Rhein-Pfalz Kreis Deichwachen gesucht
Ein umfangreiches Paket mit Präventivmaßnahmen hat die Gemeinde Bobenheim-Roxheim geschnürt, um sich gegen ein Extremhochwasser des Rheins zu wappnen. Bei einer Bürgerversammlung wurde am Donnerstagabend in der Jahnhalle eine Broschüre präsentiert, die über das richtige Verhalten im Ernstfall informiert. Bürger äußerten sich besorgt wegen drohender Verkehrsprobleme, wenn der Ort im Ernstfall evakuiert werden müsste.
Mit dieser vierten Einwohneversammlung ging das rheinland-pfälzische Modellprojekt zum Hochwasserschutz zu Ende. Fast vier Jahre lang wurde unter der Begleitung des Mainzer Umweltministeriums und der Technischen Universität Kaiserslautern an einem Konzept gearbeitet. Laut Ralf Schernikau, beim Umweltministerium Referatsleiter für Hochwasserschutz, seien die Rheindeiche optimal ausgebaut. Zudem könne ein drohendes Hochwasser zuverlässig vorhergesagt werden, beruhigte er. Gleichzeitig zeichnete er vor den rund 100 Zuschauern ein denkbares Katastrophenszenario: Bei einem Extremhochwasser (Pegelstand über 10,17 Meter) würden die Rheindeiche überflutet, wodurch der gesamte Ort überschwemmt würde. Die Polder auf der rechten und linken Rheinseite könnten Schernikau zufolge das Hochwasser allenfalls um 20 bis 40 Zentimeter absenken. Bobenheim-Roxheim sei die erste Gemeinde am Oberrhein mit einem detaillierten Hochwasserschutzkonzept. Was die Verwaltung zum Projekt beigesteuert hat, listete Frank Unvericht, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, auf. Sowohl mit Merkblättern als auch im Internet werde über den Hochwasserschutz informiert. Anregungen aus der Bürgerschaft seien berücksichtigt worden. Die Alarmpläne habe man aktualisiert und mit anderen Kommunen abgestimmt. Unvericht wies darauf hin, dass im Bedarfsfall Deichwachen aus den örtlichen Vereinen rekrutiert werden müssten. Erreiche der Pegel Mannheim die Marke von 7,80 Metern, beginne die Rufbereitschaft für die Deichwachen. Zufahrtsstraßen zum Rhein würden gesperrt. 8,50 Meter lösten dann Warndurchsagen an die Bevölkerung und die Verteidigung der Deiche aus. Steige der Pegel auf 9,35 Meter, müsse die Evakuierung des Orts vorbereitet werden. „Innerhalb von drei Stunden können wir die B 9 in Höhe der Heiligensandbrücke schließen“, sagte Unvericht. Das schnell und flexibel zu handhabende Hochwasserschutzsystem Aquariwa sei angeschafft worden. Für etwa zehn Prozent der Bevölkerung (rund 1000 Personen) stünden bei einer Evakuierung Transportmittel zur Verfügung. Die übrigen Einwohner müssten sich mit dem eigenen Pkw in Sicherheit bringen. Wehrleiter Kai Neiheiser erläuterte, wie sich die Feuerwehr für ein Extremhochwasser rüstet. Die Alarmgrenze liege bei einem Pegelstand von 6,50 Metern. Steige der Pegel Worms auf 4,80 Meter, werde der Eckbachzufluss geschlossen. Für den Hochwasserschutz würden rund 9000 Sandsäcke und 30 Aquariwa-Elemente vorgehalten. Um Unterstützung bei den Deichwachen durch Ehrenamtliche warb Feuerwehrmann Jens Glaser. Für die „Deichgänger“, die immer zu zweit unterwegs seien, würden Lehrveranstaltungen angeboten. Die Vereine seien als Multiplikatoren gefragt, ergänzte Bürgermeister Michael Müller (SPD). In der Fragerunde ging es vor allem um den Ablauf einer möglichen Evakuierung, die nach Einschätzung einiger Bürger zu großen Verkehrsproblemen führen könnte. Bezweifelt wurde, ob eine Vorwarnzeit von 24 Stunden ausreiche, um notwendige Sicherungsmaßnahmen in den Häusern zu treffen.