Altrip
Auf eine Bratwurst mit Bärbel Jacob: Erinnerung an kuriose Kerwe-Traditionen
„Die früheste Erinnerung an die Kerwe habe ich, da muss ich so vier oder fünf Jahre alt gewesen sein“, erzählt die 62-jährige Bärbel Jacob. Getroffen haben wir sie an der „alta riBAR“ des Heimat- und Geschichtsvereins. Mit ihrem Mann, dem früheren Bürgermeister Jürgen Jacob, wird sie nachher dort Cocktails mixen. Seit vielen Jahren betreiben die Vereine auf der Kerwe ihre Stände. Ganz früher war das noch anders, erzählt sie.
Am Tag der Kerwe-Eröffnung habe Oma Gretel die Küche geputzt. War alles blitzblank, haben sie sich den Kerwe-Umzug angeschaut. Der war sehr eindrucksvoll für das Mädchen, vorne ging der Spielmannszug und danach eine Trachtengruppe in alter Altriper Tracht. „Die Trachten waren in Blau und die Männer haben einen schwarzen Dreispitz getragen“, erinnert sich Bärbel Jacob. Als kleines Kind sei sie gerne Reitschul' gefahren, als sie größer war, war Boxauto der Renner. Auch dieses Jahr gibt es einen beeindruckenden Auto-Scooter. Und für alle Kinder war es toll, dass am Kerwe-Montag schulfrei war. Die Geschäfte waren auch geschlossen.
Damals wurde auf dem Ludwigsplatz gefeiert, heute auf dem Partnerschaftsplatz an der Maxschule. Auch am neuen Ort wird noch die Kerwe-Krone aufgestellt. Für die kleine Bärbel war auch der Gutselstand eine Attraktion. Da war es gut, dass die Oma ihr Kerwe-Geld gegeben hat: Ein großes glänzendes Fünfmarkstück gab es damals. „Die Tradition habe ich behalten, heute bekommen meine Enkel von mir Kerwe-Geld“, erzählt sie. In Altrip gab es früher auch ein traditionelles Kerwe-Essen, das es in allen Wirtshäusern und bei vielen Familien auch zu Hause gab: Schweinepfeffer. Allerdings konnte sich Bärbel Jacob bis heute nicht mit Schweine-Innereien in einer Blut-Soße anfreunden. „Ich hab' lieber Schnitzel gegessen“, sagt sie.
Einige Kerwe-Traditionen gibt es nicht mehr
Zur Kerwe gehört auch, dass das älteste und das jüngste Brautpaar geehrt werden. „Als Jürgen und ich geheiratet haben, haben wir das um eine Woche verpasst“, sagt sie lachend. Aber als ihr Mann Bürgermeister war, hatten die beiden eine Idee für die Paare: Es gab den traditionellen Quetschekuche, den lange die leider verstorbene Lore Hauck gebacken hat, und dazu vom Bürgermeisterpaar einen Korb mit Zutaten für die zugehörige Grumbeersupp’. Die Quetsche und anderes Obst von den Gemeindewiesen wurden versteigert, die Gewinner durften es ernten. Leider mache das heute niemand mehr, sagt sie.
Die Tradition des „Kerweborsch“, der das Fest mit einer Rede eröffnet und beendet, wurde mal wiederbelebt: „So etwa 2014 und 2015 hat das Walter Mansky gemacht. Das ist leider wieder eingeschlafen“, erzählt sie. Heute wird die Kerwe vor allem von den örtlichen Vereinen getragen. Bärbel Jacob engagiert sich dabei auch: Sie hat schon das Kerwe-Singen moderiert. Nicht nur Gesangvereine aus Altrip, auch aus der Nachbarschaft seien da aufgetreten. Die Bratwurst holt sie sich beim Hundesportverein, klassisch im Brötchen.
Die Serie
Was wäre das Leben auf dem Land ohne ein Dorffest wie die Kerwe? Die Feste haben eine lange Tradition und sind Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Gemeinde. Was die Kerwe für Menschen aus dem Ort bedeutet, welche Erinnerung sie daran haben, das erzählen sie in der Serie „Auf eine Bratwurst mit ...“
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