Rhein-Pfalz Kreis Auch mal was Neues wagen
«BOBENHEIM-ROXHEIM.»Mehr als 50 Vereine und Verbände gibt es in Bobenheim-Roxheim, und fast alle sind Mitglied im Ortskartell, das gemeinsame Veranstaltungen und Termine koordiniert. Geleitet wird das „OK“ von Florian Lobocki und seinem Stellvertreter Tobias Stichter, zwei jungen Männern, die mit Leib und Seele für Bobenheim-Roxheim und seine Vereine eintreten.
Seit fast 40 Jahren steht der Wappenbaum der Vereine vor dem Rathaus. Unter diesem Wahrzeichen des Ortskartells fühlen sich Florian Lobocki und Tobias Stichter wohl. Die beiden sind seit ihrer Jugend in Vereinen aktiv. Für den 38-jährigen Großhandelskaufmann Lobocki standen jahrelang die Pfadfinder im Mittelpunkt. Der 30 Jahre alte IT-System-Ingenieur Stichter fand über Fußball und Tennis in die örtliche Vereinswelt. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ bekennen sich beide „hundertprozentig zu Bobenheim-Roxheim“. Es sei eine schöne, lebendige Gemeinde, sind sie überzeugt. Und einen großen Anteil daran hätten die Vereine und Verbände. In ihnen werde der Ort lebendig, solidarisch und aktiv, dort spiele sich das dörfliche Leben ab – obwohl Bobenheim-Roxheim mit 10.000 Einwohnern eigentlich kein Dorf mehr sei. Deshalb müsse es seine Identität bewahren und dürfe sich nicht auf eine Wohn- und Schlafstätte für Berufspendler reduzieren lassen. Das Vereinswesen werde dabei eine große Rolle spielen, sind sich Lobocki und Stichter einig, auch wenn einigen langsam die Ehrenamtlichen ausgehen und der Nachwuchs fehle. Beispielhaft für Neuanfänge nennen die beiden die Verjüngungskur der beiden Karnevalvereine RCV und BCV. Diese hätten sich rechtzeitig wieder für junge Menschen interessant gemacht. Als Lobocki und Stichter vor vier Jahren die Leitung des Ortskartells übernahmen, stand diese Institution am Scheideweg. Mit Klaus Eisenhauer und Robert Reber hatte es über Jahrzehnte zwei profilierte Führungspersonen gehabt. Mit Hans-Peter Mathias folgte in schwieriger Zeit ein Mann des Übergangs. Als viele das Ortskartell schon abgeschrieben hatten, gelang vor vier Jahren doch noch der erhoffte Generationswechsel. Jedenfalls sorgte die Wahl von Florian Lobocki und Tobias Stichter für Erleichterung. Doch was hat man denn davon, wenn man sich ganze Tage und Nächte mit der Organisation von Dorffesten beschäftigt oder den Kerweumzug managt und dafür auch noch Urlaub opfert? Es sei die Freude am Umgang mit Menschen und am Gestalten und die Verbundenheit mit dem Lebensort. Die Zusammenlegung der Bobenheimer und der Roxheimer Kerwe habe bewiesen, dass man belohnt werde, wenn man mal etwas Neues wage. Grundsätzlich seien die Bobenheim-Roxheimer mit ihrer „festiven Lebensader“ recht gut zu motivieren, finden die beiden OK-Chefs. Eine große Herausforderung sehen Lobocki und Stichter, die auch privat gute Freunde sind, in der Solidarisierung der örtlichen Vereine. Lobocki: „Es fällt auf, dass bei kulturellen Anlässen und Festen fast immer die Gleichen mitmachen, während andere Vereine gern ihr eigenes Süppchen kochen.“ Daraus resultierten Defizite in der Terminkoordinierung. „Wir wünschen uns eine Kultur des Dialogs“, sagt Tobias Stichter. Es müsse gelingen, wieder mehr Vereinsvertreter in die Ortskartellsitzungen zu bringen. Auch das Nachwuchsproblem müsse offensiv angegangen werden. „Die Vereine sollten Lockrufe absetzen“, sagt Stichter und meint damit: „Junge Leute gezielt ansprechen und ihnen Mitverantwortung wirklich zutrauen.“ So mancher Vereinspatriarch fürchte die Jungen. Florian Lobocki wünscht sich vor allem frische Ideen. Dabei müsse man die heutige Lebens- und Arbeitswelt in den Blick nehmen und die Bedürfnisse der Menschen ausfindig machen. Dem Rückzug vieler ins „rein Private“ müsse man mit attraktiven Angeboten begegnen. Da seien die Vereine direkt gefordert. Aufgabe des Ortskartells sei es, Begegnungsebenen herzustellen, zu moderieren und zu begleiten. Die beiden Vorsitzenden leisten das auf ihre jeweils eigene Weise. Der eher ruhige und zurückhaltende Florian Lobocki sagt: „Ich stehe nicht so gern auf der Bühne und bin auch kein großer Redner, aber das ist nicht das Wesentliche an meiner Aufgabe.“ Dagegen hat Tobias Stichter seinen ersten großen Auftritt als Ortskartellrepräsentant beim Konzert der Chorvereinigung sichtlich genossen und souverän absolviert. Wie würden die beiden den Begriff Verein definieren? Darauf finden sie recht schnell und einhellig eine Antwort: „Vereine sind Heimat.“