Rhein-Pfalz Kreis Bei Sippenfahrten bleibt das Smartphone zu Hause

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Die Beindersheimer Pfadfinder vom Stamm „Wangari Maathai“ feiern morgen ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. Nach einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche gibt es viele bunte Mitmach-Aktionen, ein Schaulager, und es können die Gruppenräume besichtigt werden.

„Pfadfinden – der Weg ins Abenteuer“ steht auf dem bunten Werbeflyer, der Jugendliche auf Trekkingtour zeigt. Outdoor-Romantik im Ährenfeld. Der Wunsch nach sinnvoller Freizeitgestaltung und Gemeinschaft unter Gleichaltrigen führte in Beindersheim 2004 zunächst zur Neugründung eines „Siedlung“ genannten ersten Zusammenschlusses. Rainer und Simone Rauscher und Martin Köhler, zuvor in Beindersheim und Frankenthal in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv, waren von Anfang an mit dabei. Die erste Gruppenstunde hielten sie am 9. September 2004. Weil die „Siedlung“ schnell wuchs und schon bald vier Gruppen in verschiedenen Altersstufen gebildet waren, gab der Pfadfinderbezirk Rheinfranken, zu dem auch Beindersheim gehört, die Erlaubnis zur Gründung eines Stammes mit eigenem Namen. Benannt haben sich die Beindersheimer Pfadfinder nach Wangari Maathai, der 2011 gestorbenen kenianischen Umwelt- und Frauenaktivistin, die als erste Afrikanerin 2004 den Friedensnobelpreis erhielt. Seit mehr als hundert Jahren ist das Pfadfindertum ein weltweit verbreitetes Stück Jugendkultur. „Bei uns gilt das Grundprinzip Jugend führt Jugend“, erklärt Martin Haip. Der 23-Jährige führt „Wangari Maathai“, den mit rund 60 Mitgliedern aus Beindersheim, Frankenthal und den anderen Orten der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim etwa mittelgroßen Stamm. Gegliedert ist er in mehrere altershomogene Sippen, die zwischen drei und 20 Mitglieder stark sind. Die Jüngsten sind sechs bis zehn Jahre alt und heißen Wölflinge, die Elf- bis 13-Jährigen Jungpfadfinder und die 14- bis 16-Jährigen Pfadfinder. Ab 16 Jahren heißen die Jungs Rover und die Mädels Ranger. Außer Martin Haip gibt es innerhalb des Stammes mit Stevan Neumann, Lena Raimer und Jan-Leon Degmer noch drei weitere Sippenführer. Die Sippen sind nach Geschlechtern getrennt und haben eigene Namen. So gibt es in Beindersheim unter anderem die männlichen „Kakerlaken“ (O-Ton: „Weil wir nicht totzukriegen sind“) und die weiblichen „Chinchillas“. Ob ein Mitglied jung oder schon länger dabei ist, kann man an der khakifarbenen Kluft, besonders aber an der Bordüre seines Halstuchs erkennen, die entweder orange, hellgrün, dunkelgrün, weinrot oder lila ist und damit die Erfahrungsstufe anzeigt. Das Halstuch ist oft bestückt mit Knoten, Abzeichen und Erinnerungen an besondere Erlebnisse. Selbst in Zeiten multimedialer Vernetzung scheinen echte Erlebnisse in der realen Welt Jugendliche noch zu begeistern. Outdoor-Aktivitäten wie der Umgang mit Messer und Kompass, Feuer machen, Zelte aufbauen, Schnitzeljagden im Gelände und Tierspurensuchen mittels Gipsabdrücken stehen beim Beindersheimer Stamm ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Nicht zuletzt der Glaube wird ganz ungezwungen in der Gemeinschaft gelebt, etwa in Form einer morgendlichen Andacht. Voller Aktivitäten ist das gerade beginnende Pfadfinder-Jahr: Während der Osterferien sind Sippenfahrten geplant. Zur Frühjahrsfahrt am Himmelfahrtswochenende (13. bis 17. Mai) werden erstmals die Zelte aufgeschlagen. Über Fronleichnam (3. bis 6. Juni) geht es nach Stuttgart zum Evangelischen Kirchentag, zu dem der Verband Christlicher Pfadfinder (VCP) ein großes Helferkontingent stellt. In Ungarn findet ein zweiwöchiges Sommerlager statt. Im Herbst sind Sippenfahrten mit den Eltern geplant, und über Silvester geht es einige Tage auf eine Burg nahe Dortmund. Alle Pfadfinder-Fahrten sind nicht nur alkohol- und nikotinfrei, dem Gruppenerlebnis zuliebe verzichte man, sagt Martin Haip, auch bewusst auf Smartphone und MP3-Player. Der Tag der offenen Tür am morgigen Sonntag beginnt bei den Pfadfindern um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche, den sie in Eigenregie mit Live-Musik gestalten. „Wir erzählen, was das Pfadfinden für uns bedeutet und wie wir es umsetzen“, berichtet Lena Raimer. Danach gibt es Mittagessen mit selbst gemachten Döner, Crêpes und einem Kuchenbüffet. Pfadfinder-Feeling schnuppern können Neugierige den ganzen Tag über in einem Schaulager mit Zelten und bei der Besichtigung der Gruppenräume, die unterm Dach des evangelischen Gemeindehauses Hüttenromantik atmen. Ein Infostand, Spiele und Mitmachaktionen wie Kinderschminken runden das Angebot ab. Und noch etwas Besonderes streben die Beindersheimer Pfadfinder zu ihrem zehnjährigen Jubiläum an: Morgen soll eine neue Jungen-Sippe aus der Taufe gehoben werden. (bik)

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