Rhein-Pfalz Kreis Abgehärtet ins neue Jahr: Fünftes Neujahrsschwimmen an der Neuhofener Schlicht

Die wärmenden Hüllen fallen – und die Winterschwimmer stürzen sich in die kalten „Fluten“ der Neuhofener Schlicht.
Die wärmenden Hüllen fallen – und die Winterschwimmer stürzen sich in die kalten »Fluten« der Neuhofener Schlicht. Foto: Melder/frei

Es gibt Stammschwimmer, die am Neujahrstag für ein paar Sekunden zum „Helden“ werden. Weil sie die wärmende Kleidung ablegen und sich in den – diesmal – vier Grad kalten Badesee Schlicht stürzen. Doch das Spektakel lockt auch immer wieder neue Wagemutige an.

Wenn eine weiß, wozu kalte „Güsse“ gut sind, dann ist es Claudia Bardowicks. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des Speyerer Kneipp-Vereins und kam gerade von einem Urlaub in Lappland zurück. Bereits dort war sie dem Meer entstiegen – bei frostigen Temperaturen, versteht sich. Nun also der Badesee Schlicht zwischen Neuhofen und Waldsee. Fünftes Neujahrsschwimmen, wieder ein Spektakel, das mit jedem Jahr größer zu werden scheint, Gaudi-Stimmung. 45 Schwimmer haben sich in das vier Grad kalte Wasser begeben, mehr als 100 Zuschauer standen am Ufer. Sie feuerten ihre Freunde und Familienmitglieder an, versorgten sie mit Handtüchern und allem, was sonst noch wärmt. Das kann die Sonne noch nicht leisten, wenngleich sie prächtig vom Himmel schien.

Als die mutigen Neujahrsschwimmer gegen halb zwei am Mittag am See eintrafen, war Uwe Rehren, der ehemalige Pächter des Schlicht-Kiosks, bereits vor Ort. Er hatte die neuen Pächter Achim und Simon Steck aus Gommersheim mitgebracht. Sie werden ab sofort für die nächsten 20 Jahre – oder länger – das Zepter übernehmen. Zum Ausstand von Rehren und Einstand der beiden Neuen gab es Glühwein und Kuchen. Zukünftig wolle man an dem bewährten Konzept bis auf Kleinigkeiten nichts ändern.

Einstiegsort wurde verlegt

Im ersten Jahr des Neujahrsschwimmens war Alexandra Niederrielage aus Limburgerhof eine von zwei Frauen, die sich in das Wasser begab. Die heute 62-Jährige machte vielen Mut, es ihr nachzutun. Einer der Initiatoren aus dem ersten Jahr ist auch Thomas Neu, der bei keinem Neujahrsschwimmen fehlen darf und will. Bärbel und Christian sind ebenfalls treue Schlichtschwimmer und mit Begeisterung jedes Jahr dabei. Alle Jahre wieder kommt auch der 65-jährige Hanjo Sattler. Seine Familie Stürzel-Sattler hat ein Jahr Vorsprung, den er wohl nicht mehr einholen kann.

Dirk Pfister vom Gentlemen Adventure Sports Club und ebenfalls Mann der ersten Stunde begrüßte auf einem Tisch stehend die vielen Besucher, die es sich bereits traditionsmäßig nicht nehmen ließen, der Veranstaltung und dem Abenteuer zu Jahresbeginn beizuwohnen. Pfister hatte sich bereits am Tag zuvor von der „Wasserqualität“ überzeugt und blieb an diesem Mittag an Land. Allerdings musste dieses Mal der gewohnte Einstiegsort verlegt werden, da ein quer liegender dicker Baumstamm zur Gefahrenquelle wurde und das Wasser an dieser Stelle viel zu flach war. Kurzerhand zog man zur Treppe direkt unter dem Kiosk um. Und dann machten sich die wagemutigen Schwimmerinnen und Schwimmer kurz vor 14. Uhr bereit, ließen die wärmenden Hüllen fallen und stürzten sich auf Kommando in die nasskalten „Fluten“ und das Wasser spritzte unter Johlen und Schreien nur so in die Höhe.

Gäste aus den USA da

Neben den Stammschwimmern gab es auch viele Neulinge, die einfach neugierig waren auf die Atmosphäre und die Erfahrung. Sie wollten wissen, wie es sein würde, über sich hinauszuwachsen, die Zähne zusammenzubeißen und für Sekunden einfach mal ein „Held“ zu sein. Bettina Lehmann etwa war eine von ihnen. Sie hatte durch eine Dannstadter Freundin vom Neujahrsschwimmen erfahren. Diesmal war sie noch nur zum Schnuppern hier, wollte aber eventuell nächstes Jahr mit dabei sein, wenn es wieder heißt „Ab ins Wasser“. Seit 16 Jahren an der Schlicht ist Ute Fletschinger – zum winterlichen Baden kam sie jedoch zum ersten Mal.

Zum weihnachtlichen Verwandtenbesuch in Mannheim und mit der weitesten Anreise aus Los Angeles waren Michaela, Christian und Ian Zenke. Sie hörten von dieser Aktion und wollten in den USA darüber berichten. Da in Kalifornien immer die Sonne scheint, können sich die Einheimischen dort kaum vorstellen, dass es hier in Deutschland so ein paar „Verrückte“ gibt, die bei winterlichen Temperaturen ins Wasser steigen. Für Neuhofen gilt: weit gefehlt!

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