Rhein-Pfalz Kreis „Das ist für uns eine große Ehre“

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BÖHL-IGGELHEIM. „Gott googelt dich!“ Diese recht überraschende Aussage steht als Titel über dem neuen Programm der Iggelheimer Kabarettgruppe Wollläuse aus der Feder von Ruth Prohl (60). Die zwölfköpfige Truppe, die sich als Gemeindegruppe versteht und seit 24 Jahren Kabarett macht, wird beim Deutschen Evangelischen Kirchentag (24. bis 28. Mai) in Berlin auftreten. Premiere und sozusagen Generalprobe feiert das neue Stück am Samstag, 13. Mai, 19 Uhr, im Evangelischen Gemeindezentrum Iggelheim. Wir sprachen mit Ruth Prohl über Luther und Lampenfieber.

Frau Prohl, das neue Programm der Wollläuse heißt „Gott googelt dich!“. Braucht Gott etwa eine Suchmaschine?

Na ja, mit all dem Weltraumschrott sieht er uns vielleicht nicht mehr richtig (lacht). Nein, der Titel ist angelehnt an das Motto des Evangelischen Kirchentages, „Du siehst mich“ (1. Mose 16,13). Auf der anderen Seite haben wir ja auch das Lutherjahr, also 500 Jahre Reformation. Unser Stück dreht sich darum, dass Martin Luther aus Anlass des Jubiläums 500 Jahre Reformation noch einmal auf die Erde darf, um zu schauen, was aus seiner Lehre „Gerechtigkeit allein aus Gnade“ geworden ist. Ob die Menschen wie früher wieder Gutes tun, weil sie Angst vor der Hölle haben. Er erkennt natürlich sehr schnell, dass das nicht so ist. Und Google ...? Luther hat vor 500 Jahren die damals neuen und modernen Medien sehr sicher und souverän genutzt. Der Buchdruck war ja gerade erfunden. Luther hat auch Flugblätter und kleine Traktate unter die Menschen gebracht. Wenn er heute leben würde, würde er bestimmt auch die neuen Medien und das Internet gebrauchen. Das Kirchentagsmotto zieht sich auch als roter Faden durch unser Programm, es dreht sich viel ums „Sehen“. Der Untertitel heißt „77 Thesen zur Verbesserung der göttlichen Weitsicht“. Bei Luther waren es 95 Thesen ... Genau. Luther trifft auf die Putzfrau Frau Meier, die ich selbst spiele, und die erkennt ihn nicht, hält ihn für einen Asylanten, will alle ihre Vorurteile los werden und weiß sowieso alles besser. Und sie glaubt eben, dass es damals 77 Thesen waren. Wegen der göttlichen Weitsicht: Unsere Luther-Figur entwickelt da Ideen, wie der Kontakt zwischen Gott und den Menschen besser werden kann. Aber ich will nicht zu viel vom Stück verraten. Das können die Iggelheimer am kommenden Samstag ja noch vor den Besuchern des Kirchentags sehen. Die Wollläuse sind ja nun seit 24 Jahren jedes Jahr beim Deutschen Evangelischen Kirchentag Teil des Programms. Ein schöner Erfolg. Ja, wir sind bisher immer genommen worden. Wobei ich diesmal gedacht habe, dass es nicht klappt. Denn zum ersten Mal musste man sich direkt bei einem Organisationsteam in Berlin bewerben, nicht über die Landeskirche wie bisher. Wir mussten auch eine Demo-CD einsenden. Ich dachte, wir als Laiengruppe haben da bestimmt keine Chance, und jünger sind wir ja auch nicht geworden (lacht). Man schätzt sich selbst ja meistens schlechter ein ... Aber dann kam auf einmal das Schreiben, dass wir wieder dabei sind und diesmal sogar zweimal auftreten, und das auch noch im Zentrum Berlins und in den Messehallen. Da musste ich mich erst mal hinsetzen. Das ist eine große Ehre. Ich hoffe, wir können die Erwartungen erfüllen. Wie entstehen Ihre Stücke? Sie schreiben die Texte ... ... ja, aber es entsteht alles im Team. Jeder von uns zwölf übernimmt bestimmte Aufgaben, Klaus Weinland ist zum Beispiel für die Musik zuständig, Christa und Helmut Wendler kümmern sich um Bühnenbild und Requisiten, Axel Becker gestaltet die CDs und Plakate. Udo Jesberger ist Organisator, er hat fürs aktuelle Programm ein Lied geschrieben und singt, und ich schreibe Texte, immer ein Extraprogramm für den Kirchentag. Wenn das jeweilige Kirchentagsmotto bekannt ist, machen wir als erstes ein Wochenende, bei dem wir uns mit der entsprechenden Bibelstelle auseinandersetzen. Das ist unter der Leitung von Udo Jesberger, er ist ja Pfarrer. Später setzen wir uns hier bei mir auf dem Sofa zusammen und entwickeln Ideen und Themen. Ich schreibe dann die Texte und versuche, eine Mischung aus Comedy-Elementen, Running Gags, Wortwitz und „richtigem“ Kabarett zu finden. Es soll ja für ein gemischtes Publikum interessant und verständlich sein. Dann gibt es noch Proben-Wochenenden und jetzt vor der Premiere arbeiten wir mindestens einmal wöchentlich an dem Stück ... Das klingt sehr arbeitsintensiv. Das ist es auch. Wenn die Texte stehen, wird geprobt, und das dann schon sehr häufig. Das Stück dauert ja 90 Minuten, mit Pause sind es zwei Stunden. Es macht uns aber unheimlich viel Spaß. Wir sind eine gute eingespielte Truppe und unterstützen uns gegenseitig. Nach 24 Jahren haben Sie ja alle schon viel Erfahrung und Routine. Sind Sie noch aufgeregt? Ich bin immer aufgeregt und frage mich, ob das alles ankommt, was wir erarbeitet haben. Auch wenn es bisher stets so war. Aber trotz Lampenfiebers freue ich mich schon sehr aufs Spielen. Termin Premiere „Gott googelt dich!“, am Samstag, 13. Mai, 19 Uhr, Evangelisches Gemeindezentrum Iggelheim, Langgasse 12a. Karten im Vorverkauf im Pfarramt Iggelheim, Haßlocher Straße 24, Montag, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr, außerdem bei Familie Becker, Oberkreuzstraße 30, Iggelheim, und an der Abendkasse (Erwachsene zehn Euro, Schüler bis 16 Jahre fünf Euro). Auftritt beim Kirchentag in Berlin am Donnerstag, 25. Mai, 11 Uhr, Messehalle 22b, sowie am Samstag, 27. Mai, 20 Uhr, Kirche am Hohenzollernplatz.

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