Rhein-Pfalz Kreis „Alla hopp“ passt immer

Gilbert wird von Pfarrer Heiko Schipper (links) und Günter Krick betreut. In Mutterstadt ist der 29-Jährige dank eines EMS-Austa
Gilbert wird von Pfarrer Heiko Schipper (links) und Günter Krick betreut. In Mutterstadt ist der 29-Jährige dank eines EMS-Austauschprogramms. Die Evangelische Mission in Solidarität existiert seit 1972 als eingetragener Verein mit Sitz in Stuttgart und organisiert verschiedene Projekte.

«Mutterstadt.» Das Abenteuer, auf das sich Gilbert Nana Kwame Acquah eingelassen hat, beginnt ausgerechnet an einem Rosenmontag. Der 29-Jährige landet im kalten und regnerischen Frankfurt. Und hat keine Jacke dabei. Wie närrisch, denkt mancher vielleicht. Aber dass hier etwas Warmes zum Anziehen wichtig ist, ahnt man einfach nicht, wenn man aus der in der Eastern Region gelegenen Stadt Akim-Oda im westafrikanischen Ghana stammt. „So geht das bei uns nicht“, sagt gleich beim Empfang sein Gastgeber, der 77-jährige Günter Krick, der ihm bis Ende Juli ein Zuhause in Mutterstadt geben wird. Und organisiert aus der Gemeinde ein paar passende Kleidungsstücke. Tatsächlich stehen dem jungen Mann mit der modischen schwarz gerahmten Brille sein aktuelles Outfit, eine helle Hose, ein schwarzweiß gemustertes T-Shirt und darüber eine graue Sweat Jacke prima. Wenn es wärmer wird, wird er sicherlich auch einmal seinen mitgebrachten Batakari tragen – ein kurzärmliges nach unten in weiten Falten geöffnetes besticktes Oberteil. Die hiesigen Frühlingstemperaturen ist der in tropischem Klima aufgewachsene Wirtschaftsstudent nicht gewohnt. In Akim-Oda hat es um die 30 Grad. Dort ist er bei seiner Oma und mit zwei Schwestern (16 und 19 Jahre alt) aufgewachsen. Nach seinem Schulabschluss 2008 besuchte er vier Jahre lang eine private Universität in Accra, der zweieinhalb Fahrstunden entfernten Hauptstadt Ghanas. Danach arbeitete er einige Jahre in einem Unternehmen für Informationssicherheit. Weil er es aber schon immer liebt, Menschen zu helfen, und es ihn außerdem gereizt hat, Erfahrungen mit anderen Kulturen machen, entschied er sich für das Freiwilligen-Austauschprogramm bei der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS). Glück für den rüstigen Rentner Günter Krick, der sich für seine Kirchengemeinde schon länger einen jungen Gast von einem anderen Kontinent gewünscht hat, und das Presbyterium für die Unterstützung und auch Pfarrer Heiko Schipper als Mentor für dieses Projekt gewinnen konnte. Einzigartig im Rhein-Pfalz-Kreis. „Es gefällt mir hier sehr gut, die Leute sind sehr nett und offen“, beschreibt Gilbert seine Eindrücke vom Leben in der Pfalz. Mit seinem sympathischen Wesen und seiner eigenen Unvoreingenommenheit kommt der 29-Jährige gut an in seinem neuen Umfeld. Im Frauenkreis konnte er schon Herzen gewinnen und im Chor ist er bereits eine feste Größe. „Der Chorleiter will ihn gar nicht mehr hergeben“, berichtet Günter Krick. Auch die Kindergartenkinder haben in ihm einen neuen großen Freund gefunden. Mit denen spielt er fleißig Fußball und lässt sich Löcher in den Bauch fragen. „Probiere, was du nicht kennst“ lautet sein Prinzip und die Herausforderung damit ist klar: Saumagen und Weinschorle. Beides hat ihm geschmeckt, nur das Sauerkraut war nicht so seins, gibt er lächelnd zu. „Eigentlich isst er alles und ist so herrlich unkompliziert“, schwärmt sein Gastgeber Krick und ist sich schon jetzt sicher, dass er Gilbert irgendwann vermissen wird. Die Verständigung zwischen den beiden läuft bestens, oft brauchen die zwei nur Blicke und es ist alles klar. Wenn sie gar nicht weiterkommen, hilft eine Übersetzungs-App, um eine Brücke zwischen Englisch und Pfälzisch zu schlagen. Aber Gilbert kann auch schon ein paar Worte Deutsch und er hat gelernt, dass man mit „Alla hopp“ eigentlich immer richtig liegt – egal ob für Zustimmung, wenn einem gerade nichts anderes einfällt oder bevor man los geht. In seiner Freizeit hört er gerne Musik, liest oder malt. Am allerliebsten jedoch ist er in der Pfarrei unterwegs, um zu erleben, wie Christentum in Deutschland gelebt wird. Und um zu erfahren, was einen Deutschen ausmacht – außer Kartoffeln, Bier und (in der Pfalz) Wein. „Hier ist alles mehr theoretisch, in meinem Land eher spirituell“, hebt er einen Unterschied hervor. Er wünscht sich, durch sein Hiersein mehr junge Leute zu erreichen und die Gottesdienste zu beleben. Ganz wichtig ist auch seine Botschaft: „Sich nicht so viele Sorgen machen“. Dann wird sicherlich alles gut! So blickt er selbst zuversichtlich in die Zukunft. Er möchte, zurück in Ghana, eine Art Vater werden – für viele Kinder. Er möchte sie in einer Art Kinderheim, aber mit persönlicher Bindung großziehen. Eine eigene Familie schließt er ebenfalls nicht aus, will jedoch sich und dem Mädchen, das in seiner Heimat auf ihn wartet, keinen Druck machen. Es wird sich fügen. Alla hopp!

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