshafen-Maudach wohnt.

Vor allem ein besonderer Ausflug vor wenigen Wochen, „war mit das Tollste, was ich jemals erleben durfte“, sagt Ludick. Mit dem sogenannten Wünschewagen ging es von Ludwigshafen aus nach München in die Bavaria Studios. „Denn ich bin ein riesiger Fan von ’Sturm der Liebe’. Es ist unfassbar, dass ich dort sein durfte, wo die Serie jeden Tag gedreht wird“, erzählt sie. Die ARD-Reihe ist seit vielen Jahren deutschlandweit beliebt.

Unterwegs mit dem Wünschewagen

Doch Diana Ludick dürfte mit Sicherheit zu den größten Liebhabern der Nachmittagssendung gehören. Die Wand in ihrem Wohnzimmer ist voll von Bildern vom Besuch in München, bei dem sie auch ihre beiden großen Schauspielidole treffen durfte: Erik und Vincent alias Sven Waasner und Martin Walde. „Die beiden standen auf einmal direkt am Eingang des Studios, haben mir dann ein Autogramm gegeben und wir haben kurz geredet. Ich konnte es gar nicht richtig glauben“, erklärt Ludick. „Es ist immer noch so unfassbar schön, dass mir das ermöglicht wurde.“

Diana Ludick hat in München ihre beiden Idole aus der TV-Serie „Sturm der Liebe“ getroffen: die Schauspieler Sven Waasner (links
Diana Ludick hat in München ihre beiden Idole aus der TV-Serie »Sturm der Liebe« getroffen: die Schauspieler Sven Waasner (links) und Martin Walde.

Der Wünschewagen ist ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Deutschland. In einem speziell dafür konstruierten Krankentransportwagen werden todkranken Menschen letzte, meist langgehegte Wünsche erfüllt. Vom Besuch im Fußballstadion bis zur Reise ans Meer: Der Wünschewagen versucht – wenn möglich –, die Träume der Patienten umzusetzen. Die Fahrten sind für sie dabei kostenfrei. Finanziert wird das Projekt laut ASB von Spenden und dem Engagement ehrenamtlicher Helfer. „Es ist wirklich eine ganz super Sache, dass es so etwas gibt“, betont Diana Ludick.

Ein Wochenende in München

Doch Ludick und ihr Partner, der als Begleitperson mit nach München durfte, haben nicht nur die Schauspieler und das Studio von Sturm der Liebe gesehen. „Dort werden ja auch noch andere Filme und Serien gedreht“, berichtet die 63-Jährige. „Die Krimi-Reihe ’Rosenheim-Cops’ zum Beispiel oder der legendäre Film ’Das Boot’.“ Es sei für sie wahnsinnig spannend gewesen, einmal nachzuvollziehen, wie solche Produktionen entstehen. Darüber hinaus habe sie es genossen, die bayerische Landeshauptstadt kennenzulernen. „Es war einfach ein rundum schönes Wochenende für mich“, betont Ludick, die viele Jahre im Einzelhandel beschäftigt war.

Diana Ludick und ihr Partner haben in München auch einen Rundgang durch die Filmstudios bekommen. Dort wurde unter anderem „Die
Diana Ludick und ihr Partner haben in München auch einen Rundgang durch die Filmstudios bekommen. Dort wurde unter anderem »Die Unendliche Geschichte« gedreht.

Dass der Wünschewagen die kranke Ludwigshafenerin vor zwei Wochen nach München befördert hat, ist vor allem der Palliatina aus Maxdorf zu verdanken. Die Palliatina ist ein Team aus Fachkräften mit der Weiterbildung Palliativ care, das sich auf ambulante Palliativversorgung im Rhein-Pfalz-Kreis und in Ludwigshafen spezialisiert hat. „Unsere Aufgabe im Team ist es, unter anderem die Schmerzen der sterbenskranken Menschen zu lindern und zu versuchen, ihre Symptome zu kontrollieren“, sagt die Palliativmedizinerin Dr. Gisela von Falkenhayn, die auch Diana Ludick betreut. „Wir wollen, dass die Menschen ihre verbleibenden Tage mit so viel Lebensqualität wie möglich verbringen können“, betont von Falkenhayn, die neben ihrer Arbeit im Palliatina in Maxdorf auch im Schmerzzentrum Dr. Emrich in Ludwigshafen tätig ist.

Schmerzen lindern

Mit richtig eingestellten Medikamenten könne man die verbleibende Zeit so erträglich machen, dass die Patienten diese auch nutzen können, betont die Expertin. „Ich hatte zu Beginn meiner Krebsdiagnose im vergangenen September extrem starke Schmerzen. Die habe ich mittlerweile nicht mehr, weil ich von den Palliativmedizinern mit Medikamenten richtig gut eingestellt worden bin“, sagt Diana Ludick.

Dr. Gisela von Falkenhayn verabschiedet Diana Ludick (rechts) vor ihrer Abreise nach München.
Dr. Gisela von Falkenhayn verabschiedet Diana Ludick (rechts) vor ihrer Abreise nach München.

Neben der medizinischen Betreuung berät das Team der Palliatina die Patientinnen und Patienten auch psychosozial. „Wir bereiten die sterbenskranken Menschen darauf vor, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen“, erklärt Palliativmedizinerin von Falkenhayn. „Und wir sind 24 Stunden am Tag für unsere Patienten erreichbar.“ Das gewährleiste in den meisten Fällen, dass todkranke Menschen nicht stationär behandelt werden müssen, sondern würdevoll zu Hause bleiben könnten. „Das ist gut für die Patienten und entlastet unser Gesundheitssystem“, erklärt von Falkenhayn. „Wir wollen den letzten Tagen mehr Leben geben. Das ist unsere Aufgabe.“

Anderen Mut machen

Bei der an Brustkrebs erkrankten Diana Ludick hat dieses Vorhaben mit dem Besuch in den Bavaria Studios auf jeden Fall geklappt. Die 63-Jährige habe der Palliativmedizinerin bei einer Visite vor einigen Wochen erzählt, dass sie sehr gerne die Serie ’Sturm der Liebe’ im Fernsehen schaue. „Und dann habe ich das mit dem Wünschewagen nach München für sie organisiert“, erzählt von Falkenhayn.

Das Team der Palliatina und des ASB hat organisiert, dass Krebspatientin Ludick (Mitte) die Bavaria Studios in München besichtig
Das Team der Palliatina und des ASB hat organisiert, dass Krebspatientin Ludick (Mitte) die Bavaria Studios in München besichtigen darf.

„Was diese Menschen in der Palliativmedizin leisten, das ist mit Geld gar nicht bezahlbar“, betont Ludick. Sie sei sehr dankbar für die Unterstützung in den vergangenen Monaten seit der Diagnose. Und sie will andere Menschen auch aufrütteln, das eigene Leben mehr zu genießen. „Ich finde es schade, dass man sich so oft über Kleinigkeiten aufregt. Es gibt so viele andere Menschen auf der Welt, denen es viel schlimmer geht“, erklärt Ludick. Sie will die Zeit, die ihr noch bleibt, auf jeden Fall ausnutzen und genießen. Und sie sei dankbar, dass ein lang ersehnter Wunsch für sie noch in Erfüllung gegangen ist.

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