Rhein-Pfalz-Kreis
Auf den Ernstfall vorbereitet: Notfallpläne für Flüchtlingsheime
Es schwebt ein bisschen wie ein Damoklesschwert über der Verwaltung der Verbandsgemeinde Rheinauen: Was passiert, wenn in einer der Sammelunterkünfte für Asylbewerber der erste Bewohner positiv auf Corona getestet wird? Dann muss schnell gehandelt und die Betroffenen unverzüglich isoliert werden. „Wir haben in den letzten Wochen viel unternommen, um auf diesen Fall vorbereitet zu sein“, sagt Toni Krüger (Grüne), Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Rheinauen. Es gebe Räume für diesen Fall, den Ort möchte er aber nicht nennen. Vier Zimmer seien bereits mit je zwei Betten ausgestattet, dazu komme ein abgeschlossener Außenbereich. Doch Krüger hofft, dass es gar nicht so weit kommen muss, da auch vorsorglich schon etliches organisiert wurde.
Alle Geflüchteten wurden laut Krüger in der Vergangenheit in unterschiedlichen Sprachen angeschrieben und über Hygienevorschriften und Kontaktreduktion aufgeklärt. Dazu kommen Plakate mit Erklärungen. Desinfektionsmittel steht bereit, der Umgang damit wurde erklärt. „Wenn jemand Symptome hat, kann er auf einem Notfalltelefon anrufen. Wir kümmern uns dann darum, dass er getestet wird“, sagt Krüger.
Teils Zimmer mit eigenem Sanitärbereich
Im Moment gibt es zwei große Sammelunterkünfte, für die die Verbandsgemeinde zuständig ist: zum einen den ehemalige Landgasthof Hardt in der Schlichtstraße in Waldsee, in dem 45 Personen untergebracht sind. Der große Vorteil dort: Jedes Zimmer hat einen eigenen Sanitärbereich. Die zweite Unterkunft ist im ehemaligen Ostermayer-Gebäude in der Ludwigstraße in Altrip. Dort leben 23 Geflüchtete, die Gemeinschaftsbäder nutzen müssen. Sechs Personen wohnen in einem Haus im Ried. Insgesamt ist die Verbandsgemeinde für 148 Geflüchtete zuständig. Viele sind schon dezentral untergebracht. Außerdem steht Krüger im regen Austausch mit Marc Oberst, der im ehemaligen Hotel und anderen Unterkünften rund 90 Geflüchtete beherbergt.
In der Waldseer Sammelunterkunft ist der Sozialarbeiter Elias Petermann nun den ganzen Tag vor Ort. „Er hat uns gemeldet, dass es ganz gut läuft“, sagt Krüger. Der Zugang zur Küche sei auf zwei Seiten möglich, so könne der Abstand gut eingehalten werden. Der Gemeinschaftsraum ist geschlossen.
Nachts ist in Waldsee Security vor Ort
Nachts wird Petermann von einer Security abgelöst, die Besuche von außen unterbindet, denn Personen, die nicht in den Sammelunterkünften wohnen, dürfen diese derzeit auch nicht betreten. Ausgenommen sind Kinder von getrennt lebenden Eltern.
Dank einer Spende bekommen alle Geflüchteten auch Gesichtsmasken, genäht von einer Gruppe Otterstadtern: 19 Frauen und ein Mann haben 180 Masken hergestellt. Überreicht wurden sie vom Otterstadter Physiotherapeuten Benjamin Adam, dessen Näh-Initiative nach seinen Angaben mittlerweile insgesamt 1400 Masken angefertigt und verteilt hat. Die Masken für die Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte hat Elias Petermann nun ausgegeben und erklärt, wie damit umgegangen werden soll.
„Sehen Situation als ernst an“
Die Mitarbeiter der Stadt Schifferstadt halten sich im Umgang mit Flüchtlingen an alle nötigen Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen. Derzeit gibt es nach Angaben von Peter Schlindwein, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, in der Zuständigkeit der Stadt 89 Menschen, deren Asylverfahren noch läuft, 139 Menschen sind bereits anerkannt. Asylbewerber seien in 37 Wohnungen, 15 Häusern und einer Containeranlage untergebracht. Die Stadt Schifferstadt suche dringend nach weiteren Wohnungen, um Asylsuchende dezentral unterbringen zu können.
Der größte Teil der Flüchtlinge komme aus Syrien, Somalia, Eritrea und Afghanistan. Die Stadt erhalte vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Informationen über den Weg der Neuankömmlinge. Demzufolge sei niemand nach Schifferstadt aus einer Region gekommen, die nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts als Risikogebiet gilt.
Ausreichend Desinfektionsmittel
Auch hier wurden die Betreuten über die Situation und die Verhaltensregeln aufgeklärt, sowohl durch Aushänge, als auch durch arabisch und türkisch sprechende Mitarbeiter. „Die Asylbewerber sehen die aktuelle Situation als sehr ernst an und halten die empfohlenen Verhaltensweisen ein“, berichtet Schlindwein. Die Mitarbeiter seien durch das Tragen von Mund-Nasenschutz und Handschuhen geschützt. Zudem stehe ausreichend Desinfektionsmittel für Hände und Flächen bereit. Damit sich das Personal nicht begegnet, wurde die Arbeitszeit dementsprechend eingeteilt.
Sehr engagiert in der Flüchtlingsbetreuung ist das Team 31, ein Verein, der Hilfe und Unterstützung organisiert. Diese reicht vom Sprachunterricht, von der Hilfe beim Umgang mit Formularen, über Einkaufshilfen bis zum Besorgen von Möbeln und Einrichten der Unterkünfte. Die Corona-Verhaltensregeln schränken die Möglichkeiten des Vereins ein. „Derzeit läuft nicht viel“, sagt der Vorsitzende Karl Fischer. Das Team 31 als Verein habe 53 Mitglieder, aber als Helfer seien 80 Aktive im Netzwerk verbunden. Viele haben mehrere Patenschaften übernommen. „Ich habe allen gesagt, sie sollen auf persönliche Begegnung verzichten und über Telefon und Internet kommunizieren“, sagt Fischer. Dies funktioniere gut.
Die Anweisungen der Behörden in Sachen Corona habe das Team in viele Sprachen übersetzt und an Helfer und Flüchtlinge verteilt. Die Flüchtlinge halten sich an die Regeln und Empfehlungen. Das Ausländeramt des Kreises habe dabei geholfen, auch für weniger geläufige Sprachen Übersetzer zu finden. Die Zusammenarbeit mit den Kreisbehörden sei sehr gut, neben dem Ausländeramt gelte das auch für das Jobcenter, das für die anerkannten Flüchtlinge zuständig ist.
Gesundheitscheck zum Ankreuzen
„Was wir tun können, tun wir“, sagt Rosemarie Patzelt (FWG), Erste Beigeordnete der Gemeinde Limburgerhof. 17 Flüchtlinge sind derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft in Limburgerhof untergebracht. Ihnen steht dort ein Betreuer zur Seite. Die Männer teilen sich immer zu zweit ein Zimmer, nur einer lebt alleine. Es gibt zwei Duschräume und eine Gemeinschaftsküche. Besuch ist gerade nicht erlaubt.
„Wir haben sie über die Situation informiert“, erzählt Patzelt. Unter anderem mit den von der Kreisverwaltung bereitgestellten Informationsblättern in unterschiedlichen Sprachen. Zudem wurden Seife, Desinfektionsmittel und Mundschutze verteilt. „Wir werden die Verordnung in allen Landessprachen auslegen, damit sie wissen, wie sie sich zu verhalten haben.“ Mindestens zweimal pro Woche sollen die Bewohner einen Gesundheitscheck ausfüllen. „Er ist einfach gehalten“, sagt Patzelt, „im Ankreuzverfahren.“ So soll sichergestellt werden, dass keiner im Haus Beschwerden hat.
Sollte es doch zu einer Covid-19-Erkrankung oder einem Verdachtsfall kommen, steht eine Wohnung als Quarantäne-Station im Ort zur Verfügung. Dort können vier Leute untergebracht werden. „Wenn es mehr sind, müssen wir die gesamte Unterkunft unter Quarantäne stellen“, sagt Patzelt. Und einen Sicherheitsdienst beauftragen, der die Einhaltung der Auflagen kontrolliert. Sie hofft, dass diese Pläne in der Schublade bleiben können, aber ist sich sicher: „Wir sind gerüstet.“