Rhein-Pfalz Kreis Auf 700 Metern unter der Erde

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In Mannheim gibt es ein kleines Stück U-Bahn – das steht zwar in keinem Reiseführer, ist aber ein Fakt. Die Haltestelle Dalbergstraße am Luisenring liegt unterirdisch und wird es auch noch eine Zeit lang bleiben. Gerade erst wurde das Gleisbett aufwendig saniert.

Selbst einige Bewohner Mannheims wissen nicht, dass es in ihrer Stadt eine U-Bahn-Station gibt, denn die Linie 2 von Feudenheim nach Neckarstadt-West zählt nicht zu den meistbefahrenen. Dabei gibt es die Station seit über 40 Jahren. „Schon in den 1950/60er-Jahren gab es Überlegungen, das Stadtbahnnetz komplett unter die Erde zu legen“, berichtet Christian Specht (CDU), Erster Bürgermeister Mannheims. Letztlich wurden diese Pläne nie in die Tat umgesetzt, sie liegen aber immer noch in irgendeiner Schublade im Rathaus. Allein die Dalbergstraße, der damalige Versuchsballon, gibt Mannheim ein bisschen den Flair einer Metropole. Schon der Geruch der Haltestelle wenige Meter unterhalb der Pkw-Fahrbahn gibt den Fahrgästen das Gefühl, woanders zu sein. Genauso riecht es im Metro-Netz in Paris oder in der Underground in London. Die Luft in einem U-Bahn-Schacht – und sei er noch so klein – ist unverwechselbar. Auch die Graffiti an den Wänden der Station selbst und an den Aufgängen erinnern an Großstädte wie Hamburg, Berlin oder München. Sobald man die Treppen zur Haltestelle Dalbergstraße hinuntergelaufen ist, betritt man eine andere Welt. Die Haltestelle ist zudem angeblich einer der sichersten Plätze Mannheims. Auf diese Tatsache legt Christian Specht großen Wert, schließlich eilt der U-Bahn der Ruf voraus, ein Ort des Verbrechens zu sein. „Wir haben hier eine Videoüberwachung, nirgends passiert weniger als hier“, sagt der Erste Bürgermeister. Specht stützt sich dabei nicht auf Vermutungen, sondern auf eine Statistik der Mannheimer Polizei. Es gibt also keinen Grund, die einzige U-Bahn-Station in der Quadratestadt stillzulegen. Stadt und Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft investierten zuletzt mehr als eine Million Euro, um das über 40 Jahre alte Gleisbett auf einer Länge von 700 Metern auszutauschen. Knapp fünf Wochen dauerten die Arbeiten, um die Steine des Gleisbetts zu entfernen und ebenso zu erneuern wie die Schienen und die Schwellen, die zusammen in der Fachsprache Gleisjoch heißen. Um die Fahrbahn für die Stadtbahn zu ersetzen, brauchte es schweres Gerät. Futuristisch und putzig zugleich sieht ein Gefährt aus, dass kurz vor der Freigabe der Strecke die letzten Feinarbeiten am neuen Gleisbett ausführte. „Wir haben hier fünf Wochen lang im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet“, sagt Frank Derbe von der ausführenden Straßenbaufirma. Ziel war es, den Zeitplan für das Projekt einzuhalten, damit die Verkehrsbeeinträchtigungen auf dem Luisenring möglichst gering bleiben. Das gelang: Mittlerweile fährt die Linie 2 wieder ihre übliche Strecke – auf 700 Metern unter der Mannheimer Erde. (mxt)

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