Rhein-Pfalz Kreis Baumeister ausgebremst
«Mutterstadt.» Der Wille ist zweifellos da: Für die Sitzung am Mittwoch hat sich der Mutterstadter Gemeinderat ursprünglich vorgenommen, die Arbeiten für die geplante Pergola an der Bushaltestelle zu vergeben, eine Fachfirma mit den Fassadenarbeiten an der Neuen Pforte zu beauftragen und Architekten mit dem Abdichten der Terrasse im ersten Obergeschoss zu betrauen. Davon ist dem Rat letztlich nur eins gelungen: die Pergola zu bestellen. Die soll für etwas mehr als 90.000 Euro die ortsansässige Holzwarth GmbH liefern und gleich montieren. Dass die beiden anderen Vorhaben erst mal gescheitert sind, dafür ist das Gremium nicht verantwortlich. Für die Arbeiten an der Fassade hat nämlich lediglich ein Fachunternehmen ein Angebot unterbreitet. Zur Erinnerung: Hier sollen unter anderem die Eingänge zur Gemeindebibliothek und ins Untergeschoss verlegt werden. „Das einzige Angebot, das wir bekommen haben, liegt deutlich über der Kostenschätzung“, sagt Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD). Deshalb empfiehlt er dem Rat, die Ausschreibung aufzuheben – wegen Unwirtschaftlichkeit und fehlender Vergleichbarkeit. Der Gemeinderat folgt dieser Empfehlung des Bürgermeisters einstimmig. Das Vorhaben soll nun erneut ausgeschrieben werden. Mit ähnlichen Problemen sehen sich seit Monaten viele Kommunen konfrontiert. Sie würden gerne oder müssen bauen, neue Kitas etwa, können aber nicht. Grund sind die dank des Baubooms vollen Auftragsbücher der Firmen: Die meisten Baufirmen sind momentan nicht auf die Bauvorhaben der Gemeinden angewiesen, oder ihre Kapazitäten sind erschöpft. Also reagieren sie entweder auf Ausschreibungen oft gar nicht – oder sie versuchen in einigen Fällen sogar, aus der Not der Kommunen Kapital zu schlagen, indem sie astronomische Preise verlangen. Daher hat der Mutterstadter Rat jetzt die Notbremse gezogen – und zwar nicht zum ersten Mal. Auch beim Ausbau der Blumenstraße hat er die Ausschreibung einst aufgehoben, nachdem die wenigen Anbieter dafür mehr als doppelt so viel Geld verlangt hatten wie üblich. Geholfen hat es letztlich wenig: Bei der erneuten Ausschreibung haben sich die Preisangebote wieder auf einem ähnlich und eigentlich zu hohen Niveau bewegt, der Gemeinde ist dann keine andere Wahl mehr geblieben. Der Tagesordnungspunkt mit der Terrassenabdichtung wiederum entfällt, da der Gemeinde dafür noch keine Angebote geeigneter Firmen vorliegen. Die entsprechenden Arbeiten müssen folglich ebenfalls warten. Und so hemmt die Baubranche auch hier den Fortschritt.