Rhein-Pfalz-Kreis
Am Donnerstag ertönen Sirenen
Wehrleiter Stefan Zöller kann sich an keine Notlage erinnern, bei der die Sirenen in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen zuletzt zu hören waren. „Das war definitiv vor meiner Zeit als Wehrleiter“, sagt Zöller, der dieses Ehrenamt seit 20 Jahren inne hat. Bei der Gasexplosion in Harthausen sei die Bevölkerung durch die Medien und Durchsagen der Polizei vor Ort informiert worden. Dennoch findet der Wehrleiter Sirenen sinnvoll – auch mit Blick auf die Gefahr vor Hochwasser. Durch die Digitalisierung und Warnapps wie „Nina“ und „Katwarn“ gebe es zwar neue Möglichkeiten, die Bürger im Notfall zu informieren, allerdings habe nicht jeder ein Smartphone beziehungsweise diese Apps. Hinzu komme, dass Sirenen deutlich hörbar seien und im Notfall auch als Alternative zum Funkmeldeempfänger genutzt werden könnten, um Feuerwehrleute zum Einsatz zu rufen.
Derselben Meinung ist Michael Jaspers, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Rheinauen. Dort gibt es derzeit noch elf Sirenen – fünf in Neuhofen, drei in Otterstadt, zwei in Waldsee und eine in Altrip. Diese wurden, abgesehen vom jährlichen Probealarm, seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt. Jaspers zufolge waren es früher mehr Sirenen.
Sirenen abgebaut
„Als der Bund nach dem Ende des Kalten Kriegs das Sirenennetz an die Kommunen abgedrückt hat, sind manche einfach abgebaut worden“, sagt der Wehrleiter. Auch Stefan Zöller berichtet, dass in Dudenhofen eine deinstalliert worden sei. Derzeit gibt es in der Verbandsgemeinde noch acht Sirenen – drei in Römerberg, je zwei in Harthausen und Dudenhofen sowie eine in Hanhofen. In Zukunft werden es noch weniger sein: Denn in beiden Verbandsgemeinden sollen die Sirenen modernisiert werden. Zurzeit laufen nach Angaben der Wehrleiter die Planungen. Die geschätzten Kosten belaufen sich jeweils auf rund 120.000 bis 130.000 Euro. Den Feuerwehrchefs zufolge haben die neuen Sirenen eine größere akustische Reichweite als die alten, weshalb weniger notwendiger seien. Zudem müssten sie seltener gewartet und könnten zentral ausgelöst werden. In Harthausen, Hanhofen und Dudenhofen sowie in Altrip müssen die Sirenen derzeit noch manuell angeschaltet werden. In Harthausen befinde sich eine auf einem Privatgrundstück, weshalb die Feuerwehr für den Warntag beim Besitzer anfragen musste, um auf das Grundstück zu kommen, sagt Zöller. Wenn die Modernisierung abgeschlossen ist – der Wehrleiter hofft auf nächstes Jahr – wird es Sirenen nur noch auf kommunalen Gebäuden geben.
Sowohl Zöller als auch Jaspers finden den Warntag sinnvoll. „Er kommt jedoch ein Jahr zu früh und hätte sauberer vorbereitet werden müssen“, sagt Zöller, der auch darauf hinweist, dass ehrenamtliche Feuerwehrleute donnerstagsvormittags normalerweise ihrem Beruf nachgehen. Zudem müsse die Bevölkerung auch über die Bedeutung der Warntöne informiert werden, finden die Wehrleiter. Die Sirenensignale sind deutschlandweit nicht einheitlich geregelt, seit der Bund den Kommunen die Sirenen überlassen hat. Laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt es seit vergangenem Jahr eine Empfehlung, zur Warnung einen einminütigen auf- und abschwellenden Heulton und zur Entwarnung einen durchgängigen Dauerton zu verwenden.
Kreis löst „Katwarn“-Alarm aus
In den beiden Verbandsgemeinden werden Feuerwehrleute am Donnerstag ab 11 Uhr die Sirenen aufheulen lassen. Ob in allen Kommunen im Rhein-Pfalz-Kreis die Sirenen ertönen werden, konnte die Kreisverwaltung auf Anfrage nicht sagen. Die Behörde ist für den Katastrophenschutz zuständig. Laut Pressesprecher Tilo Meinke sind alle Kreiskommunen aufgerufen, am Warntag teilzunehmen. Eine Abfrage habe „eine breite Teilnahme gezeigt“. „Wir gehen davon aus, dass alle Kreisgemeinden, die die Möglichkeit haben, auch in angepasster Form am Warntag teilnehmen werden“, sagt Meinke. Er weist auf Nachfrage darauf hin, dass die Kreisverwaltung am Donnerstag einen Alarm über die App „Katwarn“ für den gesamten Kreis versenden werde. Auch die Gemeinden waren aufgerufen, für ihr Gebiet einen Alarm über die App auszulösen.
Der bundesweite Warntag soll künftig jährlich an jedem zweiten Donnerstag im September stattfinden.
Zur Sache: Warntag im Kreis Germersheim
Im Landkreis Germersheim wird die für den Katastrophenschutz zuständige Kreisverwaltung einen Probealarm über die App „Katwarn“ auslösen. Eine Warnung über Sirenen, die die Kreisverwaltung zentral auslösen könnte, werde es nicht geben, teilt Pressesprecherin Claudia Seyboldt auf Anfrage mit. Sie begründet dies damit, dass Sirenen durch „schnellere und genauere“ Warnapps wie „Katwarn“ nicht mehr essenziell seien. „Trotzdem bestehen im Landkreis Germersheim Bestrebungen, die Sirenen auf den neuesten technischen Stand zu bringen und dann wieder zu nutzen“, sagt die Kreissprecherin. Sie macht zudem deutlich, dass im Ernstfall außer über Apps auch über Lautsprecherdurchsagen gewarnt werde. „Am Warntag werden die Lautsprecherdurchsagen jedoch nicht zum Einsatz kommen, da sie erst kürzlich bei der Bombenentschärfung in Wörth und Germersheim eingesetzt wurden, sie sich bewährt haben und es außerdem große Manpower vonseiten der Feuerwehren bindet“, sagt Seyboldt.
Sirenen häufiger im Einsatz
In der Verbandsgemeinde Lingenfeld sind die Sirenen nach Angaben von Wehrleiter Steffen Andres noch relativ häufig im Einsatz. Ihm zufolge ertönen sie auch bei größeren Gebäudebränden. Das komme etwa einmal im Halbjahr vor, schätzt der Wehrleiter. Er begründet diesen Feueralarm per Sirene damit, dass die Bevölkerung dadurch wisse, dass etwas Größeres passiert sei. Außerdem sei die Erfahrung gemacht worden, dass die Straßen leerer seien und die Bürger mehr Verständnis für viele Einsatzfahrzeuge, Blaulichter und die mit den Martinshörnern verbundene Geräuschkulisse hätten. Nachdem vor ein paar Jahren in Lingenfeld eine Bombe gefunden worden sei, seien die Sirenen unmittelbar vor der Sprengung ebenfalls eingeschaltet worden, nennt Wehrleiter Steffen Andres noch ein Beispiel. In der Verbandsgemeinde Lingenfeld gibt es nach seinen Angaben rund 20 Sirenen.
Kommentar: Kommunikation erwünscht
Vor dem bundesweiten Warntag wäre mehr Kommunikation hilfreich gewesen.
Der deutschlandweite Warntag, den Bund und Länder ins Leben gerufen haben, ist an sich eine gute Idee. Der Aktionstag soll die Bürger für das Thema Warnung sensibilisieren. Allerdings zeigt sich dabei auch, welche Auswirkungen es hat, wenn eine Initiative von oben nach unten durchgereicht wird. Bund und Länder hatten die Idee und gaben sie weiter an die für den Katastrophenschutz zuständigen Städte und Kreisverwaltungen. Das führt zu unterschiedlichen Vorgehensweisen: Im Kreis Germersheim setzt die Behörde nur eine Anregung um. Sie wird über die App „Katwarn“ warnen, mehr nicht – auch mit Rücksicht auf die ehrenamtlichen Feuerwehrleute. Im Rhein-Pfalz-Kreis will die Kreisverwaltung „Katwarn“ selbst auslösen, hat aber ansonsten den Gemeinden überlassen, was sie machen. Das kommt nicht überall gut an. Manch einer hätte sich mehr Kommunikation von oben gewünscht, gerade weil es im Notfall ohne die Ehrenamtlichen und die Verwaltungen vor Ort nicht geht.