Rhein-Pfalz Kreis Der Baumeister des modernen Mutterstadt

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«Mutterstadt.»Der ehemalige Mutterstadter Bürgermeister Hermann Belzner (SPD) wäre heute 100 Jahre alt geworden. Belzner steht in seiner Amtszeit von 1960 bis 1973 für eine Art zukunftsweisende Aufbruchstimmung in der Gemeinde.

Hermann Belzners 1965 zu Papier gebrachte Zukunftsgedanken „Mutterstadt – eine moderne, großstadtnahe Wohngemeinde mit eigener Gewerbekraft und starker Landwirtschaft“ haben die Entwicklung des Orts bis in die heutige Zeit nachhaltig geprägt. Beispiele dafür sind der Bau der Walderholungsstätte und des Emmerich-Hauses, der Kanalanschluss an die Stadt Ludwigshafen und an die BASF-Kläranlage, die Flurzusammenlegung mit der Aussiedlung der Landwirte und dem danach folgenden Abriss der freigewordenen Bauernhöfe in der Ortsmitte als Beginn der Ortskernsanierung, die Anlage des Neuen Friedhofs, der Bau des Hallenbads und der Haupt- und Realschule (heute IGS) im Blockfeld. 1919 in Bad Mergentheim geboren, wurde der Jurist und Regierungsrat 1960 vom Gemeinderat zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt und 1969 ohne Ausschreibung für eine zweite Amtszeit bestätigt. Belzner gab jedoch Mitte 1973 sein Amt vorzeitig auf, um als Geschäftsführer zum rheinland-pfälzischen Städtetag zu wechseln. Auf Belzners Initiative hin gab die Druckerei Hartmann die Mutterstadter Wochenzeitung „Das Echo“ mit den amtlichen Bekanntmachungen heraus, die Vorständekonferenz der Mutterstadter Vereine wurde gegründet und das Volksbildungswerk wieder aktiviert. Die Förderung des Sports, insbesondere der Gewichtheber, war ihm wichtig und so gab es damals schon Sponsoring durch die Gemeinde: Mitte bis Ende der 1960er-Jahre beschäftigte sie mehrere Gewichtheber und ein Förderkreis für junge Schwerathleten wurde gegründet. 50 Jahre vor der offiziellen Partnerschaftsbeziehung zwischen Naturns und Mutterstadt reiste er mit Ratsmitgliedern, Verwaltungsmitarbeitern und Mutterstadter Vereinen mehrmals zur Unterstützung Südtirols nach Naturns und ins Schnalstal. Belzner war aber nicht nur ein umtriebiger Gemeindepolitiker. Als SPD-Abgeordneter gehörte er von 1965 bis 1975 dem rheinland-pfälzischen Landtag an, war Mitglied des Kreistages Ludwigshafen und einige Jahre auch Erster Kreisdeputierter. In seiner Bürgermeisterzeit war er darüber hinaus Verbandsvorsitzender des Wasserzweckverbandes Pfälzische Mittelrheingruppe, zeitweise Vorsitzender der Wasser- und Bodenverbände in Rheinland-Pfalz und führte als Bezirksvorsitzender die pfälzische Arbeiterwohlfahrt (AWO). Belzner hat die Ortsentwicklung geprägt und gilt als Baumeister des modernen Mutterstadt: Mit dem in seiner Amtszeit aufgestellten Flächennutzungsplan wurden richtungsweisende Vorgaben für die künftige Gemeindestruktur festgelegt; so die Ausweisung von Neubaugebieten und die Erschließung des Gewerbegebiets An der Fohlenweide – verbunden mit der Ansiedlung des Esbella-Markts (heute Real) und des Umspannwerks der Pfalzwerke. Der Hundebesitzer und begeisterte Skatspieler blieb auch nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst seinem „lieben Mutterstadt“ bei vielen Besuchen und der Teilnahme an Veranstaltungen freundschaftlich verbunden. Belzner starb 1991 in Frankenthal, wo er nach seiner Pensionierung mit seiner Familie lebte. Auf Antrag der TSG und des Historischen Vereins beschloss der Gemeinderat 2012, das Gelände vor der Sporthalle und dem Palatinum „Hermann-Belzner-Platz“ zu benennen.

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