Rhein-Pfalz Kreis Alles für die Katz’

Glück gehabt: Ein Fotograf bekommt eine Wildkatze direkt vor die Linse.
Glück gehabt: Ein Fotograf bekommt eine Wildkatze direkt vor die Linse.

Nein, sie streift nicht verschmust um die Beine, miaut leise und schnuppert niedlich an Dosenfleischscheiben mit Petersiliengarnitur – die Wildkatze ist wirklich wild. Sie ist frei. Und sie fängt sich ihr Fressen selbst. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat heuer ein Tier des Jahres auserkoren, für das hierzulande sogar Brücken gebaut werden.

Wer Wildkatze hört, denkt an Grünbrücke. Zumindest wird es vielen Menschen im Rhein-Pfalz-Kreis so gehen. Die Querungshilfe für Tiere über die A 61 bei Schifferstadt ist immer wieder diskutiert worden. Vor allem Tierschützer haben sich für das Vorhaben stark gemacht, für das es letztlich im Januar 2015 grünes Licht aus Berlin gab. Nach Gesetzeslage muss nämlich der Bund das Vorhaben bezahlen. Doch wann er dafür Geld bereit stellt und wann die Grünbrücke gebaut wird, steht auch nach drei Jahren noch nicht fest. Gewiss ist, dass die Wildkatze tatsächlich in den Wäldern der Pfälzischen Rheinebene vorkommt. „Man trifft sie jetzt nicht gerade mal eben so, denn Wildkatzen sind extrem scheu“, sagt Bildungsförster Volker Westermann. „Aber es gibt Methoden, herauszufinden, ob die Tiere in bestimmten Regionen unterwegs sind.“ Baldrian ist dabei das Mittel der Wahl. Der Stoff zieht Katzen magisch an. An sogenannten Lockstöcken bleiben ihre Haare hängen und der Beweis ist erbracht. Forstliche Forschungseinrichtungen und der BUND kümmern sich um solche Tests. Im Rhein-Pfalz-Kreis sind den Naturschützern zufolge sowohl die Auenwälder als auch der Schifferstadter Wald für Wildkatzen geeignet. Getrennte Gebiete, denn die A 61 zerschneidet die Landschaft. Das macht es den Katzen schwer, unbeschwert umherzustreifen. „Und das ist nicht nur bei uns so. Die Katzen leben oft in abgetrennten Bereichen. Ein bisschen wie auf einsamen Inseln, was die Fortpflanzung erschwert“, erklärt der Förster. Aber auch zum Jagen brauchen sie Platz. Kater durchstreifen dabei Reviere von bis zu 3000 Hektar. „Da kann eine Autobahn schnell mal im Weg sein“, sagt Westermann. „Und da sind wir wieder beim Stichwort Grünbrücke.“

Todesfalle Straße

Der Mensch hat das Problem erkannt. Tierschützer haben gekämpft. Deshalb gehört die Wildkatze in Deutschland zu den Gewinnern unter den heimischen Wildtieren. Zwischenzeitlich fast ganz verschwunden, leben nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung heute wieder rund 6000 Katzen in der Republik. „Und man höre und staune: Das Zentrum der Verbreitung liegt in Rheinland-Pfalz. Die meisten Wildkatzen leben im Pfälzerwald, im Hunsrück und in der Eifel. Wir Rheinland-Pfälzer haben also für die Erhaltung dieser seltenen Art eine ganz besondere Verantwortung“, sagt Westermann. Und auch die Tierschützer bei der Deutschen Wildtier Stiftung sind der Meinung: Nur weil es wieder mehr Katzen gibt, heißt das nicht, dass sie keinen Schutz mehr brauchen. „Die meisten Todesopfer unter Wildkatzen fordert immer noch unser dichtes und vielbefahrenes Straßennetz“, schreibt die Stiftung auf ihrer Homepage. Und deshalb ist die Europäische Wildkatze Tier des Jahres. „Der Fokus richtet sich damit auf einen Ureinwohner unserer Tierwelt“, sagt Westermann. „Wildkatzen haben nichts mit unseren Hauskatzen zu tun, die von der nordafrikanischen Falbkatze abstammen und vermutlich von den Römern als Haustier etabliert wurden.“ Was aber nicht heiße, dass man eine Wildkatze nicht mit einer Hauskatze verwechseln kann. Aber es gibt Unterscheidungshilfen.

Wildkatzen warten nicht auf Whiskas

Wildkatzen sind zwar kaum größer als Hauskatzen, durch ihr längeres Fell – besonders im Winter – wirken sie aber meist kräftiger. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zwischen Wildkatzen und wildfarbenen Hauskatzen: der dickere Schwanz der Wildkatze, der zudem weniger Ringe hat und auffällig stumpf endet. Außerdem hört der dunkle Strich auf dem Rücken bei Wildkatzen bereits an der Schwanzwurzel auf – bei wildfarbenen Hauskatzen zieht er sich über den gesamten Schwanz. Bei sehr jungen Wildkatzen ist es noch schwerer: Sie sind kaum von Hauskatzenkindern zu unterscheiden. Die Wildkatze ist sehr scheu und meidet die Nähe zum Menschen. „Das heißt, man kommt nur selten in die Verlegenheit, Wild- und Hauskatze zu verwechseln – ganz einfach deshalb: Man sieht die Wildkatze kaum“, sagt Westermann und lacht. Wildkatzen warten nicht auf Whiskas. Sie fangen sich ihr Fressen selbst. Sie leben überwiegend von kleinen Säugetieren, insbesondere von Mäusen. Sie sind geschickte Anschleich- und geduldige Ansitzjäger. Außerdem haben sie supergute Ohren, sodass sie ihre Beutetiere auch in dichter Vegetation oder in der Dunkelheit wahrnehmen. Durch die unabhängig voneinander in fast alle Richtungen beweglichen Ohren kann eine Maus schnell lokalisiert werden. „Wildkatzen gelten als nahezu unzähmbar, sie lassen sich von Menschen nur ungern berühren, auch nicht, wenn sie in Gefangenschaft leben.“ Die Wildkatze braucht ihre Freiheit und ihren Freiraum. „Und die Forstämter wollen mithelfen, ihr beides zu erhalten“, sagt Volker Westermann. Dabei spielten Struktur und Aufbau der Wälder eine große Rolle. So ziehen Wildkatzen beispielsweise ihre Jungen am sichersten und am liebsten in Baumhöhlen dicker Bäume in einer gewissen Entfernung vom Erdboden groß. „Solche alten Bäume gibt es in Wäldern mit hohem Totholzanteil – sie gilt es deshalb besonders zu schützen. Es muss auch Bäume geben, die über das Alter hinaus stehen bleiben, in denen man sie aus wirtschaftlichen Gründen nutzen würde.“ In Rheinland-Pfalz wurden bereits ökologisch besonders wertvolle Einzelbäume sowie kleine und größere Waldareale herausgesucht, markiert und festgehalten – hier findet keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr statt und Bäume können uralt werden. In Deutschland sollen sich Volker Westermann zufolge fünf Prozent der Waldfläche künftig natürlich entwickeln dürfen. „Das ist ein sehr wichtiger Beitrag zum Artenschutz. Auch wenn der Wald dann vielleicht nicht immer besonders aufgeräumt aussieht.“ Wen das stört, der möge doch an junge Wildkätzchen in alten Bäumen denken. Miau.

Da ist doch was: Eine Wildkatze steht auf einem Stein und beobachtet ihr Revier. Vielleicht huscht ja ein unaufmerksames Mäusche
Da ist doch was: Eine Wildkatze steht auf einem Stein und beobachtet ihr Revier. Vielleicht huscht ja ein unaufmerksames Mäuschen vorbei ...
Baum hoch: Wildkatzen sind geschickte Kletterer.
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