Rhein-Pfalz Kreis Der etwas andere Garten
«Otterstadt.»Wer englischen Rasen und gepflegte Blumenrabatten sucht, braucht nicht zu kommen, wenn Thomas Horn am Sonntag seinen Garten in der Friedhofsstraße 4 in Otterstadt öffnet. Sein Hof und Garten sind vielmehr ein Paradies für Schatzsucher und Kunstliebhaber. Und ja, Pflanzen gibt es da auch. Sie bilden eine Natur-Kulisse für all die Ausstellungsstücke.
Zu entdecken gibt es wirklich eine Menge: original Stein- Kanonenkugeln aus der Schlacht bei der Rehhütte, Dachziegeln von einer römischen Villa bei Waldsee, ein großer Rheinschiff-Anker, der im Zweiten Weltkrieg von einer Granate eine Schramme bekommen hat. Thomas Horn trägt all diese Belegstücke der Geschichte zusammen. „Ganz legal, das ist alles beim Amt für Denkmalschutz gemeldet“, betont er. Er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter dort. Historische Funde gibt er zunächst einmal ab. Manches darf er dann behalten. Sein geschichtliches Interesse hat schon sein Grundschullehrer geweckt. Der habe Geschichte zum Anfassen vermittelt und mit seinen Schülern zum Beispiel Steinzeitbohrer gebaut. Schon als Jugendlicher hat Horn im Aushub der Baggerseen den ersten Mammut-Zahn gefunden. In den Folgejahren hat er so machen Kubikmeter durchgesiebt und immer wieder interessante Dinge gefunden: allerhand Knochen, aber auch Steinbeile. Seine Arbeit im Kieswerk war da sicher hilfreich. 1987 hat er sich das erste Metallsuchgerät angeschafft und prompt am ersten Tag einen Ring vom Westwall in Mutters Blumenrabatte gefunden. „Keiner weiß, wie der da hinkam“, sagt er. So einfach läuft es natürlich nicht immer. Aber man bekomme einen Blick dafür. Und Glück müsse auch dabei sein. So kam er an einen Stein aus der Speyerer Hafenmauer aus dem 13. Jahrhundert. In Otterstadt hat er inzwischen einen fränkischen und einen römischen Friedhof entdeckt. Und eine Erklärung zur Entstehung des Namens Otterstadts. Darüber kann er den Besuchern seines Gartens auch viel erzählen. Außerdem stehen in Horns Garten eine Reihe Kunstwerke aus Metall, die er selbst gemacht hat: ungewöhnliche Kerzenständer, Barhocker, Kunstwerke aus altem Werkzeug, Skulpturen aus Granatensplittern, Steinmännchen, gegossene Ammoniten – und alle haben einen Namen. Wenn man genauer hinsieht, wundert man sich über die Bestandteile der Skulpturen, wie die alte Kuhtränke im Blumenständer. Vor lauter Staunen über die vielen Dinge in Thomas Horns Garten, sieht man die Pflanzen erst auf den zweiten Blick. Den Weinstock, der erst vier Jahre alt ist und schon den ganzen Hof überspannt, oder die vielen Kübelpflanzen. Zwischen den Fundstücken stehen in dem rund 200 Quadratmeter großen Garten kleine Obstbäume. Da der Platz begrenzt ist, es aber so viel Interessantes zu sammeln gibt, veranstaltet Horn am Sonntag auch einen kleinen Flohmarkt, um Platz zu schaffen. Wer den Hof betritt, wirft am besten mal einen Blick auf das Schild an der Eingangstür. Schon da wird klar: Dieser Garten ist anders.