WALDSEE
„Auf der Au“: Camper und Betreiber-GmbH bekunden Willen zur Zusammenarbeit
Am Ende gab es viel Applaus der Mitglieder der „Camping-IG in den Rheinauen“. Dieser galt vor allem ihrer Vorsitzenden Ursula Schmidt, die seit der Gründung der Interessengemeinschaft, die mittlerweile als Verein eingetragen ist, unermüdlich für den Erhalt des Campinggebiets kämpft. „Heute ist ein Endpunkt und ein Anfangspunkt“, sagte sie erleichtert bei der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung des Vereins und der „Naherholung in den Rheinauen“-GmbH am Mittwochnachmittag auf dem Campingplatz. „Es ist der Endpunkt eines zwei Jahre langen Kampfes für den Erhalt des Campinggebiets und der Anfangspunkt von vielen Jahren harter Arbeit“, erläuterte sie.
Notwendig geworden war der Kampf, weil die Betreibergesellschaft, die zu 90 Prozent dem Rhein-Pfalz-Kreis und zu zehn Prozent der Ortsgemeinde Waldsee gehört, mit dem Campinggebiet immer größere Verluste einfuhr. Immer mehr Parzellen verwaisten, weshalb die GmbH das Gebiet nur in verkleinerter Form und mit deutlich verminderten Pachtzahlungen an die Grundstückseigentümer weiterführen wollte. Die in Aussicht gestellte Pacht war allerdings offenbar vielen der Eigentümer zu niedrig, nur ein Teil der nötigen Verträge wurde unterzeichnet. Es drohte das Aus für den Platz Ende 2021.
Aufgaben werden verteilt
Nach langem Hin und Her gelang vor Kurzem der Durchbruch. Obwohl immer noch knapp die Hälfte der 92 Besitzer von Grundstücken auf dem ursprünglich geplanten verkleinerten Gelände die neuen Verträge nicht unterschrieben haben, sieht die GmbH, repräsentiert von Landrat Clemens Körner (CDU) als Geschäftsführer, eine Lösung: Jene Grundstücke, für welche die Verträge mit den Eigentümern unter Dach und Fach sind, können so verbunden werden, dass ein Weiterbetrieb möglich ist. Die GmbH will auch künftig die Verwaltung des Campinggebiets übernehmen und bleibt für Investitionen in die Infrastruktur zuständig. Der Camperverein – so ist es in der gestern unterzeichneten Absichtserklärung festgehalten – kümmert sich um die Platzverwaltung vor Ort. Die Vertragsdetails sollen in den kommenden Monaten ausgehandelt werden.
„Zwischendurch habe ich nicht geglaubt, dass es weitergeht“, gab der Landrat zu. Nicht zuletzt das große Engagement der Camper habe letztlich dazu geführt, dass doch eine Lösung gefunden wurde. „Im vergangenen Jahr hat sich einiges getan. Die Camper haben bewiesen, dass sie mit Herzblut an dem Platz hängen“, sagte Körner.
Wie das Campinggebiet „Auf der Au“ künftig genau aussieht, dass werden die Gespräche in den kommenden Monaten ergeben. Körner hofft immer noch, dass sich einige Eigentümer von Grundstücken, um die aktuell herumgeplant wird, noch zu einer Unterzeichnung des Pachtvertrags durchringen. Es soll zwar bei rund 1000 Parzellen bleiben, aber etliche Camper werden wohl umziehen müssen – wie viele genau ist noch unklar. Der Camperverein will die Betroffenen jedenfalls tatkräftig beim Umzug unterstützen.
Kurzzeitcamping möglich
Was sich sonst „Auf der Au“ ändert, darüber soll sich das Planungsbüro Piske Gedanken machen: Pläne für eine Sanierung der Sanitäranlagen und für den Bau von Wegen, die auch die Anfahrt von Rettungsfahrzeugen gewährleisten, gab es zwar schon. Doch angesichts des neuen Zuschnitts des Geländes müssen sie angepasst werden. Außerdem sollen laut Ursula Schmidt auch Plätze für Kurzzeitcamper, Wohnmobile und Zelte entstehen. Bislang ist „Auf der Au“ nur Dauercamping möglich.
Und was wird aus den Plänen für einen Solarpark auf dem nicht mehr für Parzellen benötigten Gelände, den eine Gruppe von Eigentümern zwischenzeitlich propagiert hat? Diese will die Waldseer Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) noch nicht gänzlich abschreiben. Klar ist: Jener Teil des Geländes, der nicht zum künftigen Campinggebiet gehört, muss bis Ende 2021 rückgebaut werden. Anders als ursprünglich vorgesehen, wird die GmbH dort keine Flächen mehr pachten.
Dem verkleinerten Platz prophezeit Ursula Schmitt eine gute Zukunft: „Camping boomt wieder“, ist sie überzeugt. Einen unerwarteten Schub habe es in den vergangenen Monaten durch die Einschränkungen bei Urlaubsreisen gegeben. Schmidts Beobachtung: „Durch Corona ist die Nachfrage gestiegen. Es kommen wieder mehr Camper.“
Kommentar: Respekt!
Es ist leicht, die Dauercamper „Auf der Au“ zu belächeln. Ihre Versuche, das Campinggebiet vor dem Aus zu bewahren, muteten anfangs reichlich naiv an. Der Plan, sich mit einem Teil der Grundstückseigentümer an der Betreiber-GmbH, also an Kreis und Ortsgemeinde Waldsee vorbei zu einigen, war zum Scheitern verurteilt. Doch die Camper, allen voran Ursula Schmidt, haben sich in das Thema reingefuchst, sind immer am Ball geblieben – und hatten mit ihrer Hartnäckigkeit, die auch die Nerven des Landrats zeitweise auf eine harte Probe stellte, letztlich Erfolg. Ein Großteil der Arbeit steht allerdings noch bevor. Die Camper müssen zeigen, dass sie der Aufgabe, den Platz vor Ort zu managen, gewachsen sind. Aber auch Kreis und Ortsgemeinde haben ihre Hausaufgaben zu machen. Es muss endlich in den Platz investiert werden. Dass offenbar auch an Kurzzeitcamping gedacht wird, ist ein gutes Signal, dass die Zeichen der Zeit erkannt wurden.