Rhein-Pfalz-Kreis
Ansturm aufs Toilettenpapier: Unterwegs in den Supermärkten im Kreis
Auf den ersten Blick scheint am Dienstag im Mutterstadter Real-Markt, aber auch bei Kaufland und Aldi in Schifferstadt, bei Rewe in Limburgerhof und am Mittwoch im Edeka bei Dannstadt alles ganz normal zu sein. Es gibt genügend Parkplätze, keine Schlangen an den Kassen, keine überfüllten Gänge. Nur bei Real weist ein großes Schild darauf hin, dass Kunden voneinander ausreichend Abstand halten und – wenn möglich – mit Karte zahlen sollen, um die Corona-Ausbreitung zu verhindern.
Viele füllen die Hausapotheke auf
In einem Supermarkt kauft ein Kunde mit Gummihandschuhen ein. Bei Aldi in Schifferstadt geht ein älteres Paar mit Mundschutz einkaufen. Das wirkt ein wenig befremdlich, ebenso wie die Verkäuferin der Easy-Apotheke im Mutterstadter Real-Markt: Die Eingangstür zur Apotheke wurde zur Kassenzone umfunktioniert, der Verkaufsbereich der Apotheke kann nicht betreten werden. Ein Tisch steht in der Tür, eine Mitarbeiterin mit Mundschutz und Handschuhen dahinter kassiert und gibt Waren aus. Für den Einkauf wird der Kunde zu einem Seiteneingang gelotst – dort steht das pharmazeutische Personal hinter großen Plexiglasscheiben. „Seit Dienstag wurde unsere Filiale so umgestaltet, um Mitarbeiter und Kunden zu schützen“, informiert Filialleiterin Anja Claus. Auch werden Verkaufsbereiche und Geräte wie Telefon oder Kartengeräte vermehrt desinfiziert. Hamsterkäufe habe es bisher nur wenige gegeben. „Aber wir haben schon einen erhöhten Verkauf, viele Kunden füllen ihre Hausapotheken auf, auch mit Medikamenten, die sie vom Arzt verschrieben regelmäßig einnehmen müssen“, sagt sie. Engpässe gebe es vereinzelt, die meisten Medikamente könnten letztlich geordert werden. „Auch haben wir in Voraussicht versucht, unseren Eigenbedarf an Desinfektionsmitteln, Handschuhen und Mundschutz zu sichern.“
Die Botschaft: keine Panik!
Die unterschwellige Botschaft ist deutlich: Trotz allem – bitte keine Panik! Und doch hängt etwas in der Luft. Die Leute kaufen zurzeit mehr ein, das bestätigen alle Märkte. Kunden eilen in die Läden, manche arbeiten Listen ab und manövrieren geschäftig ihre Körbe durch die Gänge, andere blicken in die zum Teil leeren Regalreihen und schütteln mit dem Kopf. Die Supermärkte selbst versuchen indes zu beruhigen. Am Eingang bei Kaufland in Schifferstadt steht auf einem Schild: „Unsere Filialen haben regulär geöffnet.“ Diese Botschaften verbreiten viele Supermärkte über die sozialen Medien. Ganz offiziell bekommt man als Presse etwa bei Kaufland die Auskunft, Engpässe bei Grundnahrungsmitteln wie Nudeln, Mehl und Konserven sowie Hygieneartikeln gebe es aufgrund der starken Nachfrage nur kurzfristig. Und weiter: „Die Warenversorgung ist grundsätzlich gewährleistet.“ Ähnliches teilen auch Rewe, Real und Aldi mit.
Innenaufnahmen – etwa von leeren Regalen – gestattet aber derzeit kaum ein Unternehmen. Kaufland begründet dies zum Beispiel, dass so nur eine Momentaufnahme wiedergegeben würde. Soll heißen, es könnte der Eindruck entstehen, die Regale in den Märkten seien dauerhaft leer. Und in der Tat ändert sich das ständig: In allen Märkten wuseln viele Mitarbeiter zwischen den Gängen und füllen Regale auf. Kaufland sucht sogar derzeit Verstärkung.
Toilettenpapier schafft es teils nicht in die Regale
Doch bei Mehl, Zucker, Reis, Nudeln, Konserven oder haltbaren Teigwaren gibt es große Lücken, bei Desinfektionsmitteln und Toilettenpapier bleiben Regale oft leer. Alle Märkte haben sich auf die stark erhöhte Nachfrage eingestellt und ordern nach – so gut es eben möglich ist. Doch die Produktion komme nicht so schnell nach, sagt ein Supermarkt-Mitarbeiter. Wird etwa eine neue Palette Toilettenpapier in den Verkaufsbereich geschoben, schaffen es die meisten Packungen noch nicht mal in die Regale. Die Kunden nehmen es direkt von der Palette, zum Beispiel gestern im Real. Und tut es einer, tun es fast alle, die es mitbekommen. Vielleicht ist es ein psychologischer Effekt? „Die Leute sind doch verrückt“, sagt eine Frau an der Kasse im Real und bezahlt ihre Toilettenpapierpackung. Es war das einzige, was sie gekauft hatte. Eigentlich brauche sie keines, aber weil jetzt gerade welches da war, habe sie zugegriffen.
Damals gab es wirklich nichts
Im Rewe in Limburgerhof eine ähnliche Szene, auch hier wird die neue Palette schnell geleert. Ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden möchte, zuckt mit den Schultern. Erklären könne er sich das nicht: „Menschen eben!“ Eine ältere Dame hat sich auch eine Packung mitgenommen. Eigentlich habe sie immer einen Vorrat – auch an Konserven, Mehl und Zucker – aber vielleicht brauchen ja die Kinder Toilettenpapier. Seit Tagen war sie schon nicht mehr draußen, „weil doch die Alten drin bleiben sollen“. Jetzt musste sie mal raus. Irgendwie erinnert sie das an die Nachkriegszeit, nur habe es damals wirklich nichts gegeben. „Aber wir! Wir werden in Deutschland nicht verhungern!“, sagt sie. Eine andere Kundin nickt und wünscht ihr, dass sie gesund bleibe.
Jeder nur eine Packung
Dann Tumult an der Rewe-Kasse: Eine junge Frau mit Kind möchte vier Packungen Toilettenpapier kaufen, erlaubt sind nur eine Packung pro Person. Überall sei sie schon rumgefahren, sie möchte für ihre Schwester auch welches mitnehmen. Doch die Rewe-Mitarbeiter bleiben hart und appellieren, sie möge doch solidarisch sein gegenüber denjenigen, die auch Toilettenpapier benötigen. Die junge Frau kann sich kaum beruhigen und wolle über die sozialen Medien verbreiten, dass es hier Toilettenpapier gebe.
Im Aldi Schifferstadt ein ähnliches „Drama“: Die Tochter sei berufstätig, darum möchte eine ältere Dame für sie das begehrte Hygieneprodukt mitnehmen. Auch hier: Keine Chance. Die Dame ist einsichtig. Was die Leute hier kaufen, sei nicht nachvollziehbar, sagt ein Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand. Er habe mal nachgerechnet: Auf 14 Tage Quarantäne umgerechnet seien das im Schnitt vier Rollen und mehr täglich – pro Person. Dann schiebt er die neue Palette Toilettenpapier in den Gang.
Hühnchen ist gefragt
Bei Aldi in Schifferstadt ist auch Mehl und Zucker rationiert – eine Packung pro Person. Bei Rewe sind einige Auslagen in der Obst- und Gemüse-Abteilung leer. Und bei Real gibt es kein Hähnchenfleisch mehr. Der Verkäufer ist ratlos, warum ausgerechnet Hähnchen so gefragt ist. Eine Kundin vermutet, dass viele Eltern ja nun für ihre Kinder kochen müssten. Und Hähnchen sei nun ja beliebt bei Kindern. Dass Familien nun mehr selbst kochen, würde auch erklären, warum am Montag im Real viel los war, wie zwei Verkäuferinnen einer Metzgerei im Außenbereich bestätigen. Und auch sie berichten von Ärger ums Toilettenpapier. Doch sie nehmen’s mit Humor: „Ich habe gehört, in Frankreich sind Rotwein und Kondome aus.“ Die andere kann es kaum glauben. Dann müssen sie lachen.