Rhein-Pfalz Kreis Dannstadt: Er ist dann mal weg
Hape Kerkeling hat das Pilgern auf dem Jakobsweg populär gemacht. Peter Walter aus Dannstadt war 14 Tage vor dem Fernsehstar auf derselben Route unterwegs. Gestartet ist er auf den heutigen Tag genau vor 17 Jahren: am 6. April 2001 und seither hat Walter zwischen 6000 und 7000 Kilometer zu Fuß auf uralten Pilgerrouten zurückgelegt. Warum Kerkeling ihn damals überholt hat? Walter hat da so eine Ahnung ...
Ein Pilger, der nicht vom Fleck kommt, hat Peter Walter inspiriert: Gemeint ist die Bronzefigur in der Speyerer Maximilianstraße. Mit Pilgerstab und Jakobsmuschel am Hut ist der fromme Wanderer dargestellt. „Der hat mich schon lange fasziniert“, erzählt der 76-Jährige. Als dann neben der Pilgerfigur ein Buchladen ein Buch über den Jakobsweg in der Auslage hatte, griff Walter zu. „Gewandert bin ich eigentlich schon immer“, sagt Walter. Auch Berge habe er etliche erklommen. Einmal, so er erzählt er, wanderte er allein auf die Zugspitze – und was fand er oben: ein Kiosk mit einer langen Warteschlange. Der Trubel gefiel ihm nicht. Pilgern, so hoffte er, sei etwas anderes.
Noch nicht so populär
Am 6. April 2001 begann Walter seinen Jakobsweg im südpfälzischen Nothweiler. Der Jakobsweg ist ein im elften Jahrhundert entstandenes Netz von Wegen in Europa, die alle ins spanische Santiago de Compostela führen, wo angeblich Jakobus, einer der zwölf Apostel, begraben liegt. Pilgern war, als Walter losstapfte, noch nicht so populär wie heute und die Wegbeschreibungen relativ grob, erinnert er sich. Zudem habe er zu viel Gepäck mit sich herumgeschleppt. „Zwei Garnituren Wäsche, etwas zu trinken, einen Schlafsack, viel mehr braucht man nicht“, weiß er heute. Verpflegung und Unterkunft bekomme man preiswert in Pilgerherbergen, viele davon in Klöstern oder anderen kirchlichen Einrichtungen. In alten Zeiten pilgerten gläubige Katholiken zu Wallfahrtsorten. Ziele waren die Gräber berühmter Heiliger, oder berühmte Reliquien – ein paar Knochen, ein Stück Gewand oder andere Gegenstände, die angeblich dem Heiligen gehört haben. Die Pilger erhofften sich einen Handel mit Gott: Für die beschwerliche und gefährliche Reise sollten, entsprechende Reue vorausgesetzt, Sünden vergeben und Jahre des Fegefeuers erlassen werden. Das versprach die katholische Kirche, die von dem Pilger-Rummel ebenso profitierte wie die weltlichen Fürsten, deren Ansehen durch Besitz von Reliquien stieg.
Das gemeinsame Ziel
„Ich bin Katholik, aber nicht aktiv“, sagt Walter über sich. Im Gespräch mit ihm wird klar, dass er nicht aus Furcht um sein Seelenheil wandert, oder unbedingt vor einem Reliquienschrein beten muss. Der Satz „Der Weg ist das Ziel“ trifft eher zu. Er erzählt viel von interessanten Menschen, die er unterwegs getroffen hat. Da waren zum Beispiel zwei italienische Brüder, ein Bankier und ein Polizei-Offizier, mit denen er einige Etappen des Jakobswegs gelaufen ist, Eine junge Zahnärztin aus Stuttgart traf er, eine Physiotherapeutin und eine Kindergarten-Leiterin aus Kanada – was alle miteinander auf dem Weg verband, war das gemeinsame Ziel. Und aus vielen Kontakten seien auch Freundschaften geworden. Man schreibe sich Mails und wenn es sich ergebe, treffe man sich wieder. So geschehen zum Beispiel mit den beiden Italienern, mit denen sich Walter auf einer späteren Reise zu einem gemeinsamen Essen verabredet habe. Aber auch das Alleinsein kann der Dannstadter genießen. Als er seinen Jakobsweg begann, war das eine intensive Erfahrung, berichtet er. „Tagelang allein auf der Strecke durch den Wald, da kommen ganz viele Erinnerungen und Gedanken in einem hoch. Das geht bis in die eigene Kindheit zurück.“
Seit 2001 regelmäßig Pilgertouren
Vor seiner Pensionierung im Jahr 2001 war Peter Walter Leiter der Datenverarbeitung in einem Frankenthaler Unternehmen. Sportlich ist er schon seit seiner Jugend und ist es bis heute geblieben. Seine Pilgertouren macht er seit 2001 regelmäßig, mit nur einer längeren Unterbrechung als ihm zwei künstliche Hüftgelenke eingesetzt wurden. Die scheinen jedoch prächtig zu funktionieren, denn danach hat Walter seine Pilgerwanderungen wieder aufgenommen. Immer wieder macht er sich auf den Weg. 2008 war er auf der Via de la Plata unterwegs, 2010 auf dem portugiesischen Jakobsweg, 2012 auf de Via Tolosana mit Besuch in Lourdes, 2013 auf der Via Francigena. Zuletzt wanderte er von Innsbruck nach Padua, was rund 400 Kilometer Strecke sind. Dieses Jahr will er sich aufmachen, von Padua nach Rom zu laufen, weitere 500 Kilometer. Inzwischen ist das Pilgern populär geworden – was nicht immer schön ist. 2010 hatte sich Walter bei seiner Ankunft in Santiago de Compostela in eine riesige Schlange von Pilgern und Touristen einreihen müssen, um in die Kathedrale, das eigentliche Ziel zu gelangen. „Da hab ich mich lieber hingelegt, um am nächsten morgen in aller Frühe die Kirche zu betreten“, erzählt er. Inzwischen gebe es auch Luxus-Pilgern mit Gepäcktransport, Sterne-Hotels und Fahrten mit dem Bus gehören dazu. Und mit diesem Transportmittel erklärt sich auch, wie Hape Kerkeling damals unseren Dannstadter Pilger trotz 14 Tagesetappen Rückstand überholen konnte. „Der ist bestimmt mit dem Bus an mir vorbeigefahren“, schmunzelt Walter.